Ausschreibungsdatenbanken

So kommen Sie zu Großaufträgen

Sanitär
09.12.2021

Von: Christian Klobucsar
Immer mehr SHK-Fachbetriebe entdecken die Vorteile einer Zusammenarbeit mit großen Wohnbauträgern oder der öffentlichen Hand. Doch wie kommt man an derartige Projekte heran? Eine gute Möglichkeit ist die Recherche in einschlägigen Onlinedatenbanken.
Sanitaerprojekt

Offizielle Stellen sind verpflichtet, Ausschreibungen öffentlich bekanntzumachen. Durch eine entsprechende Verordnung wurde beispielsweise für den Bund die elektronische Version des Amtlichen Lieferungsanzeigers, der als Teil des "Amtsblatts zur Wiener Zeitung" erscheint, festgelegt. Die gute Nachricht: Seit der vor ein paar Jahren in Kraft getretenen Novelle des Bundesvergabegesetzes gilt bei öffentlichen Aufträgen das Best- anstatt des Billigstbieterprinzips. So muss seither etwa bei Aufträgen mit einem Auftragsvolumen von mehr als einer Million Euro der Fokus stärker auf Qualitätskriterien, Regionalität und Folgekosten liegen. Darüber hinaus sollen insbesondere Lohn- und Sozialdumping durch eine neue Sub­unternehmerregelung verhindert werden. Zahlreiche öffentliche Auftraggeber veröffentlichen ihre Ausschreibungen auch elektronisch.

Inhaltliche Rahmenbedingungen

Barrierefreie Bäder liegen bekanntlich nicht nur im Trend, sie sind im sozialen Wohnbau und bei öffentlichen Bauten auch gesetzlich vorgeschrieben. Herausforderungen für das Gewerbe liegen hier jedoch laut zahlreichen Rückmeldungen vor allem in der Abdichtung und Verfugung barrierefreier Duschen, die leicht zum Knackpunkt zwischen den Gewerken werden. Fehler passieren zum einen in der Verbundabdichtung und zum anderen in der Entwässerung, welche Schäden in der Unterkonstruktion des Bauwerks verursachen. Eine Lösung heißt Sekundärentwässerung auf zwei Ebenen: Das Wasser wird unter den Fliesen durch eine Alternativabdichtung abgefangen und dann noch einmal entwässert. Diese speziellen Produkte haben nahezu alle Hersteller*innen in ihren Systemangeboten.

Ein weiteres akutes Sanitärthema im mehrstöckigen Großbau ist die Garantie der Wasserhygiene: Damit sich keine Keime in den Trinkwasserleitungen ablagern, muss das gesamte System permanent durchspült werden. Totleitungen sind unbedingt zu vermeiden, die geltenden Normen und Richtlinien sind einzuhalten. Gerade im Objektbereich wird auch der Schallschutz immer wichtiger: Die Ansprüche der Nutzer*innen steigen, niemand will die Geräusche seiner Nachbar*innen aus dem Badezimmer oder WC hören. Die einwandfreie Ausführung spielt hier eine sehr wichtige Rolle, denn nur dadurch können Schallbrücken vermieden werden. Gerade Abwasserleitungen sind oft Ursache für unschöne Geräusche. Für die Entkoppelung vom Bauwerk und eine leise Abwasserinstallation sind die Verwendung von Rohrsystemen und aufeinander abgestimmten Komponenten, wie beispielsweise Systemrohrschellen, ein wesentlicher Faktor. 

Hier spielen auch noch andere Themen hinein: Gute Lösungen sind Vorwandinstallationssysteme, die eine schnelle Installation bzw. Sanierung auch bei wenig Platz möglich machen. Wobei sich hier je nach Alter des Bestands wieder Herausforderungen in der Befestigung am bzw. im Mauerwerk ergeben können. Für den öffentlichen Bereich – im Gegensatz zum privaten Bauen – bieten sich auch vorgefertigte und vorisolierte Installationsboxen an. Der höhere Preis im Gegensatz zu den Einzelprodukten wird durch die Zeitersparnis beim Einbau wieder ausgeglichen und bietet Installateur*innen und Planer*innen angesichts immer kürzerer Bauzeiten neue Chancen.

Auswahlkriterien bei Keramik und ­Armaturen

Bei Armaturen und Sanitärkeramik sind der Preis – der durch die Menge günstiger wird –, eine einwandfreie Funktion und ein klassisches Design die wichtigsten Auswahlkriterien. Berührungslose Armaturen sind ein Thema für WC- und Sanitäranlagen in öffentlich zugänglichen Bereichen. Im Wohnbau oder in der Hotellerie kommen diese kaum zum Einsatz – auch weil die Technik die Nutzer*innen nicht überfordern soll. Dafür steht hier zunehmend der Umweltgedanke im Fokus. Es gibt beispielsweise Kopf- und Handbrausen, wo der Wasserdurchfluss auf neun Liter pro Minute beschränkt ist, bei Waschtischarmaturen sogar auf nur fünf Liter. Im Privathaushalt fällt die derartige Kostenersparnis nicht so auf, aber wenn etwa in großen Hotels alle Duschen 20 Liter pro Minute verbrauchen, wirkt sich dies natürlich aus. Außerdem wollen viele Hoteliers derart bei der Klassifizierung punkten sowie ihren ökologisch bewussten Gästen durch Umweltzeichen Argumente für eine Buchung liefern. 

Im klassischen Wohnbau wird zumeist auf die jeweilige Funktion und passendes Design gesetzt. Die Anforderungen in der Hotellerie unterscheiden sich insofern, als dass wesentlich mehr Wert auf gediegene Optik gelegt wird. Vor allem im Luxus-Hotelsegment wird generell ganz besonders in den Sanitärbereich investiert. Nachdem Gäste bei ihrer Quartierwahl vor allem auf gefällige Badezimmer achten, setzen Hotelbesitzer*innen häufiger auf innovative Lösungen und High-End-Produkte. Ein noch junger Trend ist dabei die Einbindung von Smart-Home-Lösungen wie etwa Smart Mirrors, die als intelligente Spiegel nicht nur für aktuelle Infos in der Früh sorgen, sondern auch die TV-Nachrichten einblenden können. Auch die Möglichkeiten der LED-Technik erlauben es, einzelne Bereiche gekonnt in Szene zu setzen und derart um wenig Geld die Sanitärhighlights im wahrsten Wortsinn ins rechte Licht zu rücken.

Ausschreibungsdatenbanken

http://ted.europa.eu
In Summe werden täglich mehrere Hundert Ausschreibungen von Bund, Ländern, Gemeinden, Gemeindeverbänden etc. in den EU-Staaten veröffentlicht, deren Wert jährlich insgesamt über 700 Milliarden Euro ausmacht. Die EU publiziert diese Ausschreibungsankündigungen zusammen mit einer Kurzübersetzung in allen Amtssprachen der Union in der kostenlos abrufbaren Datenbank TED. Nicht nur Neuaufträge und Vorinformationen für geplante Ausschreibungen werden veröffentlicht, auch die Ergebnisse der Verfahren mit Namen des Bestbieters und (fakultativ) des Zuschlagspreises werden als Quelle für Marktbeobachtung und Konkurrenzanalyse in TED angegeben. TED dient vor allem dazu, dass Unternehmen leicht Zugang zum Ausschreibungsmarkt der EU finden. 

www.auftrag.at
Diese Datenbank bietet Zugang zu allen österreichischen (Bund, Länder, größere Städte), europäischen und internationalen Ausschreibungen der öffentlichen Hand sowie Informationen der Außenhandelsstellen der WKÖ. Dieser Ausschreibungsdienst gibt weiters eine Gesamtübersicht über alle Ausschreibungen der Länder mit zeitlich uneingeschränkter Suchmöglichkeit und automatischem Zustellservice per E-Mail. Direkter Download der Ausschreibungsunterlagen (sofern verfügbar) wird ermöglicht. Der Vorteil dieser Plattform ist nicht nur der österreichweit umfassende Anspruch, sondern vor allem die selektive Auswahlmöglichkeit für Unternehmer*innen, die bestimmte Ausschreibungen oder gezielte Auftragsmöglichkeiten aussuchen möchten. Die Informationsbeschaffung erfolgt durch die Anlage eines Suchprofils (z. B. „Installateur“ – es werden alle Ausschreibungen, die mit Installateurarbeiten zu tun haben, selektiert und täglich an die gewünschte E-Mail-Adresse übermittelt). 

www.vergabeportal.at
Alle Ausschreibungen des Bundes, der Stadt Wien, der Länder Salzburg und Steiermark (Eingabeportal.at) aus dem Supplement zum Amtsblatt der EU sowie exklusiv auch von den Auslandsbüros der Stadt Wien ausgewählte unterschwellige Ausschreibungen aus Kroatien, Tschechien, Ungarn, Polen, Slowenien, Serbien, Bulgarien sowie Bosnien-Herzegowina werden – mit täglich mehr als 1.000 neuen Einträgen – zentral erfasst. Aktuell sind rund 40.000 laufende Ausschreibungen und Bekanntmachungen verfügbar. Vergabeportal.at bietet verschiedenste Funktionen für die Suche nach relevanten Ausschreibungen. In der erweiterten Suche ist auch eine umfangreichere Recherche nach z. B. Auftraggebern oder abgelaufenen Ausschreibungen möglich. Anwender*innen erhalten übersichtlich geordnet nach Bundesländern und Abgabedatum die Ergebnisse ihrer Suche.

www.immounited.com
Die Datenbank der Immounited liefert relevante Infos zu heimischen Wohnbauprojekten. Erst kürzlich wurde dieser Service um die Bauprojektdatenbank „Immodeveloper“ erweitert. Diese bietet neben einem Überblick über den Bauträgermarkt via grundbücherlicher Transaktionen nun auch Share Deals. Dadurch erhalten Anwender*innen zusätzlich Daten bezüglich Kaufs bzw. Verkaufs von Firmen mit Immobilienbesitz. 

www.ausschreibung.at
Für Bieter*innen stellt das Online-Ausschreibungsservice sämtliche öffentliche Bauausschreibungen, Wettbewerbe, Vorinformationen im Bereich Bau- und Instandhaltung täglich aktuell zur Recherche bereit. Auch beschränkte Ausschreibungen, die von vergebenden Stellen zusätzlich zur Einladung eines ausgewählten Bieter*innenkreises optional auf die Plattform gestellt werden, können über das Online-Ausschreibungsservice recherchiert werden. Komfortable Suchfunktionen zum Auffinden der Ausschreibungen unterstützen Bieter*innen bei der Recherche. Das Einstellen von individuellen Suchprofilen, Schlagworten und die optionale automatische Verständigung mittels E-Mail ist möglich. Sofern von den ausschreibenden Stellen bereitgestellt, können die kompletten Ausschreibungsunterlagen (Leistungsverzeichnisse, Pläne etc.) heruntergeladen werden.

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