Kommentar

Fachkräfte als Herausforderung der Zukunft

Lehrlingsausbildung
12.10.2021

Von: Robert Frasch
Qualifizierte Mitarbeiter*innen sind, gerade für Gewerbe und Handwerk, der entscheidende Faktor für Österreichs Wirtschaft.

Marketingexpert*innen sind sich einige, dass ein Produkt immer nur so gut ist, wie es von den Kund*innen wahrgenommen wird. Weiß die Kundschaft nicht, was das Produkt leistet, dann wird es kein kommerzieller Erfolg werden. So ähnlich geht es den österreichischen Ausbildungsbetrieben. Vor allem im Bereich der KMU fehlt es oft an Zeit und Bewusstsein dafür, um auf die gute Ausbildung aufmerksam zu machen. Große Events wie die EuroSkills könnten dabei helfen, aber diese Chance wird gerade vertan.

Die EuroSkills in Österreich

Nach vielen Jahren ist es der Wirtschaftskammer Steiermark endlich gelungen, die EuroSkills nach Österreich zu holen. Von 22. – 26.03. traten in Graz bei dieser Europameisterschaft der Berufsausbildung 400 junge Fachkräfte in 48 Berufen an, um die besten Facharbeiter*innen Europas zu ermitteln. Ein wichtiger Meilenstein für jenes Land, das sich selbst als Vorreiter der dualen Berufsausbildung bezeichnet. Damit hätte die Öffentlichkeit die Möglichkeit, Einblicke in die Leistungen einer modernen dualen Ausbildung zu erhalten und Berufe in einem zeitgemäßen Ablauf zu erleben. Leider wurde diese einmalige Chance kaum genutzt, und schon die Vorberichterstattung hielt sich in einem sehr begrenzten Rahmen.

Wir sind top, nur niemand weiß es

Österreich zählt schon seit vielen Jahren zu den Top Nationen in der Berufsausbildung. Ob EuroSkills oder WorldSkills, die Weltmeisterschaften der Berufsausbildung, die österreichischen Fachkräfte sind regelmäßig im Medaillenspiegel ganz vorne dabei. Und es sind nicht nur die Großbetriebe, die für diese hervorragenden Leistungen sorgen. Ganz viele Medaillen gehen an Fachkräfte aus Klein- und Mittelbetrieben. Doch die wenigsten Österreicher*innen wissen überhaupt über die Existenz dieser Wettbewerbe Bescheid. Ein roter Faden, der sich durch die gesamte Problematik zum Image der Lehrlingsausbildung zieht. Denn die wenigsten Österreicher*innen wissen auch, wie eine moderne Ausbildung abläuft. Was Betriebe in die Ausbildung junger Menschen investieren und mit welchem Engagement Ausbilder*innen in den Betrieben arbeiten. So geraten unsere Betriebe im Wettbewerb mit anderen Ausbildungswegen schnell ins Hintertreffen. Denn was eine Schule oder eine Universität ist und was man dort macht, das wissen die meisten Eltern.

Es geht nicht darum, dass wir es wissen

Natürlich ist bei Wirtschaftspolitiker*innen oder Organisationen wie der Wirtschaftskammer bekannt, dass Österreich bei internationalen Berufswettbewerben zu den Besten zählt. Und natürlich werden diese Stellen auch nicht müde zu betonen, wie wichtig die duale Ausbildung ist. Darin sind aber zwei wesentliche Denkfehler enthalten, die es dringend aufzulösen gilt. Denn diese Organisationen sind es nicht, die Jugendliche in eine Lehre schicken oder eben nicht. Dafür braucht es die Eltern und die wissen kaum etwas zu diesem Thema. Entscheidend ist aber, wer über unsere Anliegen informiert und nicht, ob wir Aussendungen gemacht haben. Der Einstieg von jungen Mitarbeiter*innen in Unternehmen und eine hohe Beschäftigungsquote als Basis für die Wirtschaftsleistung Österreichs müssten von nationalem Interesse sein. Österreichs Handwerk und Gewerbe erwirtschaftete 2020 einen Nettoumsatz von mehr als 98 Milliarden Euro und bildet über 46.500 Lehrlinge aus. Meiner Meinung nach wären das Gründe genug, um nationales politisches Interesse zu verdienen.

Reden wir über das, was wir tun

Österreichs Ausbildungsbetriebe leisten viel Positives in der Ausbildung junger Menschen. Dieses Engagement und die damit verbundenen Aufwände gehören sichtbar gemacht. Viele Betriebe sind in ihrer Ausstattung und in ihrem direkten Umgang mit ihren Fachkräften der Zukunft um nichts schlechter als eine höherbildende Schule. Erfahrene und erfolgreiche Ausbilder*innen wären für viele Eltern ein wesentlicher Grund, um ihre Kinder in eine Ausbildung zu schicken. Wenn wir nicht dafür sorgen, dass dies alles bekannt wird, dann wird es niemand tun. Hier braucht es die Unterstützung und Koordination durch die Interessensvertretungen. Nicht durch Imagekampagnen, sondern durch koordiniertes Storytelling.

Erfolge wie die der österreichischen Teilnehmer*innen bei Wettbewerben sind wichtig für die Breitenwirkung. Wenn jedoch niemand diese Erfolge bemerkt, dann helfen sie uns nicht weiter. In diesem Sinne, reden wir über das, was wir so hervorragend können. Reden wir über die Ausbildung qualifizierter Fachkräfte in Österreichs Handwerks- und Gewerbebetrieben.

Über den Autor

Robert Frasch ist Gründer von lehrlingspower.at, Österreichs unabhängigem Netzwerk für Ausbildungsbetriebe, und Leiter der Bildungs-Allianz im Senat der Wirtschaft Österreich.