Der „Kiosk Hyperlokal“ verortet Moormann dort, wo die Marke seit jeher verwurzelt ist: im Chiemgau. Genauer gesagt in Radldistanz rund um den Firmensitz in der Aschauer Festhalle, im Umkreis von etwa 40 Kilometern. Hier entstehen die Möbel, in der eigenen Schreinerei sowie in einem engmaschigen Netzwerk aus spezialisierten Handwerksbetrieben. Kurze Wege, direkte Abstimmung und ein präziser Umgang mit Material prägen den gesamten Herstellungsprozess.

Die Installation überträgt dieses Prinzip in den Raum: Sie macht erlebbar, woran das Team und seine Partner*innen im Hintergrund arbeiten: Bilder, Videos und Texte zeigen die Werkstätten und geben Einblick in das, was dort hinter den Kulissen passiert. Dazwischen: Kioskware. Lokale Feinkost, Reisebroschüren aus dem Chiemgau und Fundstücke mit Augenzwinkern, wie etwa Stroh aus der Aschauer Festhalle für den nötigen Stallgeruch oder Produkte wie „Moorlose“ und „Stallmäuse“.

FNP als Struktur – kein Sonderfall, sondern Standard
Die Basis des Kiosks bildet das Regalsystem FNP, entworfen von Designer Axel Kufus und seit 1989 in der Moormann-Kollektion. Verwendet werden größtenteils Standardteile aus der Serienproduktion. Keine Sonderanfertigung, kein Prototyp, kein Ausnahmezustand. Sondern das, was ohnehin da ist, nur weitergedacht. Gerade darin liegt die Stärke von FNP: Das System ist so offen und robust konzipiert, dass es sich immer wieder neu konfigurieren lässt. Ob als Bibliothek, Arbeitsplatz, Stauraum oder eben als Kiosk. FNP passt sich an, ohne sich zu verbiegen.

Ein Prinzip, das sich selbst erklärt
Wie in der Stadtplanung steht die Abkürzung FNP für „Flächennutzungsplan“, eine Hommage auf die Entstehungsgeschichte des Regals. Das Konstruktionsprinzip wurde ursprünglich im Rahmen einer Auftragsarbeit entwickelt: 1987 führte die Stadt Berlin eine Bürgerbefragung zum Flächennutzungsplan Berlin durch. Für eine erneute öffentliche Auslegung mussten kurzfristig hunderte Regalfächer installiert werden. So entwarf Axel Kufus über Nacht eine einfach zu realisierende Lösung, die sich als „FNP-Regal“ zu einem der bekanntesten Klassiker des Neuen Deutschen Designs weiterentwickelte.

Jede Komponente erfüllt mehrere Funktionen. Seite hält Schiene, Schiene hält Tablar, Tablar hält Schiene. Eine Struktur, die ohne zusätzliche Elemente auskommt und gerade dadurch stabil wird. Gefertigt aus MDF oder Sperrholz und verbunden durch einfache Aluminium-Schienen, entsteht ein Möbel, das die Konstruktion in den Vordergrund stellt. Der „Kiosk Hyperlokal“ macht genau das sichtbar: kein Objekt, das neu gestaltet wurde, sondern ein anpassbares System, das immer funktioniert.

Lokal gemacht, konsequent gedacht
Was heute als „hyperlokal“ beschrieben wird, ist bei Moormann seit jeher gelebte Praxis. Bereits immer in regionalen Betrieben gefertigt, wird FNP seit 2025 in der firmeneigenen Schreinerei im Chiemgau produziert. Die Nähe zwischen Entwurf und Umsetzung ist dabei die Basis für Qualität, für Präzision und für einen verantwortungsvollen Umgang mit Material und Ressourcen.

Ein Klassiker, der weiterdenkt
Über die Jahre wurde FNP kontinuierlich weiterentwickelt, wobei die Grundidee stets erhalten blieb. Ergänzungen wie Schreibtische, Boxen, Facheinteilungen oder Bibliotheksleitern erweitern das System, ohne es zu überladen. Gleichzeitig bleibt es kompatibel: Selbst ein 30 Jahre altes Regal lässt sich mit heutigen Elementen kombinieren. FNP ist damit kein abgeschlossenes Produkt, sondern ein offenes System und ein Beispiel für eine Haltung, die auf Langlebigkeit statt Neuheiten setzt.
Der „Kiosk Hyperlokal“ führt diese Idee weiter. Er zeigt, dass ein gutes System immer wieder neue Anwendungen findet. Oder anders gesagt: News braucht es manchmal nicht. Ein gutes Regal reicht.