Den Grundstein für Muhr Lebensraumgestaltung legte Tischlermeister Christian Muhr vor rund zwanzig Jahren, als er sich nach langer Tätigkeit in einem großen Stiegenwerk selbständig machte. Logisch, dass sein eigener Betrieb diese Spezialisierung mit aufnahm – mehr noch konzentriert man sich aber auf das Thema Boden in all seinen Facetten – hier gehen rund 3.000 Quadratmeter jährlich „über die Budel“. Dazu kommen Türen und Terrassen. Mittlerweile hat Sohn Peter Muhr das Ruder übernommen. Der heute 42-Jährige hat sich immer schon für die Tischlerei und das „Baustellenleben“ begeistert, dennoch ist er quasi ein „Spätberufener“: Er war lange in der Metallbranche und im Projektmanagement unterwegs, bevor er vor fünf Jahren in den Betrieb einstieg und vor zwei Jahren „nebenbei“ die Tischlermeisterprüfung absolvierte. Unterstützt wird Muhr von fünf Mitarbeitern und dem Vater, der seine Expertise nun in Teilzeit einbringt. Bei größeren Aufträgen greift man auf Partnerfirmen und externe Monteure zurück.
Im niederösterreichischen Haidershofen, nah an der oberösterreichischen Grenze gelegen, ist der Aktionsradius ein großer: Man wickelt Aufträge in Niederösterreich und Wien, in Oberösterreich und Salzburg ab, auf Wunsch natürlich auch in anderen Bundesländern. Ihren Weg zu Muhr Lebensraumgestaltung finden die Kunden zum großen Teil über Empfehlungen bzw. ist man mit zahlreichen Architekten vernetzt, über deren Vermittlung die Aufträge ins Haus kommen.

Technisch verbunden
„Die Gewerke Böden, Türen und Stiegen sind technisch eng verbunden und gehören im Innenraum einfach zusammen. Es geht um eine genaue Abstimmung und saubere Übergänge z. B. bei flächenbündigen Türen ebenso wie um eine einheitliche Farbgebung“, berichtet Peter Muhr über den Vorteil, alles aus einer Hand anbieten zu können.
Einen Unterschied bei Stiegen und Böden stellt der Zeitpunkt des „Einstiegs ins Geschehen“ dar: „Bei Stiegen kommen wir zu einer relativ frühen Phase dazu, das ist u.a. der Statik und der Geländerbefestigung geschuldet. Geht es um die Verkleidung von Bestandsstiegen aus Beton müssen wir ebenso früh dabei sein, um den Platz für unsere Aufbauten einzuplanen“, so Muhr. Bei Böden hingegen – die den größeren Teil des Auftragsvolumens ausmachen – sei man in Sachen Fixeinbauten ziemlich zum Schluss dran – „nach uns kommt in der Regel nurmehr die Küche“.

Sanierung oder Neubau
Zum Großteil ist man bei Sanierungsprojekten und im Privatkundensegment aktiv, der Neubau und das Objektgeschäft spielen nur Nebenrollen. „Beim Boden ist es eigentlich egal, ob Neubau oder Sanierung, da beim Bodentausch im Bestand zu 80 Prozent ein neuer Estrich verlegt wird, da sich die Kunden dann auch eine Fußbodenheizung wünschen. Aber natürlich sanieren bzw. schleifen wir auch bestehende Böden“, berichtet Peter Muhr.
Von hell zu dunkel
In Sachen Hölzer liegt die Eiche mit rund 95 Prozent weit voran auf Platz eins, dafür gibt es diese „von Weiß bis Schwarz“, so Muhr, der – unabhängig von der Holzart – eine leichte Trendumkehr bemerkt: „Lange Zeit waren helle Böden sehr stark nachgefragt, nun geht es wieder in Richtung dunkel und geräuchert. Neben Eiche haben wir zuletzt auch Akazie gedämpft, Esche, Kirsche und Edelkastanie verlegt.“ Der Trend zu grauen, neutralen Tönen ist ebenso spürbar: „Grau passt einfach überall dazu.“ – zu klassischen Möbeln ebenso wie zu einer poppigen Couch, zum reduzierten Skandi-Stil ebenso wie zu mediterranen Einrichtungen“, so Muhr.

Wo die Reise hingeht
Um den Kunden zu veranschaulichen, wo die Reise im Laufe eines Bodenlebens u.a. farblich hingehen kann, klärt Muhr entsprechend auf: „Dunkle Böden werden mit der Zeit meist heller, helle Böden in der Regel dunkler – das sollte vor allem bei der Wahl weiß geölter Böden berücksichtigt werden. Eiche Natur und Esche Natur hingegen werden mit den Jahre in der Farbe sehr kräftig, bei der Esche kommt je nach Behandlung auch noch ein leichter Gelbstich dazu. Es gibt auch sehr lichtstabile Hölzer wie Brauneiche aus dem Elsass – das ist dann allerdings eine Preisfrage.“ Wie sich Böden „halten“, hängt natürlich auch von der Oberflächenbehandlung – ob geölt, geseift oder lackiert – und von der Pflege ab.
Je nach Kundenwunsch bzw. für bestimmte Einsatzorte wie Stiegenhäuser verlegt man auch Vinylböden. „Viele Kunden wollen keine farblichen Veränderungen und ihre Böden nur minimal pflegen. Auch das Budget unterstützt eine Entscheidung pro Vinyl. Und optisch sind hochwertige Produkte für den Laien von Holz kaum mehr unterscheidbar – allerdings kommt der Preise für solche Dielen auch schon an jenen des natürlichen Materials heran. Wird ein solches Produkt gewählt, geht es meist um die Pflegbarkeit und die gleichbleibende Optik“, so Muhr.

Fundierte Beratung
Generell bemerkt der Experte eine gewisse Überforderung, wenn es um die Auswahl der Böden geht. „Wenn Kunden zu uns kommen, wissen sie selten genau, was sie wollen. In ersten Gesprächen stecken wir wichtige Eckpunkte ab. Für den nächsten Schritt haben wir zahlreiche Boden-Muster parat, die wir zeigen, wenn gewisse Vorlieben geklärt sind. So führen wir die Kunden Schritt für Schritt zu ihrem Wunschboden“, berichtet Muhr über den Verkaufsprozess.
Optische Täuschung
Neben den Farben und Hölzern unterliegen auch die Verlegetechniken gewissen Trends. Aktuell ist die Verlegung in Mischbreiten „in“: Es werden bewusst schmale Dielen eingebaut, um die breiteren noch breiter wirken zu lassen. Damit ist eine Kosteneinsparung möglich, denn komplett auf 270 Millimeter breite Lamellen zu setzen, „geht durchaus ins Geld“. Am meisten nachgefragt werden allerdings die Klassiker wie Blockmuster, Landhaus oder Fischgrät. Gerade bei letzterem gibt es eine ungeheure Bandbreite an Verlegemöglichkeiten, Dimensionen und Ausführungen: Es gibt sie mit V-Phase (auch V-Fuge oder V-Fase genannt): Die V-förmig abgeschrägte Kante an den Paneelen eines Fischgrät-Bodens sorgt für einen authentischen Dielen-Look und betont die einzelnen Stäbe im Zickzack-Muster. Die Mikrofase hingegen ist eine dezente, nur leicht angeschrägte Kante, die sich gut für moderne, cleane Einrichtungsstile eignet.
Im richtigen Licht
Gerade beim Fischgrätmuster ist die Verlegerichtung entscheidend für die Raumwirkung. „Mit der Fischgrätverlegung kann ich Räume durch eine diagonale oder quer verlegten Ausrichtung strecken, umgekehrt ist auch ein optisches Verkürzen möglich“, so Muhr über die Auswirkung der Verlegrichtung auf die Raum- bzw. Bodenwirkung, für die auch der Lichteinfall eine zentrale Rolle spielt. In der Regel verlegt man die Stäbe längs zum Hauptlicht (also parallel zum Lichteinfall der Fenster), um den Schattenwurf zu minimieren. Peter Muhr stellt seinen Kunden dafür 70 mal 90 Zentimeter messende Musterplatten zur Verfügung, denn mit kleinen Handmustern erzielt man keine aussagekräftigen Ergebnisse: „Unsere Kunden können die Wirkung des Bodens je nach Verlegerichtung zuhause im eigenen Licht ausprobieren.“

Visitenkarte Sockelleiste
„Ist der Boden die Visitenkarte des Hauses, so ist die Sockelleiste jene des Bodens“, weist Peter Muhr auf ein wichtiges Element hin, das in Planung und Ausführung nicht zu vernachlässigen ist. Ausgeführt in Massivholz oder furniert, sind zahlreiche Formen möglich: Die Varianten reichen von klassischen halbrund schrägen über halbrund kubische Leisten hin zu liegenden Schweizerleisten bis aus dem Boden schräg geschnittene Varianten für einen besonders modernen Look. Das Farbspektrum reicht von an den Boden angepasste über weiße Sockelleisten – diese empfiehlt Muhr u.a. bei weißen Türen, um einen nahtlosen Übergang zu erreichen. Natürlich geht es auch ganz ohne bzw. mit flächenbündigen Leisten – ist das der Wunsch der Kunden, haben Muhr und sein Team auch hier passende Lösungen parat.
Öl oder Lack?
„Wir realisieren 80 Prozent unserer Böden mit geölten Oberflächen. Diese verzeihen einfach mehr als lackierte Oberflächen und bleiben bei regelmäßiger Pflege mit z. B. Naturholzbodenseife einfach lange schön – ohne Abschleifen.“ Neben der Optik spielt die Haptik eine zentrale Rolle: „Ein Boden kann glatt oder gebürstet ausgeführt werden, wellig oder handgehackt – auch hier gibt es viele Möglichkeit. Dabei kann man die Akustik gleich mitdenken. Denn je „unglatter“ die Oberfläche, desto mehr Schall wird geschluckt. In Musikzimmern kommen daher gerne tiefgebürstete Böden zum Einsatz“, weiß der Tischlermeister.
Last but not least ist auch die Befestigungsart ein Thema: Zu 99 Prozent werden die Böden verklebt, die Wirkung ist satter und die Böden sind leichter zu begehen. Sollte der Wunsch nach einem etwaigen späteren Bodentausch bestehen, wird eine Folie mit dem Bodenkleber eingespachtelt, um im Fall der Fälle die Schichten leichter trennen zu können. Eine schwimmende Verlegung kommt bei Holzböden kaum vor; bei Vinylböden ist sie eher Standard, da diese teilweise nur bis zu 60 Quadratmetern zur Verklebung frei gegeben sind.
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