Bundesinnung der Tischler

Straffes Arbeitsprogramm für 2021

Top-Artikel Tischler
24.02.2021

Die Bundesinnung der Tischler hat sich für 2021 ein straffes Arbeitsprogramm verordnet. Dieses schließt Kollektivvertragsverhandlungen genauso mit ein wie starke Offensiven in Sachen Digitalisierung und Werbung.

BIM Gerhard Spitzbart
» Corona hat uns in manchen Bereichen zwar ausgebremst, aber wir Tischler sind dadurch nicht in eine Schockstarre verfallen. «

Mit Corona-bedingter Verspätung fand die konstituierende Sitzung der Bundesinnung der Tischler und Holzgestalter nicht schon im Frühjahr 2020, sondern erst Ende November 2020 statt. An der Spitze steht nun offiziell bestätigt zum zweiten Mal Gerhard Spitzbart als Bundesinnungsmeister. Seine Stellvertreter Peter Pauschenwein, Landesinnungsmeister (LIM) des Burgenlandes und der Vorarlberger LIM Klaus Nenning als „der Neue im Bunde“ spannen den Bogen vom äußersten Westen bis in den Osten. Ebenso breit gefächert sind die Arbeitsschwerpunkte, die man sich für das neue Jahr gesetzt hat.

BIM-Stv. Klaus Nenning

Das Voranbringen von Innovation bedarf eines intensiven persönlichen Austausches. Ich hoffe, dass dieser bald wieder uneingeschränkt möglich ist. 

BIM-Stv. Klaus Nenning

Keine Schockstarre

Aber beginnen wir mit einem Rückblick auf das „Corona-Jahr“ 2020: „Corona hat uns in manchen Bereichen zwar ausgebremst, aber wir haben immer weitergearbeitet und sind nicht in eine Schockstarre verfallen“, sagt BIM Gerhard Spitzbart. Das sei einem sehr engagierten Team und den gut funktionierenden Arbeitskreisen zu verdanken. Auch der Zusammenhalt der Länder funktioniert hervorragend. „Über Videokonferenzen decken wir die Innungsarbeit gut ab, und in manchen Bereichen ist man wohl sogar effizienter“, so der Bundesinnungsmeister. Dennoch soll es nicht bei dieser „großen Virtualität“ bleiben: „Uns fehlen die Branchentreffen, Berufswettbewerbe sowie nationale und internationale Messen, auf denen wir Kontakte knüpfen und uns aktuelle Infos über neue Techniken und Inspiration in Sachen Design holen können“, ergänzt Peter ­Pauschenwein. So hofft man auf eine baldige Normalisierung, um in Sachen Kontakten wieder aufzuholen.

Corona hat uns in manchen Bereichen zwar ausgebremst, aber wir Tischler sind dadurch nicht in eine Schockstarre verfallen.

BIM Gerhard Spitzbart

Gemäßigte Auswirkungen

Wirtschaftlich sind die Tischler bis jetzt im Gegensatz zu anderen Branchen ganz gut durch die Krise gekommen. Und trotz der ungewissen Situation, wie es mit der Pandemie und deren Auswirkungen weitergehen wird, blicken die Branchenvertreter positiv in die Zukunft. „Die Gespräche mit Kollegen haben gezeigt, dass 2020 durchaus ein zufriedenstellendes Wirtschaftsjahr war. Das gilt auch für mein Unternehmen“, berichtet Klaus Nenning, dessen 30 Mitarbeiter zählender Betrieb Lenz Nenning in Dornbirn auf Objekteinrichtungen spezialisiert ist. Auch für 2021 sei die Auftragslage gut, man starte optimistisch ins neue Jahr. Allerdings berge die noch nicht absehbare Entwicklung in der Bauwirtschaft – und die möglichen zeitversetzten Auswirkungen auf die Tischler – eine gewisse Unsicherheit. Als wichtigen Punkt nennt Nenning auch das Agieren der öffentlichen Hand, die – um die regionale Wertschöpfung nicht zu gefährden – Mittel für z. B. Bauprojekte nicht zurückfahren dürfe. 
Peter Pauschenwein verweist auch auf positive Effekte der Krise, von denen die Tischler profitiert haben. Und von denen man hofft, dass sie weiter anhalten werden: „Durch das viele Daheimsein wurden den Menschen die Defizite bewusst, und sie haben in eine neue Einrichtung investiert. Das bestätigen viele Kollegen, und ich habe es auch im eigenen Betrieb gemerkt.“ Durch die große Nachfrage ergab sich aber auch wiederum ein Problem: Einige Hersteller von Elektrogeräten hatten und haben Lieferschwierigkeiten, die dann auf einen Tischler, der Küchen verkauft, zurückfallen können. 
Gerhard Spitzbart sieht auch beim Materialeinkauf allgemeine Engpässe, die durch die Coronakrise ausgelöst wurden. „Auch bei Grundmaterialien wie z. B. Platten und Beschlägen steigen die Lieferzeiten. Und in der Folge verursachen diese Verzögerungen dann höhere Preise, die z. B. eine Angebotslegung erschweren.“ (Siehe dazu Interview auf S. 16, Anm.)
Spitzbart, der mit seinem Betrieb SFK Technologie Manufaktur u. a. als Zulieferer im Flugzeugbau agiert, hatte selbst Einbußen zu verzeichnen, man wusste sich aber zu helfen. „Zum Glück macht bei uns kein Geschäftszweig mehr als 30 Prozent des Gesamtumsatzes aus, daher konnten wir den Einbruch in dem einen Segment abfedern. Wir haben uns auf unsere Wurzeln besonnen und sind wieder in den Privatkundenmarkt eingestiegen. Das hat natürlich nicht von heute auf morgen gegriffen, jetzt läuft es allerdings gut, auch weil wir massiv dahinter sind.“

BIM-Stv. Peter Pauschenwein

Bundesinnungsmeister-Stellvertreter und Landesinnungsmeister (LIM) des Burgenlandes

BIM-Stv. Peter Pauschenwein

Die Krise hat auch positive Effekte. Die Menschen investieren mehr in ein schönes Zuhause, davon profitieren auch wir Tischler.

BIM-Stv. Peter Pauschenwein

Geteilte Arbeit

Grundsätzlich ist die Innungsarbeit in sieben Arbeitsgruppen aufgeteilt, der die Landesinnungsmeister, weitere Mitglieder des Bundesinnungsausschusses und Experten angehören. Der jeweilige Vorsitzende ist für das Vorantreiben seiner Schwerpunkte verantwortlich. In der Gruppe Kommunikation unter dem Vorsitz von BIM Spitzbart laufen alle Fäden zusammen: Es wird gruppenübergreifend berichtet, Entscheidungen werden gemeinsam getroffen und das Budget festgelegt.
Der niederösterreichische Landesinnungsmeister Helmut Mitsch sitzt der Gruppe „technische und rechtliche Anforderungen“ vor, hier setzt man sich speziell mit der CE-Kennzeichnung, mit Normen, dem Anlagenrecht und weiteren Vorschriften aus­einander.
Aus- und Weiterbildung sowie Wettbewerbe fallen in die Zuständigkeit von Ludwig Weichinger-Hieden, LIM in Wien. Hier sind die Erhöhung der Ausbildungsstandards und die Anpassung der Abschlussprüfungen an den Nationalen Qualifikationsrahmen (NQR) verankert. Und gerade ist in diesem Segment ein großer Sprung gelungen: Nach intensiven Vorarbeiten wurde das neue Konzept für die Meisterprüfung fertiggestellt. „Wir haben eine schwerpunktbasierte Prüfungsordnung erarbeitet und gehen damit im Gewerbe und Handwerk einen neuen Weg. Aktuell läuft die externe Begutachtung, und wir hoffen, bald alle Details bekannt geben zu können“, sagt Gerhard Spitzbart. In Kraft treten wird die neue Verordnung aber erst mit 1. September 2022. Dieser Zeitraum ist notwendig, um das Kursangebot entsprechend zu adaptieren, auch die Prüfer müssen sich vorbereiten. 

Verträge und Fristen

Peter Pauschenwein steht der Gruppe Arbeits- und Sozialrecht vor, die sich u. a. mit den Kollektivverträgen für die Arbeiter im Tischler- und Holzgestaltergewerbe beschäftigt. „Gerade wurde uns das Forderungspaket der Gewerkschaft zugestellt, und wir starten in die diesjährigen Verhandlungen. In Kraft treten wird der neue KV am 1. Mai 2021“, berichtet Pauschenwein. 
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Änderung bzw. Neugestaltung des KVs für Angestellte im Tischlergewerbe. Hier wird die Schaffung einer eigenen Lohnordnung angestrebt. Damit sollen die Zuordnung und zukünftigen Verhandlungen für alle einfacher werden. 
Ein anderer Bereich der Verhandlungen betrifft die Verlängerungen der Kündigungsfristen für Arbeiter bzw. deren Anpassung an die der Angestellten. „Wir konnten eine Verlängerung der Übergangsfrist und somit die Gültigkeit der alten Regelung bis 1. Juli 2021 erwirken, ursprünglich wäre der 1. Jänner 2021 der Stichtag gewesen“, sagt Peter ­Pauschenwein. In dieser Zeit versuche man nun die drohende „massive Verschlechterung durch eine praktikable Lösung“ zu ersetzen. Bisher galt für Arbeiter je nach Länge der Betriebszugehörigkeit eine Kündigungsfrist von einer Woche bis zu neun Wochen. Die neue Regelung sieht Fristen zwischen einem und fünf Monaten vor. 
„Wir sehen positive Signale und hoffen hier auf eine politische Einigung im Sinne der Unternehmer“, zeigt sich der BIM-Stellvertreter zuversichtlich.

Werbung im Fokus

Ein dauerhafter Arbeitsschwerpunkt ist die Gemeinschaftswerbung für Tischler. Die Bundesinnung möchte die Branche durch verstärkte und zielgerichtete Werbung so sichtbar machen, „dass die Kunden beim Einrichten wieder als Erstes an den Tischler denken.“ Unter Führung des neuen Vorsitzenden der Arbeitsgruppe Werbung und PR, dem Salzburger LIM Herbert Sigl, der durch Thomas Feuerstein in den Bereichen Online und Social Media unterstützt wird, ist man „mitten drin in der Planung neuer Schwerpunkte“. Der erste mediale Impuls ist bereits gesetzt: Seit Mitte Februar laufen die Tischler-Spots wieder im Radio und im Fernsehen. Die nächsten Schritte sind für den Herbst geplant, über den Sommer werden dafür neue Spots und eine Fortführung der Werbelinie auf die Beine gestellt. Kernthemen sind Regionalität, Fairness und gute Produkte. 

Gemeinschaftswerbung: Eine Kampagne zum Mitmachen

Gemeinschaftswerbung der Tischler

Bis April laufen wieder die Radio- und TV-Spots der Tischler-Gemeinschafts­werbung, und die Tischler sind zum Mitmachen eingeladen. Sowohl die Spots als auch der Foto-Pool können für die Ansprache der eigenen Kunden genutzt werden, Werbemittel können auf der WKO-Website bestellt werden.

Bis April laufen wieder die Radio- und TV-Spots der Tischler-Gemeinschafts­werbung, und die Tischler sind zum Mitmachen eingeladen. Sowohl die Spots als auch der Foto-Pool können für die Ansprache der eigenen Kunden genutzt werden, Werbemittel können auf der WKO-Website bestellt werden.

Innovation und digitale Ent­wicklung

„Unter Digitalisierung fallen für mich auch die Sozialen Medien. Und hier haben wir als Tischlerinnung einiges an Präsenz aufzuholen. Denn die Kunden und auch zukünftige Mitarbeiter kommen immer häufiger über diese Kanäle zu uns“, sagt Gerhard Spitzbart. Für den BIM ist durch die Coronakrise der Druck, sich hier gut aufzustellen, noch stärker geworden. Aktuell ist man dabei, die einzelnen Plattformen zu sondieren. Weiters will man Workshops für die Mitglieder anbieten, um zu sensibilisieren und zu schulen. 
Klaus Nenning, der dem Arbeitskreis für Digitalisierung und Innovation vorsteht, ergänzt: „Wir sind immer noch Handwerker, dennoch wird es weitere Innovationen durch die Digitalisierung geben. Und die gehen weit über die Kommunikation hi­naus.“ Neben der Programmierung von CNC-Maschinen gebe es noch „hundert andere Abläufe vom Auftragseingang bis zum fertigen Produkt, von der digitalen Messung bis hin zu Roboter-gestützten Tätigkeiten“. 

Erfahrungen nutzen

Die Coronakrise hat also vielen Lebensbereichen – mehr oder weniger zwangsläufig – einen Digitalisierungsschub verpasst. Aber die Tischler wurden von diesem „Boost“ nicht nur überrascht – startete man doch schon vor zwei Jahren das Pilotprojekt des KMU Accelerators. Dieser praxisnahe Digitalisierungslehrgang mit zwanzig teilnehmenden Tischlereibetrieben wurde vor Kurzem abgeschlossen. „Wir haben im ersten Durchgang erhoben, welchen Bedarf die Betriebe in Sachen Digitalisierung haben und wo die Reise hingehen soll. Aktuell arbeiten wir daran, aus diesen Erfahrungen Informationsveranstaltungen abzuleiten, die im Idealfall als „echte“ Seminare und nicht virtuell abgehalten werden. Denn vieles muss man einfach ausprobieren, um den Nutzen für den eigenen Betrieb zu erkennen“, berichtet Gerhard Spitzbart. Als Beispiel nennt er Virtual Reality (VR)-Brillen, die in Zukunft ein wichtiges Planungstool darstellen können – und den Tischlern eine zusätzliche Möglichkeit bieten, sich von der sogenannten „Großfläche“ abzuheben. Auch die Produktionssteuerung, neue Produktionsmethoden und innovative Möglichkeiten in der Robotik sind ein interessantes Thema – und könnten auch in manchen Bereichen den Facharbeitermangel ausgleichen. Weitere Themenkreise betreffen die unternehmerische Ressourcenplanung mit ERP-Systemen und die innerbetriebliche Digitalisierung.

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