Die Tücke liegt im Detail

Eine gute Wärmedämmung setzt eine dauerhaft funktionierende luftdichte Schicht voraus. Die Luftdichtheit ist somit ein wesentliches Qualitätsmerkmal eines Wohngebäudes. Insbesondere bei der thermischen Sanierung ist speziell auf die bestehende Dampfbremse zu achten. In den meisten Fällen muss eine neue luftdichte Schicht eingebaut werden.

08.06.2016
Luftdichtheit
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Bild 1

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Bild 2

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Bild 3

Mit der im Jahr 2007 veröffentlichten OIB-Richtlinie 6 „Energieeinsparung und Wärmeschutz“ wurden erstmals konkrete Vorgaben für die Luftdichtheit gemacht und Grenzwerte für die maximal zulässige Luftwechselrate definiert. Die Luftwechselrate wurde zudem unterschieden nach Gebäudeart und deren Lüftungsmöglichkeiten: Gebäude mit Fensterlüftung mussten die Luftwechselrate ≤ 3,0 erfüllen, Gebäude mit Lüftungsanlagen die Luftwechselrate ≤ 1,5. Beide Werte gelten bis heute. Messbar ist die Luftdichtheit eines Gebäudes über den sogenannten Blower-Door-Test. Besonders interessant an diesem Messverfahren ist, dass auch im fertigen Zustand des Gebäudes die Luftdichtheit zerstörungsfrei nachgewiesen werden kann.

Luftdicht oder winddicht?

Worin unterscheiden sich „luftdicht“ und „winddicht“? 
Luftdicht: Strömungsdichte Schicht nach DIN 4108 Teil 7, liegt auf der Warmseite der Wärmedämmung. 
Winddicht: Strömungsdichte Schicht, die ein Einströmen von kalter Außenluft in die Wärmedämmung verhindern soll. Sie verhindert z. B. ein Durchströmen von kalter Außenluft, speziell bei faserigen Dämmstoffen, und damit deren Auskühlung. „Winddicht“ ist keine Normvorgabe und deshalb als sinnvolle Empfehlung zu verstehen.

Traufe im Altbau mit ­Aufsparrendämmung

Ein wichtiges Regelwerk für Planer, Verarbeiter und Industrie bei der Planung und Ausführung von luftdichten Konstruktionen ist die DIN 4108 Teil 7. Sie stellt neben normüblichen Beschreibungen und Vorgaben sehr viele Detaillösungen dar. Bei den in der DIN gezeigten Schichtenfolgen liegt die luftdichte Schicht grundsätzlich auf der Warmseite der Wärmedämmung. Dabei stellt die luftdichte Schicht in der Regel gleichzeitig die dampfbremsende oder auch dampfsperrende Schicht dar. Somit wird ein Durchströmen als Feuchteeintritt in die Konstruktion verhindert.Auch finden sich in dieser Norm verschiedene Prinzipskizzen zu Luftdichtheit. Diese zeigen allen am Bau Beteiligten, wie ein luftdichter Anschluss ausgeführt werden kann. Jedoch die Mehrzahl der in der Norm abgebildeten Prinzipskizzen zeigen Neubausituationen, die oftmals schwer oder gar nicht auf den Altbau übertragen werden können. 

Wie aber lassen sich normkonforme Details im Altbau unter Verwendung einer Aufsparrendämmung herstellen? Bild 1 zeigt die Prinzipskizze (Neubau) einer Aufsparrendämmung für eine umlaufende Luftdichtheitsschicht ohne Durchdringung im Traufbereich. Die Sparren laufen hier nicht mehr über das Außenmauerwerk hinweg, sondern enden bündig mit dessen Außenkante. Grundsätzlich kann diese Lösung auch im Altbau angewandt werden, sofern der Dachüberstand nicht allzu groß ist. Der eigentliche Dachüberstand wird dann entweder mit über den Traufpunkt hinaus laufenden Konterlatten oder, so wie in der Norm gezeichnet, mit Aufschieblingen hergestellt. Speziell die Variante mit den Konterlatten lässt sich einfach und wirtschaftlich in die Praxis umsetzen. Der Vorteil dieser Lösung ist, die oberhalb der Sparren als luftdichte und dampfbremsende Schicht zu verlegende Bahn kann ohne Unterbrechungen an das Außenmauerwerk geführt und dort luftdicht angeklebt werden. Wird diese Detaillösung mit einem Wärmedämm-Verbundsystem im Fassadenbereich kombiniert, ergibt dies eine lückenlose Dämmung des Daches und der Fassade.

Ortgang im Altbau mit ­Aufsparrendämmung

Oft ist der Ortgangbereich des Daches deutlich schwieriger herzustellen. Wie undicht und damit nicht luftdicht ein solcher Anschluss zwischen Giebelmauer und auskragender Holzschalung sein kann, zeigt die Thermografieaufnahme (Bild 2). Deutlich erkennbar ist jede Schattenfuge der Profilholzschalung und der damit verbundene Wärmeverlust.

Die oberhalb der Sparren angebrachte und von außen sichtbare Profilholzschalung kragt über das Ortgangmauerwerk hinaus, sodass ein luftdichter Anschluss nur durch Trennen bzw. Abschneiden der Holzschalung möglich wird. Trennen ist jedoch oftmals nicht möglich, da im Außenbereich kein Flugsparren vorhanden ist, auf dem die getrennte Schalung aufliegen und mechanisch befestigt werden kann.

Bild 3 zeigt die Auswirkung an einem nicht luftdichten Giebelanschluss im Winter. Feuchtwarme Luft strömt über die Undichtigkeiten im Bereich der Schattenfugen nach außen und kondensiert bzw. gefriert an den kalten Profilholzbrettern. Eine daraus resultierende Schädigung des Holzes ist vorprogrammiert. Vom Versuch, diese Fugen von außen mit dauerelastischen Materialien wie Silikon oder anderen vergleichbaren Dichtstoffen „abzudichten“, kann nur abgeraten werden: Die dauer­elastische Dichtmasse in ausreichender Menge in die unterschiedlich breiten als auch tiefen Fugen einzubringen ist technisch nicht lösbar. Die Profilholzbretter werden sich bei Feuchtigkeitsaufnahme- und -abgabe weiterbewegen. Die Folge: fast zwangsläufig neue Fugen. Dieser Ansatz bietet also keine dauerhafte Sicherheit hinsichtlich Luftdichtheit. 

So lassen sich Fugen vermeiden

Um Fugen und damit verbunden Luftundichtigkeiten dauerhaft sicher zu vermeiden, sieht die Prinzipskizze Bild 11 der DIN 4108 vor, dass die Luftdichtheitsschicht auf die verputzte Mauerkrone geführt und dort mit einem komprimierten Dichtungsband oder einer Klebemasse und einer Anpressleiste luftdicht angeschlossen wird. Dieser Anschluss ist aber nur dann sinnvoll in der Praxis umsetzbar, wenn die Mauerkrone verputzt und die Schalung „getrennt“ werden kann. Oben offene Hohlblocksteine oder grob zugerichtete andere Mauersteine ermöglichen keinen sicheren Anschluss der luftdichten Bahnen.
 
Ausführung mit zwei Flugsparren

Bei dieser Ausführung wird die Schalung im Bereich oberhalb der Ortgangmauer getrennt. Die aus der Fläche kommende, luftdichte und dampfbremsende Bahn wird dementsprechend in die zwischen den Profilholzbrettern entstandene Fuge geführt und dort mit Dichtungsband oder Klebemasse unter Zuhilfenahme einer Anpresslatte luftdicht angeschlossen.

Ausführung mit einem Flug­sparren

Bei nur einem Flugsparren empfiehlt es sich, auf die auskragenden Schalungsbretter oberseitig eine Holzwerkstoffplatte aufzulegen und diese mit den auskragenden Profilholzbrettern von oben im rechten als auch linken Randbereich zu verschrauben. So erreicht man eine „aussteifende“ Wirkung der meist relativ kurzen und damit zum Verschieben neigenden Profilholzbretter. Auch empfiehlt es sich, diesen Verbund zusätzlich im Flugsparren zu verschrauben. Anschließend wird mit der Handkreissäge die Trennung der Profilholzschalung oberhalb der 
Giebelmauer durchgeführt. Falls nicht vorhanden, muss, um einen sicheren luftdichten Anschluss zu ermöglichen, die Mauerkrone zusätzlich verputzt werden. 

Ausführung ohne Flugsparren

Ist kein Flugsparren vorhanden, empfiehlt es sich, die meist bis auf den zweiten, innenliegenden Sparren laufende, auskragende Profilholzschalung abzuschneiden oder ganz zu demontieren. Anschließend wird die luftdichte und dampfbremsende Bahn bis auf die oberseitig verputzte Mauerkrone geführt und dort mit Dichtungsband oder Klebemasse luftdicht angeschlossen. Um einen Randabschluss und gleichzeitig eine Befestigungsmöglichkeit für einen Gesimskasten oder um eine Unterkonstruktion für ein Schieferband oder Metallverkleidung zu erhalten, empfiehlt es sich, eine entsprechende Holzbohle auf die Mauerkrone zu setzen. An diese können sowohl der Gesimskasten als auch mögliche Verkleidungen befestigt werden, und auch die auskragende Konterlattung kann auf diese Bohle aufgelegt und befestigt werden. Ebenso kann ein Streifen kaltselbstklebender Anschlussbahn von der Oberseite der Wärmedämmung kommend an bzw. auf die Holzbohle geklebt werden, um so einen regensicheren Übergang zu schaffen. 
Fazit: auf Nummer sicher gehen

Hochwärmegedämmte und gleichzeitig wirtschaftliche Dächer zu planen und zu bauen ist bei der heutigen Energiediskussion eine große und bedeutende Aufgabe. Darunter darf unter keinen Umständen die Sicherheit leiden. Darum ist Luftdichtheit Pflicht und sinnvoll. Nicht nur Wärmeverluste, Zuglufterscheinungen und Bauschäden werden durch luftdichtes Bauen vermieden, auch der Schallschutz und der Wohnkomfort aller Bewohner werden verbessert. Auch wenn der Aufwand für luftdichtes Bauen im ersten Moment hoch scheint, lohnt es sich langfristig, in die Luftdichtheit zu investieren. Steigende Energiepreise und das Vermeiden von teuren Bauschäden sollten jeden überzeugen. Nur luftdichte und den Fachregeln entsprechende Kon­struktion können die ihnen zugedachte Funktion ein Dachleben lang sicher erfüllen. Deshalb gilt es, die jeweilige Situation auf dem Dach mit der geplanten Lösung abzugleichen. Dabei ist es weitaus besser, bei Unsicherheiten auf bewährte Lösungen zu setzen. Der Ansatz „Kosten beim Hausbesitzer runter – 
Risiko beim Verarbeiter rauf“ ist langfristig für beide der 
falsche.

Dach + Wand

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