
Das 1963 eröffnete Kino International an der Berliner Karl-Marx-Allee, einem der bedeutendsten Stadtboulevards der europäischen Nachkriegsmoderne im ehemaligen Ost-Berlin, zählt zu den bedeutendsten Kinobauten Deutschlands. Als architektonisches Wahrzeichen der Nachkriegsmoderne
und wichtiges Premierenkino ist es seit Jahrzehnten ein zentraler Ort der nationalen und internationalen
Filmkultur. Seit 1992 ist es im Verbund der Berliner Yorck Kinogruppe und wird seitdem mit
kontinuierlichem Engagement im Sinne seiner Geschichte weitergeführt. Eines der bekanntesten Kinodenkmäler der Welt kehrt damit an die Öffentlichkeit zurück.
Errichtet wurde das Kino International in den Jahren 1961 bis 1963 nach Entwürfen von Architekt Josef Kaiser errichtet. Es war von Beginn an mehr als ein Premierentheater: Kaiser konzipierte es als kulturelles Zentrum mit großzügigen Foyers, Räumen für Klubtreffen und einer Bibliothek. Die klare Formensprache, die sorgfältig inszenierten Materialien und die großzügigen Raumfolgen machen das Gebäude bis heute zu einem Schlüsselbau seiner Zeit. Diese architektonische Haltung bildete die Grundlage der aktuellen Sanierung, für die das Haus erstmals vollständig geschlossen wurde. Innerhalb von 18 Monaten Bauzeit gelang eine denkmalgerechte Instandsetzung, die den ursprünglichen Charakter bewahrt und zugleich konsequent in die Zukunft führt.

Zwischen Erhalt und Erneuerung
Die Planung übernahmen Dickmann Richter Architekten aus Berlin in enger Abstimmung mit den Denkmalschutzbehörden. Ihr Ansatz bewegt sich im Spannungsfeld zwischen Bewahrung und zeitgemäßer Ergänzung und folgt dem Prinzip maximaler Zurückhaltung im Erscheinungsbild bei gleichzeitiger umfassender technischer Erneuerung. „Es ist gelungen, das Kino International behutsam in die Gegenwart zu führen. Es sieht aus wie früher – und ist doch in jeder Hinsicht neu gedacht“, sagt Daniel Dickmann, ist Architekt bei Dickmann Richter. Seine Haltung beschreibt er weiter: „Unsere Planung war von Respekt gegenüber dem denkmalgeschützten Bestand geprägt. Dabei war uns bewusst, dass das Kino International für viele einen großen emotionalen Wert hat, es sowohl bauhistorisch bedeutsam als auch ein Ort ganz persönlicher Geschichten ist. Manche verbinden damit ihr erstes Date im Kinosessel, ihre Jugendweihe vor dem Paillettenvorhang oder Partynächte im Jugendclub. Die Räume mit ihren Proportionen, den Materialien und Oberflächen sowie ihrer Farbigkeit sind also auch ein Erinnerungsträger. Erhalt und Restaurierung hatten daher bei der Planung stets Vorrang. Ziel war es, die architektonische Identität und die charakteristische Atmosphäre des Hauses zu bewahren und durch die technische Modernisierung sowie notwendige Sanierung, unter anderem des Daches, die Nutzung dieses Baudenkmals als Kino nachhaltig zu sichern.“
Technik im Denkmal
Die technische Erneuerung erforderte tiefgreifende Eingriffe in die Gebäudestruktur. Sämtliche Anlagen wurden modernisiert oder ersetzt, von Lüftung, Heizung und Elektrotechnik bis hin zu Sanitär- und Regenwasserleitungen. Denkmalgeschützte Wand- und Deckenoberflächen wurden geöffnet, technisch ertüchtigt und anschließend originalgetreu wiederhergestellt. Auch die Dachfläche wurde umfassend saniert: Neue Oberlichter, eine erneuerte Dachabdichtung, eine Zinkblechdeckung sowie integrierte Haustechnik sichern die Zukunft des Gebäudes. „Die zentrale Herausforderung bestand darin, Denkmalschutz mit heutigen technischen Anforderungen zu vereinbaren. Das Kino International zeichnet sich im Inneren durch die charakteristischen Architekturoberflächen aus, an die wir alle ‚ran‘ mussten für die haustechnische Sanierung und denkmalgerechte Restaurierung. Die Integration von neuer Kino-, Veranstaltungs-, Haus- und Brandschutztechnik in diese historische Substanz erforderte also individuelle, weitgehend unsichtbare Lösungen, die zum Teil bereits während der Planungsphase als Muster erprobt wurden und an anderer Stelle während der Umsetzung überprüft, neu gedacht und angepasst werden mussten. Der Raum in seinen Dimensionen und Funktionen war schon vorhanden, die moderne Haustechnik sieht heute aber ganz anders aus, braucht teilweise neue Wege durchs Haus und hat einen anderen Platzbedarf. Hierfür mit allen Beteiligten passende Konzepte zu erarbeiten und für die Ausführung die entsprechenden Abläufe und die Logistik zu durchdenken war sicherlich herausfordernd, hat uns aber auch sehr viel Spaß bereitet bei diesem Projekt“, sagt Helen Hart, Architektin bei Dickmann Richter.

Raum, Akustik und Material
Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der akustischen Qualität und der atmosphärischen Wirkung der Räume. Über 1.000 Quadratmeter neue Akustikdämmung im Kinosaal und in der Panoramabar sowie die präzise Integration der Technik hinter historischen Wandbespannungen sorgen für ein deutlich verbessertes Klangbild. Ergänzt wird dies durch ein Dolby-7.1-Soundsystem und einen Christie-Laserprojektor für 4K-Projektionen auf internationalem Festivalniveau. Durch die Reduzierung der Sitzplätze auf 506 wurde der Reihenabstand vergrößert und der Komfort spürbar erhöht. Parallel dazu erfolgte die aufwendige Restaurierung der originalen Materialien: Über sieben Kilometer Holzlamellen aus Kirschbaum, Ulme und Esche wurden demontiert, aufgearbeitet und wieder eingesetzt. Auch Betonwerksteinboden, Natursteinflächen und die Golddecke im Eingangsbereich wurden instand gesetzt. Besondere Aufmerksamkeit erhielt der silberne Premierenvorhang mit über 40 Millionen Pailletten, der als prägendes Gestaltungselement originalgetreu restauriert und neu inszeniert wurde.
Kino als öffentlicher Raum
Neben der technischen und gestalterischen Erneuerung standen Nachhaltigkeit und Barrierefreiheit im Fokus. Die neue Heiz- und Lüftungstechnik senkt den Energiebedarf um rund 70 Prozent und erfüllt ebenso wie die neuen Erschließungselemente alle Anforderungen an Barrierefreiheit und Brandschutz. Seit seiner Eröffnung im Jahr 1963 war das Kino International weit mehr als ein Filmtheater: als Premierenkino der DDR, gesellschaftlicher Treffpunkt und Bühne des öffentlichen Lebens prägte es die kulturelle Identität der Karl-Marx-Allee über Jahrzehnte. An diese Tradition knüpft das Haus nun wieder an – als offener Ort für Film, Begegnung und urbane Öffentlichkeit.

Ein Projekt wird zur Erfahrung
Für die Beteiligten bleibt das Projekt auch persönlich prägend.„Dieses einzigartige Bauprojekt über vier Jahre hinweg von der Planung bis zur Fertigstellung zu begleiten, war für mich eine ebenso anspruchsvolle wie bereichernde Aufgabe. Besonders die enge Zusammenarbeit mit Fachplanern, Restauratorinnen und Restauratoren sowie Handwerker*innen aus unterschiedlichsten Disziplinen habe ich als sehr inspirierend erlebt. Ich bin stolz darauf, Teil dieses engagierten, interdisziplinären Teams gewesen zu sein und freue mich, dass das Kino International nun die gleiche Modernität und Aufbruchsstimmung wieder ausstrahlt, die es bereits bei seiner Eröffnung im Jahr 1963 ausgezeichnet hat“, sagt Helen Hart, ist Architektin bei Dickmann Richter, in Berlin.

Auch Daniel Dickmann betont die Bedeutung des Projekts: „Ich freue mich sehr, dass es gelungen ist, mit dieser komplexen Sanierung eines der Lieblingskinos vieler Berliner behutsam in die Gegenwart zu führen. Teil dieses großen, interdisziplinären Teams gewesen zu sein, war für mich eine große Ehre. Mein ausdrücklicher Dank gilt allen beteiligten Firmen sowie den Mitarbeiter*innen vor Ort, die mit außergewöhnlichem Engagement, Fachwissen und Leidenschaft entscheidend zum Gelingen beigetragen haben und mir im Laufe der Zusammenarbeit sehr ans Herz gewachsen sind. Die Arbeit am Kino International war für mich eine einzigartige, prägende Erfahrung und ein Höhepunkt meiner beruflichen Laufbahn.“
Kino International Berlin
Karl-Marx-Allee 33, 10178 Berlin
Neueröffnung: 26. Februar 2026
Baujahr: 1961–1963
Ursprüngliche Architektur: Josef Kaiser
Denkmalschutz: Einzel- und Ensembledenkmal seit 1990
Bauherr: Yorck Kino GmbH
Architektur (Sanierung): Dickmann Richter Architekten, Berlin
Architektenteam: Daniel Dickmann, Helen Hart, Elena Herwarth von Bittenfeld, Chiara Alten, Julia Gerhards
Bauzeit: Juli 2024 – Februar 2026 (18 Monate)
Bruttogrundfläche: ca. 6.381 Quadratmeter
Sitzplätze im Kinosaal: 506



























