Sanitär

Vorwandsysteme: So geht's viel schneller

Die Diskussion um fehlende Montagekapazitäten in der SHK-Branche ist hinlänglich bekannt. Daher sind alternative Lösungsansätze gefragt. Einer davon ist die Erhöhung des Vorfertigungsgrades. Im Badezimmer funktioniert dies bereits bestens.

14.12.2020
Sanitär
Christian Klobucsar
14.12.2020

Vor allem bei (halb)öffentlichen Bauprojekten sind beispielsweise "trockene" Vorwandinstallationssysteme nicht mehr wegzudenken. Denn derart kann nicht nur sauberer, sondern vor allem auch schneller und somit termintreuer und gearbeitet werden. Für den Installationsbetrieb wird das Projekt dadurch auch kostentechnisch deutlich besser kalkulierbar. Doch auch im Privatgeschäft punkten diese Vorteile immer mehr. Vor allem, da das Projekt - im Gegensatz zum Nassbau - bis zur direkt befliesbaren Wand komplett in der Hand des Installateurs bleibt. Jeder, der derartige Projekte zu koordinieren hat, weiß, was das für ein wesentlicher Vorteil ist, wenn nicht erst mühsam mit unterschiedlichen Gewerken abgestimmt werden muss oder Maurer-bedingte Trockenzeiten abzuwarten sind.

Auch der höhere Preis für Vorwandsysteme ist relativ, da er durch den geringeren Zeitaufwand für die Montage und den störungsfreien Ablauf in der Regel mehr als nur kompensiert wird. Weiters spielen sie auch im Hinblick auf die Statik ihre Vorteile aus, da die Wände nicht mehr durch die Schlitzung für die Rohrleitungen geschwächt werden ... falls die Wände für eine Schlitzung überhaupt geeignet sind - was bei nichttragenden Innenwänden bekanntlich oft ein Thema ist. Und schließlich können Vorwandinstallationssysteme auch architektonisch oder designtechnisch genutzt werden, da sie vielfältige Gestaltungsvarianten ermöglichen. Dies gilt vor allem ihrer Funktion als Raumteiler sowie der willkommenen Ablageflächen der halbhohen Mauervorsprünge. Mittels Nassbau ließen sich derartige Extras nur mit erheblichem Aufwand realisieren. Auch die immer strenger werdenden Schallschutzvorgaben lassen sich mit Vorwandelementen viel besser einhalten, da diese gegen Schallübertragung speziell abgesichert werden. Nicht zu vergessen ist, dass die Leitungen derart auch später leichter zugänglich sind.

Einbautipps

Die Vorwandelemente werden in Trockenbauweise schallentkoppelt auf dem Rohfußboden montiert und an der Wand befestigt. Dabei ist die Höhe frei wählbar. Deckenhoch und verputzt oder verfliest ist die Vorwandkonstruktion später nicht mehr zu erkennen. Halbhoch gebaut entsteht eine praktische Ablagemöglichkeit für allerlei Badutensilien.

Die für Toilette, Waschtisch oder Dusche notwendigen Rohrleitungen für Wasser warm/kalt und Abwasser werden ebenfalls unsichtbar frei in der Vorwand verlegt. Das verringert den Installationsaufwand. Zudem sind die Rohrleitungen optimal vom Baukörper entkoppelt. Es gibt also weniger störende Geräuschübertragung.

Ein zusätzliches Plus ist die Flexibilität, die Vorwandkonstruktionen bieten. Waschtisch-, WC- und Urinalelemente oder Dusche können nahezu beliebig im Raum platziert werden. Auch die Montage höhenverstellbarer Waschtische und WCs oder zusätzlicher Verstärkungen beispielsweise für Stützklappgriffe in seniorengerechten Bädern ist ohne großen Aufwand möglich.

In öffentlich-gewerblich genutzten Gebäuden können deckenhohe Vorwandkonstruktionen sogar als Brandschutzabschnitt dienen. Der erforderliche Feuerwiderstand (REI 30, REI 60 oder REI 90) wird dann durch die entsprechende Beplankung der Schachtwand realisiert, um beispielsweise auch Vereinfachungen bei der Abschottung von Rohrdurchführungen nach TRVB 110 B nutzen zu können.

So installierten unsere Vorfahren

Was vor mehr als hundert Jahren Stand der Technik bei Badezimmerprojekten war, zeigt ein historisches Lehrbuch, aus dessen Originaltext wir nachfolgend auszugsweise zitieren.

In den Mietskasernen der Arbeiterviertel und Hinterhäusern in großen Städten findet man aus Sparsamkeitsrücksichten die Einrichtung so getroffen, daß im Flur eines jeden Stockwerkes ein Ausgußbecken mit Zapfhahn angebracht ist, welches den Bewohnern eines Stockwerkes zur gemeinsamen Benutzung überwiesen ist. Dem Installateur wird es bekannt sein, daß gerade diese Anlagen besonders oft Anlaß zu Klagen über Reparaturen, Beschädigungen und Betriebsstörungen durch Einfrieren geben, und daß infolge dieser Schäden auch die Wände und Fußböden in Mitleidenschaft gezogen werden. Bei den Ausgußbecken ist daher besonders darauf zu sehen, daß sie genügend groß und solid mit Schrauben (nicht mit Nägeln) in eingegipsten Holzdübeln an der Wand befestigt werden. (…) Sehr praktisch ist es ferner, den Fußboden unter dem Ausgußbecken durch Aufnageln eines reichlich großen Stückes Zinkblech gegen die Einwirkung des überspritzenden Wassers zu schützen.

Zu dem Becken gehört die an der Wand montierte Auslaufbatterie für warmes und kaltes Wasser mit gemeinsamen Auslauf und ein vernickeltes Messing-Auslaufsieb, welches auf dem Grund des Beckens über die Einmündung des Siphons zu liegen kommt. Bem Ausguß, der ebenfalls freistehend ausgebildet ist, ist der Siphon von dem Becken getrennt, und beide sind durch Flansch und Schrauben miteinander verbunden. Der Siphon hat eine von vorn gut zugängliche Reinigungsöffnung.

Der Rand des Beckens bildet einen dicken Wulst, in dem eine ringsherum laufende Spülrinne vorgesehen ist, die mit der Armatur durch ein besonderes Rohr und Abstellhahn verbunden ist.

Auch von den Waschtoiletten verlangt man heute außer elegantem Aussehen und entsprechender Ausstattung eingehende Berücksichtigung sanitärer Vorteile und Bequemlichkeiten, als da sind: Anschluß für warmes und kaltes Wasser, sichere und schnelle Abführung des gebrauchten und überlaufenden Wassers, Abschluß gegen Kanalgase usw.

In eleganten Wohnhäusern werden vielfach Marmor-Waschtische aufgestellt, deren Ausstattung in kostbarem Material auch den raffiniertesten Ansprüchen gerecht wird. Zur Herbeiführung einer leichten und wenig kostspieligen Reinhaltung (von Pissoirs) ist darauf zu sehen, daß Wände, Fußböden usw. keine Risse, Löcher, oder Unebenheiten besitzen, in welche der Urin eindringt, sich festsetzt und nicht entfernen läßt; er geht hier in Fäulnis über und zerstört das Material. Bei Pissoirs sind die Siphons im Grunde von Zement- und Asphaltmulden, für jeden Stand einer, eingemauert. Falls der Kostenpunkt nicht ins Gewicht fällt und auf ein eleganteres Aussehen Wert gelegt wird, können statt des Schiefers für Rück- und Schamwände auch Platten aus poliertem Marmor oder Granit verwendet werden.

In den meisten Städten ist eine direkte Verbindung der Klosetts mit der Wasserleitung nicht gestattet, sondern es müssen kleine Wasserkästen aufgestellt werden, welche das Wasser aus der Leitung erhalten und aus denen es dann durch entsprechende mechanische Vorrichtung dem Klosettbecken zum Zweck der Ausspülung zugeführt wird.

Haustechnik

Wir empfehlen folgende Artikel zum Weiterlesen

Mehr aus der Rubrik Trockenbau + Innenausbau