Im Zwei-Jahres-Rhythmus parallel zum internationalen Mailänder Möbelsalon und damit alternierend zur Frankfurter ISH findet der Salone del Bagno statt, und 2026 war es für die Sanitärbranche wieder soweit, dem Fachpublikum zu zeigen, wo geforscht, entwickelt, experimentiert und wie zukünftig gewaschen, gebadet und gewellnesst wird. Nicht alles, was zu sehen gab, war brandneu, aber vieles neu gedacht und als Serie fortgesetzt mit neuen Varianten, Farben, Oberflächen und Anwendungsmöglichkeiten. Auffallend war vor allem, dass man sich für die Präsentation der Produkte immens ins Zeug gelegt hatte: Atemberaubende Installationen in der Stadt und großzügige Messestände ließen die Besucher richtig eintauchen – im übertragenen Sinn des Wortes. Neben dem Bestreben, weiter an wassersparenden Lösungen zu tüfteln, Technik zu vereinfachen und noch hygienischere Produkte auf den Markt zu bringen, war der Wunsch, ein bisschen mehr Luxus in alle Badkategorien zu bringen, deutlich spürbar. So ist die Farbe Champagner bei den Armaturen die klare Nummer Eins, bei den Badewannen gewinnen freistehende Modelle mehr und mehr die Oberhand bei gleichzeitig kompakteren Dimensionen, und das Handwerk sowie Haptik bekommen ihre Bedeutung wieder zurück. Das Ziel, das alle Hersteller eint, ist, für alle Menschen aus dem Aufenthalt im Bad ein außergewöhnliches Erlebnis mit intensiver Sinneserfahrung zu machen.

Raus in die Natur
Anschaulich dargestellt wurde das Zusammenspiel von Wasser, Architektur und Wohlbefinden im Alltag im Aqua Sanctuary von Grohe. Der deutsche Hersteller hat mit seiner beeindruckenden Installation im Piccolo Teatro seiner zukunftsweisenen Vision Gestalt gegeben und zeigte seine Interpretation einer ganzheitlichen Badgestaltung, die sich in einem fein abgestimmten Ökosystem aus Farben, Oberflächen und Materialien manifestiert mit dem klaren Fokus neue Synergien und gestalterische Horizonte für Architekt*innen und Designer*innen zu eröffnen. So etwa bricht die neue, von der Natur inspirierte Dusche Aquatree, ein biophiler Designansatz realisiert mit modernstem 3D-Druck, mit allen herkömmlichen Vorstellungen einer Dusche und lässt ein Produkt entstehen, das eher organisch gewachsen als konstruiert wirkt. Ausgestattet mit zwei Strahlarten – ein klarer Laminarstrahl und ein sanfter Fountain-Strahl – und dezenten Lichtelementen, die die Dusche zu einem ausdrucksstarken Design-Statement machen, auch wenn das Wasser nicht fließt, ist jede Verzweigung ein Unikat und leitet das Wasser präzise an die richtige Stelle.

Voll ins Geschehen
Den Charme eines leisen Luxus legt Dornbracht mit der Armaturenserie „Coya“ an den Tag, entworfen von Sieger Design, die sich für den Einsatz von Edelstein-Unikaten für die Griffe entschieden haben. Diese lassen Kreis und Quadrat fließend ineinander übergehen und ermöglichen mit den individuell wählbaren und austauschbaren Inlays aus weißem, mit blauen Adren durchzogenen Sodaltih, türkisfarbenem Amazonit oder dunkelgrünem Aventurin eine sehr persönliche Gestaltung für einzigartige Armaturen-Unikate. Die Armatur selbst folgt dem so genannten „Transitional Style“ bei dem traditionelle und zeitgenössische Elemente gemischt werden. Möglich ist die Fertigung dank dem 2025 in Leben gerufenen Dornbracht Atelier, das unkonventionelle Gestaltungswünsche – etwa der Einsatz von Leder, Eierschalen oder Muschelkalk – schon ab Stückzahl Eins realisiert und mit dieser Einzelanfertigung neue Maßstäbe in der Zusammenarbeit im Kreativbereich setzt.

Rein in die Wand
Den Raum wieder dem Wasser, dem Licht und der Atmosphäre zurückgeben: Das ist das Ansinnen von Axor, das Designer Antonio Citterio die Dusche zu einem Ort der Stille, der Architektur und des modernen Rituals zurückführen ließ. „Incava“ verbindet Thermostat, Handbrause und Ablage harmonisch in einem Stück miteinander, das nahezu vollständig in der Wand verschwindet. Gleichzeitig wird damit ein grundlegendes Umdenken im Badezimmer eingeleitet, denn durch den kompletten Verzicht auf hervorstehende Teile wie Griffe, Knöpfe oder sichtbare Elemente verwandelt sich das Badezimmer von einem technischen Raum in eine klare, integrierte Umgebung, in der das Ritual des Badens zu einer ruhigen Erfahrung wird.

Ab ins Glück
Unter dem Titel „Experience Tomorrow“ ging Laufen ins Rennen des diesjährigen Messeevents. Dabei etabliert der Badhersteller neben der Erweiterung des Produktportfolios auch eine neue visuelle Identität, der beispielsweise im glasierten Stahl Vitreon Ausdruck verliehen wird. Glatt wie Glas und stark wie Stahl vereint das Material die Eigenschaften beider Werkstoffe – die Festigkeit und Formbarkeit von Stahl trifft hier auf die Härte und chemischen Reinheit von Glas – und hebt damit das Spektrum auf ein neues Level. Denn das harmonische Zusammenspiel von emailliertem Stahl, Farbe und Wohnarchitektur evoziert eine neue Wahrnehmung des Bades und lässt es zum selbstverständlichen Teil zeitgenössischer Wohnkonzepte werden, wobei es hier nicht um eine Reihe von Produkten, sondern vielmehr um eine umfassendere Erzählung des Wohnens geht.

Hinein ins Vergnügen
Der italienische Badmöbelproduzent Agape stellt 2026 einmal mehr die Auseinandersetzung mit grundlegenden Designfragen, die das Unternehmen seit jeher prägen, ins Zentrum seiner neuen Produkte. Dabei beschäftigt sich Agape vor allem mit archetypischen Formen und deren Veränderung, wobei bekannte Grenzen neu definiert und gegenüber aktuellen Interpretationen geöffnet. Besonders sichtbar wird dieser Ansatz im neuen Entwurf von Architekt David Chipperfield, der Badewanne und Waschbecken mit einer einzigen, fließenden Geste miteinander zu einem Stück verbunden hat. Die übliche funktionale Trennung dieser beiden Objekte wird hier neu gedacht, eine Reflexion über das Badezimmer als Raum und über Formen, die sich nicht nach heutigen Konventionen richten.

Nah am Wasser
Villeroy & Boch überraschte ebenfalls mit einem neuen Designansatz und stellt „Antao 3D“ vor, ein monolithisches Waschbecken, das die Entwicklung der Keramik selbst ausdrückt. Dabei kommen Tradition, Innovation und zirkuläres Denken zusammen, um neue Gestaltungsperspektiven zu formen. Im Mittelpunkt dieser Erzählung steht dieser Prototyp, eine Materialstudie entwickelt vom Designstudio Kaschkasch und hergestellt mittels fortschrittlichem 3D-Druck aus im Unternehmen selbst zu 100 Prozent intern recycelter Keramik, aus der das Waschbecken Schicht für Schicht aufgebaut wird, wobei Spuren der Herkunft des Materials erhalten bleiben. Auf diese Weise entsteht eine Oberfläche, die sich sowohl präzise als auch auf natürliche Weise unvollkommen anfühlt. Dieser Prozess spiegelt eine neue Materiallogik wider: Kreislaufwirtschaft durch Design, bei der Abfall nicht das Ende, sondern der Beginn einer Transformation ist. Subtile Variationen in Oberfläche und Struktur eröffnen damit den Dialog zwischen digitaler Fertigung und keramischem Erbe.

Ran an den Stein
Dass Material und Handwerk in Zukunft wieder eine größere Rolle spielen werden, zeigt sich auch im freistehenden Marmorwaschbecken „Carsico“ von Antoniolupi, entworfen von Paolo Ulian, das von Meisterhandwerkern von Hand gefertigt wurde und das italienische Knowhow in der Natursteinverarbeitung verkörpert. Jedes Stück ist ein Unikat, das die materiellen Eigenschaften des Marmors, des wahren Protagonisten des Projekts, zur Geltung bringt. Das Konzept von Carsico entspringt der Neuinterpretation von Kernbohrlöchern, technischen Elementen, die in Marmorwaschbecken normalerweise unsichtbar sind. In diesem Projekt werden sie zu einem markanten Designmerkmal: Sie treten entlang der Säule durch einen Prozess der Materialabtragung zutage und schaffen eine komplexe architektonische Struktur aus Voll- und Hohlräumen.

Mitten ins Geschehen
Zum Abschluss schließt sich der Kreis nochmals mit einer außergewöhnlichen Installation, die im Palazzo Cordusio zu sehen war. Designerin Patricia Urquiola gestaltete zu ihrer Badserie „Balcoon“ für Duravit eine Skulptur aus 26 „Hockern“, die im Schwarzwald gefertigt wurden und limitiert aufgelegt wurden. Auch hier wurde einmal mehr gezeigt, wie Premium Baddesign sich jenseits von reiner Funktionalität zu einem immersiven, atmosphärischen Erlebnisraum entfalten kann. Die Ausstellung „Balcoon-Scapes“ griff diese Haltung auf und interpretiert die Markenphilosophie „Design Meets Excellence“ als Zusammenspiel aus architektonischer Klarheit, handwerklicher Präzision und einer bewusst sinnlichen Formensprache. Dabei wurden Waschbecken und bodenstehende WCs aus ihrer funktionalen Orientierung gelöst und als totemartige Elemente inszeniert. Zwei eigens gefertigte Toiletten mit außergewöhnlichen Oberflächen – die eine in einer fellartigen Textur, die andere mit einer strukturierten Betonschicht – setzten einen unerwarteten Akzent im Raum und verleihen der Installation eine spielerische Note.
Leicht könnte man eine ganze Ausgabe mit vielen schönen Gedanken, Entwurfsansätzen und neuen Gestaltungskonzepten für das bad der Zukunft füllen. Jedenfalls sich diese Beispiel schon ein attraktiver Vorgeschmack, wohin die Reise im Badezimmer gehen wird. ■