Wie die Holzindustrie Österreichs der Krise trotzt

Die dynamische Nachfrage nach Holzprodukten aller Art, witterungsbedingte Einschränkungen bei der Rohstoffversorgung, Preissteigerungen und Lieferengpässe zählen zu den aktuellen Herausforderungen der Holzindustrie Österreichs.

11.06.2021
Top-Artikel Tischler
Redaktion Tischler Journal
11.06.2021

Seit Sommer 2020 gibt es weltweit eine dynamische Nachfrage nach Holzprodukten aller Art, besonders nach Bauprodukten. Im Zusammenhang mit witterungsbedingten Einschränkungen bei der Rohstoffversorgung um den Jahreswechsel 2020/21 leerten sich in Österreich die Lagerbestände für Sägerundholz schneller als üblich. Dies führte zu kurzfristigen Lieferengpässen und längeren Lieferzeiten. Die vom Fachverband der Holzindustrie seit dem Jahr 2001 erhobenen Preisindizes zeigen seit August 2020 von niedrigem Niveau eine Erhöhung bis März 2021 um 21 Prozent für Schnittholz (Verkauf) und um 29 Prozent für Rundholz (Einkauf). Die Indizes basieren auf anonymen Befragungen der Mitgliedsbetriebe. „Die aktuelle Preisdynamik und die Versorgungslage zeigen, wie wichtig die Rohstoffversorgung für unsere Industrie ist. Wir brauchen in Österreich eine aktive und nachhaltige Waldbewirtschaftung, die die Holzernte in den heimischen Wäldern steigert. Auch Holzlieferungen aus unseren Nachbarstaaten sind für die Wertschöpfung in Österreich notwendig. Die momentane Situation ist das beste Gegenargument zur Idee, große Waldflächen für die Holzernte zu sperren“, erklärt Obmann Jöbstl und stellt klar: „Für die österreichische Holzindustrie hat die Versorgung langjähriger Kunden im Heimatmarkt Priorität. Die bereits im Jahr 2020 rückläufigen Exporte legten im ersten Quartal 2021 bei hoher Produktion nur geringfügig zu.“

Dr. Andreas Ludwig, Obmann-Stv. des Fachverbands der Holzindustrie Österreichs, fügt hinzu: „Aktuell erlebt die Baubranche weltweit einen Boom. Mit der ersten COVID-Welle haben viele Regierungen sehr rasch gehandelt und Konjunktur- sowie Förderprogramme erlassen, welche die Bauindustrie sehr positiv beeinflusst haben. Es gibt eine breite und dynamische Nachfrage nach Baustoffen aller Art, mit stark steigenden Rohstoffpreisen in allen Segmenten, besonders bei Eisen und Stahl sowie bei Gummi- und Kunststoffen. Wir haben also keine sogenannte Holzkrise, sondern eine massive Nachfrage nach Baustoffen und Vorprodukten in der Industrie. Die Weltwirtschaft hat 2020 eine Vollbremsung hingelegt und gibt nun wieder Vollgas.“

© Fachverband Holzindustrie Österreich
Exporten im Wert von 5,64 Milliarden Euro standen Importe von 4,66 Milliarden Euro gegenüber.

Krisenfeste Jobs

Die fast 1.300 holzverarbeitenden Unternehmen in der Bauprodukt-, der Möbel-, der Platten-, der Säge- und der Skiindustrie sowie in weiteren holzverarbeitenden Betrieben erwirtschafteten im vergangenen Jahr ein Produktionsvolumen von 8 Milliarden Euro. Der Produktionswert liegt damit 2020 4,7 Prozent unter dem des Vorjahres 2019. „Die Holzindustrie war im COVID-Jahr 2020 ein Stabilitätsanker für die heimische Wirtschaft und den Arbeitsmarkt. Mit fast 28.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern haben die Unternehmen der Holzindustrie das Vorkrisenniveau gehalten. Unsere Green-Jobs sind krisenfest“, betont Mag. Herbert Jöbstl, Obmann des Fachverbands der Holzindustrie Österreichs.

Dr. Erlfried Taurer, Obmann-Stv. des Fachverbands der Holzindustrie Österreichs, hebt die wirtschaftliche Stärke der Branche in Krisenzeiten hervor: „Im Jahr 2020 ist das Bruttoinlandsprodukt in Österreich um 6,6 Prozent und in der Europäische Union um 6,1 Prozent zurückgegangen. Die Holzindustrie hat sich mit einem Rückgang des Produktionswerts von 4,7 Prozent stark behauptet.“ Erneut konnte die österreichische Holzindustrie einen Außenhandelsüberschuss von fast 1 Milliarde Euro erzielen. „Unsere Unternehmen sind traditionell stark im Export und unser Erfolg auf den Weltmärkten sichert Industriejobs und Kaufkraft in den ländlichen Regionen Österreichs. Es spricht für die Qualität der Produkte und der Kompetenz unserer Unternehmen, dass wir auch in der größten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten fast 1 Milliarde Euro Handelsüberschuss erwirtschafteten“, erklärt Dr. Taurer. Exporten im Wert von 5,64 Milliarden Euro standen Importe von 4,66 Milliarden Euro gegenüber.

© Fachverband der Holzindustrie Österreich
Steigerung der Schnittholzproduktion trotz COVID-Krise

Perspektive Klimaschutz und Wirtschaftswachstum

Die Klimakrise abzuwenden und nachhaltiges Wirtschaftswachstum zu generieren, werden die Prioritäten der Zukunft sein. Und die Holzindustrie bietet für beide Herausforderungen passende Lösungen, denn die Unternehmen der Holzindustrie verbinden Klimaschutz und Wirtschaft. „Die Holzindustrie war und ist ein Stabilitätsanker in der Wirtschaftskrise. Dank des nachwachsenden Rohstoffs Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft sind unsere Unternehmen auch Klimaschützer“, erklärt Herbert Jöbstl. Er führt weiter aus: „Holz zieht CO2 aus der Atmosphäre und speichert Kohlenstoff - die Produkte unserer Industrie unterbinden damit CO2-Emissionen. Unsere Unternehmen produzieren einen zweiten Wald und lagern Kohlenstoff aus dem Wald in Häuser, Möbel und viele weitere Produkte ein.“ Dank intensiver Forschung und Entwicklungsarbeit werden zunehmend holzbasierte Alternativen zu CO2- und energieintensiven Produkten und Materialien entwickelt. Jöbstl folgert: „Wenn Politik und Gesellschaft es beim Klimaschutz wirklich ernst meinen, dann wird die Holzindustrie dazu einen wichtigen Beitrag leisten. Viele politische Vorgaben sprechen klar für eine intensivere Holznutzung. Deswegen sind wir optimistisch.“

 

Heimische Holzindustrie in Zahlen:

  • Die Unternehmen der Holzindustrie erwirtschaften eine direkte Bruttowertschöpfung von mehr als 4,2 Milliarden Euro und stehen damit für einen Anteil von 1,19 Prozent der gesamten österreichischen Wirtschaftsleistung.
  • Inklusive vor- und nachgelagerter Effekte wird in der Holzindustrie eine Bruttowertschöpfung von knapp 8,1 Milliarden Euro erreicht. Die Holzindustrie erwirtschaftet folglich jeden 44. Euro der österreichischen Bruttowertschöpfung.
  • Die Holzindustrie ist ein Schlüsselsektor in der Wertschöpfungskette Holz, denn die Holzindustrie arbeitet den Rohstoff Holz für viele andere Branchen, Gewerbe und Industrien auf. Dadurch wird Holz der Ausgangspunkt für viele weitere Verwendungsmöglichkeiten. Der gesamte Wertschöpfungseffekt liegt folglich 4,8 mal höher, als der unmittelbar in der Holzindustrie generierte Effekt.
  • Insgesamt steht die Holzindustrie für knapp 115.000 Arbeitsplätze österreichweit. Jeder 40. Arbeitsplatz ist auf die Holzindustrie zurückzuführen. Jeder Arbeitsplatz in der Holzindustrie sichert fast einen weiteren Arbeitsplatz in Österreich.
  • Entlang der gesamten Wertschöpfungskette Forst- und Holzwirtschaft werden damit 300.000 Arbeitsplätze gesichert. Jeder 15. Arbeitsplatz ist auf die Forst- und Holzwirtschaft zurückzuführen
  • Die Forst- und Holzwirtschaft leistet einen wichtigen Beitrag für das Bundesbudget und die Sozialversicherungsträger. mehr als 3,5 Milliarden Euro an Steuern und Abgaben werden unmittelbar und mittelbar durch die Unternehmen der Holzindustrie generiert.
  • Ein Erntefestmeter Holz (55 Euro) bringt in veredelter, weiterverarbeiteter Form eine Wertschöpfung von bis zu 673 Euro unmittelbar in der Forst- und Holzwirtschaft bzw. bis zu 1.212 Euro für die Wirtschaft in Österreich.

Quelle: Forschungsinstitut Economica

 

Tischler

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