Konferenz glasstec Update

Mit Glas in eine klimaneutrale Zukunft

Glasbranche
29.11.2021

Von: Redaktion Glas
Während der zweitägigen Konferenz "glasstec Update" diskutierten internationale Expert*innen, wie die Glasbranche entlang der gesamten Wertschöpfungskette einen Beitrag zu einer klimaneutralen Zukunft leisten kann, ohne dabei ihre Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren.

Ulrich Knaack war einer der Experten der internationalen Konferenz "glasstec Update".
Ulrich Knaack war einer der Experten der internationalen Konferenz "glasstec Update".

"Es war spannend zu erleben, wie intensiv und kontrovers Industrie und Planer bei dieser Konferenz über das Potential des Werkstoffes Glas und seinen Beitrag zu einer klimaneutralen Zukunft diskutierten. Es existiert ein riesiges Potential an Ideen, Visionen und Lösungen, die weiterverfolgt werden und auch auf der glasstec 2022 live erlebt werden können", sagt Ulrich Knaack vom Institute for Structural Design and Engineering an der TU Darmstadt nach der Konferenz, die am 25. und 26. November in Präsenz in Düsseldorf und Online stattfand.
Schon heute arbeitet die Glasindustrie intensiv an ihrem Beitrag zu einer klimaneutralen Zukunft. Dazu zählt auch der Wechsel auf alternative Energieträger, um die CO2-Emissionen zu senken. Aktuell stehen dabei drei Technologien im Fokus: Die vollständige Elektrifizierung mit Grünstrom, der Bau hybrider Glaswannen, die mit Strom und Erdgas bzw. später Wasserstoff betrieben werden sowie der Einsatz erneuerbarer Gase, wie beispielsweise Wasserstoff oder biogene Gase. Allerdings besteht hier noch enormer Bedarf an Forschungs- und Entwicklungsarbeit, um bereits verfügbare Technologien auf die notwendige Größe zu skalieren.

CO2-neutrale Produktion von Glas

"Der Weg zur CO2-neutralen Glasindustrie hat bereits unumkehrbar begonnen. Jetzt müssen wir kurzfristige Lösungen finden, um den momentanen CO2-Ausstoß zu reduzieren z. B. durch innovative Produkte wie leichte Isoliergläser, aber auch durch konkrete Einsparungen in der Produktion, indem wir bestehende Anlagen optimieren. Mittelfristig müssen komplett neue Technologien entwickelt werden, um eine CO2-neutrale Produktion von Glas sicher zu stellen. An allen drei Dimensionen arbeiten wir bereits intensiv", sagt Martin Stadler, Sales & Marketing Director, Saint-Gobain Glass Deutschland GmbH.
Um langfristige Dekarbonisierungsziele erreichen zu können, bedarf es eines ganzheitlichen Ansatzes, sind sich die Experten einig. Und die Glasindustrie würde politische Unterstützung benötigen, um den Transformationsprozess so zu gestalten, dass ihre Wettbewerbsfähigkeit erhalten bleibt. "Die Glasindustrie stellt sich den Herausforderungen der Zukunft und forscht intensiv an der Umstellung ihrer Prozesse", so Dr. Johann Overath, Hauptgeschäftsführer des deutschen Bundesverbands Glasindustrie e.V. Allerdings sei sie auch darauf angewiesen, dass die Politik die notwendige Infrastruktur und Rahmenbedingen für den Wandel schafft. Dazu zählen vor allem niedrige Energiepreise und Förderungen für den Ausgleich der Mehrkosten der Dekarbonisierung um wettbewerbsfähig zu bleiben. Hinzu kämen weitere relevante Faktoren, wie Recycling- oder Upcyclingfähigkeit der Produkte sowie Fragen der Logistik, die ebenfalls zur CO2-Reduktion beitragen können.

Auch Handwerk in der Pflicht

Stefan Kieckhöfel, Hauptgeschäftsführer des deutschen Bundesverbandes des Glaserhandwerks und Mitglied des Programmgremiums sieht auch das Handwerk in der Pflicht: "Etwa 14 Prozent der gesamten CO2-Emissionen in Deutschland stammen aus dem Gebäudesektor. Hierbei werden jedoch nicht die Emissionen, die bei der Herstellung von Strom und Fernwärme oder von Baustoffen anfallen berücksichtigt, sondern der Energiewirtschaft und der Industrie zugerechnet. Dennoch sehen wir es als eine unserer vordringlichsten Aufgabe an, intensiv bei energetischen Sanierungen von Gebäuden mitzuwirken, indem wir aktiv Nachholbedarf an energetischer Sanierung."
(bt)

Messethema Dekarbonisierung

Die Trendthemen Dekarbonisierung und CO2-Neutralität werden auch auf der glasstec 2022, die vom 20. bis 23. September in Düsseldorf stattfindet, im Fokus stehen.
Auf der parallel stattfindenden Messe decarbXpo zeigen Technologie- und Serviceanbieter Lösungen und Dienstleistungen für die Dekarbonisierung von Industrie und Gewerbe.

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