Dieser Spatenstich ist für die Region Geld wert: Am 7. Mai gab der Online-Riese Amazon den offiziellen Startschuss für den Bau des neuen Verteilzentrums (DAP1) im oberösterreichischen Enns. Es winken satte Steuereinnahmen und viele Arbeitsplätze.

Fleißig beim Spatenstich

Kein Wunder, das bei der wohl eher als symbolisch zu betrachtenden ersten Baumaßnahme reichlich lokale Prominenz Hand anlegte: Valentin Oswald, Niederlassungsleiter und Prokurist beim ausführenden Unternehmen Goldbeck Rhomberg, Christian Deleja-Hotko, Bürgermeister der Stadtgemeinde Enns, Jordan Kremnitzer, Regionalleiter für Österreich von Amazon Logistics und Werner Pamminger Geschäftsführer der Betriebsansiedlungsgesellschaft Business Upper Austria griffen zum Spaten.

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Letzterer begrüßt die Ansiedlung von Amazon als starkes Zeichen für den Wirtschaftsstandort Oberösterreich: „Der Spatenstich ist mehr als ein Baustart. Er steht für neue Arbeitsplätze in der Region und bestätigt Oberösterreich als attraktives Ziel für Betriebsansiedlungen – auch im internationalen Wettbewerb. Als oberösterreichische Standortagentur begleiten wir Unternehmen dabei, hier erfolgreich zu wachsen“, meint Pamminger.

Anbindung an Verkehrsnetz

Ähnlich sieht das Bürgermeister Deleja-Hotko. Der Ennshafen als Logistikdrehscheibe mit der Anbindung an das überregionale Verkehrsnetz sei ein geeigneter Standort für das neue Verteilzentrum von Amazon. „Auch schaffen die entstehenden Arbeitsplätze neue Perspektiven für die Menschen in unserer Region. Ich bedanke mich bei den Verantwortlichen von Amazon für die konstruktiven Verhandlungen und freue mich auf die künftige Zusammenarbeit.“

Das Projekt war im Vorfeld in der Bevölkerung nicht ganz unumstritten. Deleja-Hotko betont daher, dass es ihm im Vorfeld ein zentrales Anliegen gewesen sei, „unsere Anwohner vor zusätzlicher Verkehrsbelastung zu schützen“. Die Vereinbarung mit Amazon halte fest, dass der Lieferverkehr – abgesehen von der direkten Belieferung der Anwohner – nicht durch das Stadtgebiet führen werde.

Bauzeit ein Jahr

Realisiert wird das Vorhaben vom Bau- und Dienstleistungsunternehmen Goldbeck Rhomberg Österreich. Die Bauzeit für das sechste Amazon-Verteilzentrum in Österreich wird rund ein Jahr betragen. Im Frühjahr 2027 soll das neue Verteilzentrum auf einer Gebäudefläche von 6.900 m² im Gewerbegebiet Ennshafen mit mehr als 100 direkten Arbeitsplätzen in Betrieb gehen. Darüber hinaus entstehen bei lokalen Lieferpartnern mehrere Hundert Jobs für Fahrer und Fahrerinnen. Insgesamt investiert Amazon rund 70 Millionen Euro in den neuen Standort.

Verteilzentren wie in Enns übernehmen eine wichtige Aufgabe innerhalb der Amazon Logistik: Sie sind für die sogenannte „letzte Meile“, also den letzten Lieferabschnitt und die Zustellung der Pakete bis zur Haustür der Kundinnen und Kunden verantwortlich. Der US-Riese betreibt seit 2018 eigene Verteilzentren in Österreich. Die anderen fünf Standorte befinden sich in Premstätten, Klagenfurt, Wien-Liesing, Wien-Simmering und Großebersdorf.

Schnelle Lieferung

 „Unsere österreichischen Kunden und Kundinnen schätzen unsere schnelle und zuverlässige Lieferung sehr und wir investieren laufend in die Modernisierung unserer bestehenden Verteilzentren sowie in neue Standorte“, sagt Senior Operations Manager Kremnitzer. „Wir freuen uns sehr über diesen neuen Standort, mit dem wir den Raum Linz und Umgebung beliefern werden und bedanken uns herzlich bei der Stadtgemeinde Enns für die gute partnerschaftliche Zusammenarbeit in den letzten Monaten.“

So soll es aussehen, wenn es fertig ist: Rendering des neuen Logistikzentrums.
So soll es aussehen, wenn es fertig ist: Rendering des neuen Logistikzentrums. © Goldbeck Rhomberg

Mit dem neuen Verteilzentrum baut Amazon sein Engagement in Österreich und speziell in Oberösterreich weiter aus. Aktuell nutzen rund 400 oberösterreichische Klein- und Mittelbetriebe Amazon als digitalen Vertriebskanal. 2024 wurden mehr als 2,4 Millionen Produkte von oberösterreichischen Unternehmen über Amazon verkauft. Das zeige die wirtschaftliche Dynamik und unternehmerische Kraft der Region, meint man bei Business Upper Austria.

Vorteile für Enns

Die Gesellschaft verweist zudem auf die Vorteile, die das neue Logistikzentrum der Stadtgemeinde Enns und dem Ennshafen bringt: „Die eigens für dieses Projekt definierte Grundstücksform wurde im Einvernehmen mit der Stadtgemeinde so festgelegt, dass künftig eine Erschließung des Hafenbeckens aus südlicher Richtung möglich ist“, so die Betriebsansiedlungsgesellschaft. Neben der Ansiedlung und den neu geschaffenen Arbeitsplätzen errichtet Amazon einen Radweg entlang der Mainstraße sowie eine neue Bushaltestelle für die Stadtgemeinde Enns. Damit leiste das Unternehmen einen Beitrag zur lokalen Infrastruktur und zeige, dass wirtschaftliche Entwicklung und Mehrwert für Kommunen Hand in Hand gehen können.

Nachhaltigkeit ist ein zentraler Bestandteil des Projekts. So sind unter anderem eine Photovoltaikanlage mit 280 kWp, die Nutzung von überwiegend erneuerbarer Energie aus dem zentralen Fernwärmenetz, der Einsatz von CO₂-reduzierten Baumaterialien sowie eine umfassende Begrünung von Dach- und Freiflächen vorgesehen. Bei der Bepflanzung verzichtet die Anlage auf Industrierasen und setzt auf eine Wildblumenwiese, die heimische Arten aus Oberösterreich nutzt und durch Bienen- und Insektenhotels zur Förderung heimischer Bestäuber beitragen soll. Die Grünflächen werden über eine Regenwassersammlung bewässert.

Ökologische Verantwortung

„Damit entsteht in Enns ein Standort, der ökologische Verantwortung und moderne Infrastruktur verbindet“, meint Business Upper Austria. Das Projekt sei Teil von Amazons Climate Pledge: Als Mitbegründer dieser Initiative hat sich Amazon verpflichtet, bis 2040 – zehn Jahre früher als im Pariser Klimaschutzabkommen vorgesehen – in allen Geschäftsbereichen CO₂-neutral zu arbeiten. Ein zentraler Baustein auf diesem Weg ist die schrittweise Elektrifizierung der Lieferflotte. Das neue Verteilzentrum in Enns wird dafür die erforderliche Ladeinfrastruktur bereitstellen.

„Vom energieeffizienten Gebäudekonzept über den Einsatz emissionsarmer Materialien bis hin zur Begrünung und Regenwassernutzung: Wir richten jede Entscheidung in Planung und Bau auf eine möglichst ressourcenschonende Wirkung aus“, versichert Goldbeck Rhomberg-Niederlassungsleiter Oswald. „Wir realisieren einen Standort, der moderne Logistikleistung mit einem verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen verbindet.“