Sanitär

Armatur: Top-Blickfang im Bad

Sanitärarmaturen sind der Hingucker im Bad. GEBÄUDE INSTALLATION berichtet über Funktion und Optik, über Anbringungsarten, neue Materialien und Farben und wo die Digitalisierung eine Rolle spielt.

14.12.2020
Sanitär
Gudrun Haigermoser
15.12.2020
© Hansgrohe

Armaturen am Waschtisch, in der Dusche und der Badewanne sind längst nicht mehr bloßes Mittel zum Zweck. Durch neue Technologien und Designs spielen sie funktional und optisch alle Stücke und werden zum Hingucker im Badezimmer. Und regelmäßiges Händewaschen steht als eine der wirksamsten Maßnahmen gegen die Verbreitung des Corona-Virus sowieso permanent im Fokus.

Umwelt schonen, Kosten sparen

Wassersparen ist angesagt und viele Hersteller reagieren auf eine Begrenzung der Durchflussmengen – hier hat sich in den letzten Jahren einiges getan. Am meisten ist bei Waschtischarmaturen einzusparen. „Lag die Norm vor wenigen Jahren noch bei 13 Litern pro Minute, bieten wir zum Beispiel einen Standard von fünf Litern an“, so Manfred Stockinger, Gebietsverkaufsleiter bei Kludi Armaturen. Auch bei Duschen werde reduziert, allerdings müsse man hier darauf achten, dass ein „gewisses Duscherlebnis“ erhalten bleibt. Vor allem bei Lösungen mit Kopfbrausen macht eine zu starke Begrenzung wenig Sinn, schließlich „möchte man ja auch noch ausreichend nass werden“.

„Klimaschutz beginnt beim Duschen, ökologisches Handeln beim Händewaschen“, sagt auch Christian Tröger, Österreich-Geschäftsführer der Hansgrohe Handelsgesellschaft. So habe man unter der Bezeichnung Eco Smart eine besondere Technologie im Programm, die bis zu 60 Prozent an Wasser einspart. Dafür verantwortlich ist eine eigens entwickelte Durchflussbegrenzung, gepaart mit speziellen Strahldüsen und die Beimischung von Luft. Auch hier senken die Waschtischmischer den normalen Durchlauf von rund 13 Litern pro Minute auf fünf Liter, durch die Luftbeimischung ist der Wasserstrahl dennoch „satt und sprudelnd“.

„Besonders im Projektgeschäft sind Wasser- und Energieersparnis entscheidende Kriterien bei der Auswahl der Sanitärarmaturen. In Gebäuden mit vielen Bädern und WCs wie z. B. Hotels und Freizeiteinrichtungen multiplizieren sich die Einsparpotenziale, sobald wassersparende Produkte verbaut sind“, so Tröger weiter. Weil die Betriebskosten so stark sinken, amortisieren sich Investitionen häufig schon nach wenigen Monaten.

„Bei elektronischen Armaturen nehmen wir den Effekt des Kostensparens – und zwar bei Frisch-, Ab- und Warmwasser – automatisch mit, da diese nur bei echtem Bedarf in Betrieb sind bzw. nach dem Händewaschen automatisch abstellen“ sagt Wimtec Geschäftsführer Günter Dülk, der dadurch eine mögliche Kosteneinsparung von bis zu 40 Prozent in Gebäuden sieht.

Klimaschutz und Nachhaltigkeit

Ein Hauptanliegen bei der Entwicklung nachhaltiger Badezimmerarmaturen ist es also, Wasser zu sparen, „einerseits in Hinblick auf einen bewussten und sparsamen Umgang und die Entwicklung ressourcenschonender Technologien, andererseits in Sachen Reinhaltung und Gewässerschutz“, sagt Grohe-Geschäftsführerin Mag. Barbara Kasses und erwähnt in diesem Zusammenhang zwei vom Unternehmen gestartete Initiativen zur zunehmenden Vermeidung bzw. Kompensation von CO2 Emissionen und zum sukzessiven Ersetzen von Plastikverpackungen durch nachhaltige Alternativen.

Auch bei Kludi ist man aktuell dabei, die Verpackungen auf „plastikfrei“ umzustellen. „Wir setzen dabei auf Verpackungen aus Kartoffelstärke und kommen bei zwei unserer Produkte schon fast zu hundert Prozent ohne Plastik aus. Und weitere werden folgen. Zudem setzen wir einen Grundstein für Nachhaltigkeit durch unsere Hauptproduktion in Österreich und Deutschland“, sagt Manfred Stockinger.

Unterputz liegt im Trend

Bei der Aufputzanbringung verschwinden nur Rohrleitungen hinter Putz oder der Sanitärkeramik. Bei Unterputzinstallationen ist die Mischbatterie in der Wand, im Wannenrand oder im Waschbecken eingelassen – nur Hebel und Griffe wie Wasserauslass bleiben im Blickfeld und sorgen für mehr Platz im Waschbereich. „Unterputz-Lösungen sind im Trend. Vor allem Liebhaber eines minimalistischen Designs greifen gerne zu dieser Variante“, sagt Barbara Kasses von Grohe Österreich. Mittlerweile gibt es für jede Einbausituation eine passende Lösung, insbesondere auch für kleine Waschtische und Bäder. Für Unterputzlösungen ist eine genauere Planung durch den Fachinstallateur notwendig, in Abstimmung mit anderen Gewerken wie Fliesenleger, Maurer, Trockenbauer etc. notwendig wird.

„Die Anbringung an der Wand hat zudem noch den Vorteil, dass man Wasserspritzer auf ein Minimum reduziert und somit der Reinigungsaufwand geringer ist“, sagt Kludi-Verkaufsleiter Manfred Stockinger. Das ist besonders bei Schwarz matten Armaturen, die derzeit stark im Trend liegen, ein großer Vorteil.

Günter Dülk vom Elektronik-Spezialisten Wimtec sieht in der Anbringung elektronischer Waschtischarmaturen an der Wand noch weitere Hygiene-Vorteile: „Die Armatur wird nicht permanent angefasst, sie sieht immer sauber aus, es gibt keine kontaminierten Hebel und Hähne“, so der Experte, der bei den E-Armaturen im öffentlichen Bereich, z. B. an Flughäfen und in allgemein zugänglichen Hotelbereichen, eine große Tendenz bemerkt – auch wenn diese Armaturen in der Anschaffung und Installation etwas teurer bzw. aufwendiger sind. Durch den hohen Nutzen amortisiere sich der Mehraufwand aber schnell.

Einer oder zwei?

In den letzten Jahren dreißig Jahren haben Einhebelmischer klar den Markt dominiert, auch jetzt noch machen sie rund 90 Prozent der verbauten Waschbeckenarmaturen aus. Allerdings sind Zweihebel- bzw. Zweigriffarmaturen wieder im Aufwärtstrend, wie die Herstellervertreter unisono bestätigen und auch mit entsprechenden Serien auf die gestiegene Nachfrage reagieren. Dabei gibt es sowohl Modelle, die „nostalgischen Charme“ versprühen als auch solche, die zum angesagten minimalistischen Baddesign passen – und natürlich gibt es Varianten für die Anbringung am Waschtisch als auch an der Wand.

Manfred Stockinger ortet hier „einen kleinen Trend“: „Bei Kludi reagieren wir mit der Serie Nova Fonte, die es bereits zum Start in drei Stilrichtungen gibt, um auf die unterschiedlichen Ansprüche gut abgestimmt zu sein.“ Rückschritte im Komfort sieht der Verkaufsleiter dabei nicht unbedingt, es gibt auch Vorteile: „Der Nutzer muss zwar bei der ersten Bedienung beide Hände verwenden, in Sachen Wasserverbrauch kann eine Zweigriffarmatur aber sogar effizienter sein, da man beim entsprechenden Bedarf auch nur den Kaltwasserhahn bedienen kann. Bei der Einhandarmatur wird meistens Warmwasser produziert, da der Hebel fast immer in der Mittelstellung bedient wird – auch wenn man es nicht wirklich benötigt.“

Megatrend Farbe

Farbe kehrt generell ins Badezimmer zurück. Vor allem seit der Messe ISH 2019 steht der Trend zur Farbe im Bad wieder intensiv im Blickfeld der Öffentlichkeit und ist bei allen Herstellern vertreten. Geht es dabei bei der Badkeramik zum Teil äußerst bunt zu, mögen es Armaturen dezenter: Vor allem Gold, Kupfer, Anthrazit, Weiß und Schwarz – in matt und glänzend – werden angeboten. Die Nachfrage hängt dabei stark von der Zielgruppe ab: Im Privaten und im gehobenen Hotelsektor setzt man vermehrt auf Design und Farbe, im öffentlichen Raum ist nach wie vor „Chrom der Klassiker“. „Wir sehen eine langfristige Zukunft für das Farbsegment Schwarz matt und konzentrieren die Entwicklungen darauf“, so Kludi-Verkaufsleiter Stockinger. Andere Farben werden auf individuelle Anfrage produziert, das sei vor allem im Projektbereich Thema, da es hier eine langfristigere Planbarkeit gebe.

Auch bei Wimtec ist die Thematik Farbe angekommen. „Durch die Entwicklung eines speziellen Materials können wir mehr als hundert verschiedene Designvarianten anbieten. Dabei geht es um Waschtischarmaturen ebenso wie um Unterputzkonstruktionen für die Dusche“, so Geschäftsführer Dülk.

Apropos Chrom: Verchromtes Messing ist mit rund 80 Prozent nach wie vor die meistverkaufte Oberfläche im Segment Badarmaturen. Edelstahl ist im Vormarsch, wird aber eher in der Küche „genommen“. Bei den (Farb-)Beschichtungen arbeiten die Hersteller an unterschiedlichen Lösungen, um Robustheit und damit „langlebige Schönheit“ zu garantieren.

Elektronik im Vormarsch

Die Nachfrage nach berührungslosen bzw. elektronischen Armaturen hat sich als Folge der Corona-Pandemie noch verstärkt. Ihre feste Stellung haben sich die sensorgesteuerten Armaturen bereits im öffentlichen Bereich erarbeitet. Zum Einsatz kommen elektronische Waschtischarmaturen vor allem in den Sanitärräumen von öffentlichen und halböffentlichen Gebäuden wie Flughäfen, Einkaufszentren, Schulen oder Gastronomiebetrieben und Hotels. Gerade in hochfrequentierten Lokalitäten müssen sie ihren Dienst zuverlässig verrichten und einiges aushalten, mitunter auch eine unsanfte Benutzung. „Deshalb ist die Wahl der richtigen Lösung für die zuverlässige Funktion besonders wichtig“, heißt es von Seiten Geberit. „Besonders bei häufigem Gebrauch macht sich die Sensortechnik mit automatischem Wasserstopp bezahlt. So wird der Wasserverbrauch entsprechend dem aktuellen Bedarf mit einer kurzen Nachlaufzeit geregelt. Zudem sind sie besonders hygienisch und weniger reinigungsintensiv“, erklärt Christian Tröger von Hansgrohe

Berührungslose Armaturen haben aber auch im privaten Bad beste Zukunftsaussichten. Zu den vielen Vorteilen bei Komfort und Wohlbefinden kommen hochwertiges Design in verschiedenen Stilrichtungen sowie funktionelle Details. „Wir beobachten eine steigende Nachfrage nach berührungslosen Armaturen, sowohl im öffentlichen wie auch im privaten Bereich. Sie erfüllen die gestiegenen Hygieneanforderungen und reduzieren den Reinigungsaufwand“, bestätigt Barbara Kasses von Grohe. Denn die Aktivierung des Wasserflusses durch Infrarotsensor minimiert nachweislich das Risiko der Verbreitung von Keimen und Kreuzkontaminationen.

Je nach den Gegebenheiten vor Ort erfolgt die Stromzufuhr über einen Netzanschluss, für Nachrüstungen sind Varianten mit Batteriebetrieb zu empfehlen, da keine zusätzlichen Stromleitungen verlegt werden müssen.

Smartes Bad

Die Digitalisierung ist schon länger auch im Badezimmer angekommen. Abgesehen von elektronischen, berührungslosen Armaturen, gibt es weitere Möglichkeiten, die vor allem auf die Erhöhung des Komforts und der Sicherheit abzielen. Stichworte dazu sind die Kontrolle von Temperatur und Wannen-Füllmengen, Sprachsteuerung, die Speicherung von Nutzerprofilen z. B. beim Duschen, Fernbedienungen, Massagefunktionen und vieles mehr. Zudem spielt das Wassermanagement im Objektbereich eine wichtige Rolle.

Barbara Kasses nennt einige Beispiele aus dem Grohe-Portfolio an Smart Home-Lösungen: „Das Frühwarnsystem Sense überwacht den Austritt von Feuchtigkeit und erkennt Wasserlecks und Frostgefahr. Der Sense Guard erfasst zudem die Durchflussmenge und den Wasserdruck. Der Sensor stellt fest, falls es zu Rohrbrüchen, tropfenden Hähnen, Frostgefahr oder einem ungewöhnlichen Wasserverbrauch kommt.“

Eine Smartphone-App warnt den Nutzer, sobald eine Unregelmäßigkeit festgestellt wird und bietet eine vollständige Übersicht über Wasserverbrauch, Wasserdruck und Systemtemperatur. Auch lassen sich die berührungslosen Armaturen digital steuern, auch die Aktivierung der thermischen Desinfektion kann via App in Echtzeit überwacht werden.

Hygiene im großen Kontext

„Wir begleiten das Thema Digitalisierung in der Sanitärtechnik von Anfang an und sind in der Lage, alle Wasserabgabestellen mit berührungslosen Armaturen auszustatten“, sagt Günter Dülk von Wimtec. Das zentrale Thema dabei sei die Trinkwasserhygiene in einem größeren Kontext – also im öffentlichen bzw. halböffentlichen Bereich. Dieses geht Wimtec mit seinem Highplus Gesamtkonzept an. Das größte Problem in Gebäuden bzw. Sanitäranlagen, die nicht permanent genutzt werden, sind dabei der bestimmungsmäßige Betrieb und die regelmäßige Leitungsspülung, um die Ablagerung von Keimen und damit die Kontamination des Wassers zu verhindern. Das betrifft zum Beispiel Schulen während der Ferien oder Hotelzimmer und Wohnungen, die nicht ständig genützt werden. „Wir bieten ein Gesamtkonzept für eine regelmäßige und automatische Spülung aller Armaturen und stellen damit die Hygiene sicher“, so der Experte. Zudem sei das Auslesen aller Armaturendaten über ein Tablet und eine lückenlose Dokumentation – u.a. zur Sicherstellung der Betreiberhaftung – möglich. Die Daten werden via Infrarot erfasst und sind damit sicher vor „Datenklau“. Bevorzugt ein Kunde jedoch die Dokumentation über WLAN, ist das auch kein Problem.

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