Best friends forever: Passivhaus und Photovoltaik
Energieeffizienz allein reicht nicht mehr aus, um die Klimaziele im Gebäudesektor zu erreichen. In Europa rücken ganzheitliche Konzepte in den Fokus, die eine leistungsfähige Gebäudehülle mit erneuerbarer Energieerzeugung verbinden. Ein Ansatz, der zunehmend an Bedeutung gewinnt, ist die Kombination aus Passivhaus-Prinzipien und gebäudeintegrierter Photovoltaik.
Gebäude verursachen in Europa einen erheblichen Teil des Energieverbrauchs und der CO₂-Emissionen. Damit wächst der Druck auf Planende und Eigentümer, Nachhaltigkeit systematisch in Bauprojekte zu integrieren.
Als etablierter Referenzrahmen für energieeffizientes Bauen gilt seit Jahren der Passivhaus-Standard. Seit mehr als drei Jahrzehnten zertifiziert das unabhängige Passivhaus Institut Gebäude und Bauteile. Ziel ist es, den Energiebedarf im Betrieb deutlich zu senken, ohne auf komplexe Haustechnik zu setzen. Gebäude, die nach diesem Standard errichtet werden, verbrauchen in Mitteleuropa im Durchschnitt rund 75 Prozent weniger Energie als vergleichbare moderne Niedrigenergiehäuser.
Die Zertifizierung basiert auf fünf Grundprinzipien: hochwertige Fensterverglasung, eine geeignete Belüftungsstrategie, wirksame Wärmedämmung, hohe Luftdichtheit sowie ein wärmebrückenminimiertes Design. Im Zentrum steht dabei ein sogenannter Fabric-First-Ansatz, bei dem die Qualität der Gebäudehülle Vorrang vor technischen Ausgleichslösungen hat.

Effizienz durch Gebäudehülle
Anstelle aufwendiger Technik setzt das Passivhaus-Konzept auf konstruktive Qualität. Eine leistungsfähige Gebäudehülle sorgt für stabile Innenraumbedingungen und gleichbleibenden Wohnkomfort über das gesamte Jahr hinweg, auch unter anspruchsvollen klimatischen Bedingungen. Für Gebäudeeigentümer bedeutet das langfristige Energieeinsparungen und eine verlässliche Performance, was angesichts schwankender Energiepreise und verschärfter klimapolitischer Vorgaben zunehmend an Bedeutung gewinnt.
Um den Schritt von hoher Effizienz hin zur CO2-Neutralität zu vollziehen, wird dieser Ansatz häufig durch erneuerbare Energieerzeugung direkt am Gebäude ergänzt. So entstehen Gebäude, die über das Jahr hinweg so viel oder sogar mehr Energie erzeugen, als sie verbrauchen.
Gebäudeintegrierte Photovoltaik
Eine zentrale Rolle spielt dabei die gebäudeintegrierte Photovoltaik, kurz BIPV. Sie ermöglicht es, Solarenergie nicht als nachträgliche Zusatzlösung, sondern als integralen Bestandteil der Architektur zu nutzen. Photovoltaik-Elemente werden dabei direkt in Dach- oder Fassadenflächen integriert und erfüllen sowohl energetische als auch bauliche Funktionen.
Aus architektonischer Sicht ist die gestalterische Integration entscheidend. Systeme wie Solardächer erlauben es, erneuerbare Energie zu erzeugen, ohne die Formensprache oder regionale Bauvorgaben zu beeinträchtigen. Laut Herstellerangaben bieten entsprechende Lösungen hohe gestalterische Flexibilität und fügen sich unauffällig in das Gesamtbild eines Gebäudes ein.

CO₂-neutrales Beispiel aus der Schweiz
Wie ein solcher Ansatz in der Praxis umgesetzt werden kann, zeigt ein gemischt genutztes Gebäude in Zweisimmen in der Schweiz. Der Entwurf orientiert sich an zentralen Prinzipien des Passivhaus-Standards, darunter optimierte Dämmung, sorgfältige Detailausbildung zur Reduktion von Wärmebrücken sowie der Einsatz natürlicher Materialien mit hoher Wärmespeicherkapazität.
Das Gebäude weist über alle Jahreszeiten hinweg stabile Innentemperaturen auf. Der Bedarf an mechanischer Heiz- oder Kühltechnik ist gering, sodass eine kompakte Wärmepumpe im Wesentlichen für die Warmwasserbereitung eingesetzt wird. Ergänzt wird das Konzept durch ein 130 Quadratmeter großes Solardach, das laut Angaben des Herstellers jährlich rund 12.000 Kilowattstunden Strom erzeugt. Der Standort auf etwa 1.000 Metern Seehöhe profitiert dabei von hoher Sonneneinstrahlung, insbesondere im Winter.
Neben der Betriebsphase spielte auch der Lebenszyklus der eingesetzten Materialien eine zentrale Rolle. Wo möglich, kamen natürliche und recycelbare Baustoffe zum Einsatz, um Ressourcen zu schonen und die Umweltbelastung zu reduzieren.
Insgesamt zeigt das Projekt, wie sich durch effizienzorientierte Planung, bewusste Materialwahl und integrierte erneuerbare Energieerzeugung ein praktikabler Weg zur Reduktion von Emissionen im Gebäudesektor eröffnen lässt ohne Abstriche bei Komfort oder architektonischer Qualität.
Projekt: Gemischt genutztes Gebäude, Zweisimmen, Schweiz
Ansatz: Passivhaus-orientierte Gebäudehülle plus gebäudeintegrierte Photovoltaik
Photovoltaik: SunStyle Solardach mit 130 Quadratmeter Fläche
Jahresertrag: rund 12.000 Kilowattstunden Strom
Ziel: CO₂-neutraler Betrieb über den Jahresverlauf



