Mit der Sanierung des Bürogebäudes an der Universitätstrasse 105 in Zürich entstand ein wegweisendes Beispiel für die Zukunft des Bauens im Bestand. Das Gebäude ist die erste vollständige Sanierung, die nach dem Prinzip 22·26 Hybrid umgesetzt wurde – einem architektonischen Gebäudeklimakonzept, das durch die Kombination von thermischer Masse, intelligenter Fensterlüftung und minimaler Technik ein energiearmes, komfortables und zugleich wirtschaftlich nachhaltiges Arbeitsumfeld schafft.

© Jürg Zimmermann
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Substanz freilegen und Masse aktivieren

Der Baukörper aus den 1970er-Jahren befindet sich in einem städtebaulich sensiblen Kontext: zwischen Universität, Wohnquartieren und bedeutenden öffentlichen Verkehrsachsen. Die Herausforderung bestand darin, den Bestand so zu transformieren, dass er heutigen Anforderungen an Effizienz, Komfort und Nachhaltigkeit entspricht, ohne seinen urbanen Charakter zu verlieren. Durch den Rückbau der abgehängten Decken wurde wertvolle Speichermasse freigelegt und die Raumhöhe deutlich verbessert. Eine neue Fassade mit reduziertem Glasanteil, opaken Elementen und klar gegliederten Lisenen stärkt die Präsenz des Gebäudes im Stadtraum und verbessert seine energetische Performance.

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Das Prinzip 22·26 Hybrid – Architektur als klimawirksames System

Das Prinzip 22·26 Hybrid basiert auf einem fundamentalen Paradigmenwechsel: Statt immer komplexerer Gebäude-technik wirkt die Architektur selbst als Klimasystem. Die massiven Bauteile stabilisieren das Innenklima, während in-terne Wärmequellen wie Menschen, Geräte und Beleuchtung einen Grossteil der Heizlast übernehmen. Intelligent gesteuerte Fensterflügel ermöglichen eine fein abgestimmte bauphysikalisch gesteuerte Lüftung und Nachtaus-kühlung. Ergänzend dazu liefert die Photovoltaik-Fassade Strom unter anderem für den Betrieb der Luft-Was- ser-Wärmepumpe und trägt zur Deckung des Strombedarfs bei. Das Ergebnis ist ein dauerhaft angenehmes Raumklima zwischen 22 und 26 °C – ohne konventionelle Lüftungs- und Kühlsysteme, mit nur minimaler Heizlast.

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Referenz für die urbane Transformation

Durch den Verzicht auf komplexe technische Systeme reduziert sich nicht nur der Energieverbrauch, sondern auch der Wartungs- und Betriebskostenaufwand über den gesamten Lebenszyklus. Das Gebäude bietet damit eine lang-fristig wirtschaftliche Nutzungsperspektive. Gleichzeitig erfüllt das Projekt die Voraussetzungen für hohe Nachhaltigkeitsstandards und strebt Zertifizierungen wie Minergie-P und BREEAM Refurbishment „Outstanding“ an. Mit flexiblen Grundrissen, 1.418 Quadratmeter Nutzfläche und einer grosszügigen Dachterrasse bietet das Gebäude moderne Arbeitswelten in exzellenter urbaner Lage. Die reduzierte Materialität – darunter Lehmputz zur Feuchteregulierung und Masseaktivierung – betont die architektonische Klarheit und schafft ein gesundes Raumklima mit hoher Aufenthaltsqualität.

„Dieses Projekt zeigt, wie viel Potenzial im Bestand steckt, wenn man Masse, Material und Raum als aktive Klimakomponenten versteht. Mit dem Prinzip 22·26 Hybrid erzeugen wir Komfort und Energieeffizienz nicht durch Technik, sondern durch Architektur.“
Susanne Schmid, Geschäftsführerin, Baumschlager Eberle Architekten, Zürich

Die Universitätstrasse 105 zeigt eindrucksvoll, wie bestehende Gebäude zu leistungsfähigen, nachhaltigen und wirtschaftlich attraktiven Stadtbausteinen transformiert werden können. Als erste Sanierung nach dem Prinzip 22·26 Hybrid markiert das Gebäude einen wichtigen Meilenstein für das energieeffiziente Bauen im Bestand – und eine Blaupause für zukünftige urbane Erneuerungen im deutschsprachigen Raum und darüber hinaus.

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Behutsame architektonische Erneuerung eines Bürogebäudes der 1970er-Jahre

Das im Zeitgeist eines aufstrebenden Stadtquartiers errichtete Bürogebäude aus den 1970er-Jahren galt es, sensibel in einen neuen Lebenszyklus zu überführen, ohne den architektonischen Charakter des Gebäudes zu verlieren. Im Zuge einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Ort und seiner Geschichte sowie vor dem Hintergrund erhöhter gestalterischer Anforderungen seitens des Amts für Städtebau der Stadt Zürich entstand ein Gebäude, das sich am Bestand orientiert und zugleich zeitgemässe Nutzungen aufnehmen kann – ressourcenschonend und dauerhaft angelegt.

© BEA
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Die gemeinsam mit dem Amt für Städtebau entwickelte Materialisierung der Fassaden orientiert sich bewusst am Bestand: Ein rhythmisiertes Fassadenkleid sowie ein durch ein umlaufendes Band vom restlichen Gebäude abge-setztes Erdgeschoss gliedern den Baukörper klar. Zur besseren Integration des Bestandgebäudes in den städtebau-lichen Kontext greift die Überlagerung stark profilierter horizontaler und vertikaler Lisenen traditionelle Gesimse und Fassadenordnungen auf. Farblich fein abgestimmte Elemente aus eloxiertem Aluminium und opakem Glas prägen die ruhige und differenzierte Erscheinung.

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Die grosszügigen Fensterflächen konnten trotz Reduktion des Glasanteils erhalten werden und öffnen sich zum vorgelegten Platz sowie zu den angrenzenden Strassenräumen. Die Dachterrasse des Gebäudes wurde begrünt und dient als Aufenthalts- und Erholungsraum mit freiem Blick auf Stadt, See und Berge. Biodiverse Grünflächen und integrierte Nistplätze für Mauersegler stärken den Aussenraumbezug, tragen zu einem angenehmen Klima bei und unterstützen nicht zuletzt die positive Wahrnehmung des Ortes im Quartier.