
Es sind viele Stimmen aus der Branche plädieren, die für einen ganzheitlichen Ansatz mit langfristig planbaren Fördermodellen und aufeinander abgestimmten Maßnahmen plädieren. Selten war das so deutlich wie am Podium des Pressegesprächs auf der Welser Energiesparmesse, moderiert von Elisabeth Berger, Geschäftsführung VÖK, wo Vertreter*innen aus Wirtschaft und Interessenvertretungen, darunter Robert Schneider, Geschäftsführer Messe Wels, Helmut Weinwurm, Vorsitzender der VÖK, Anton Berger, Bundesinnungsmeister der Sanitär-, Heizungs- und Lüftungstechniker, Alexander Sollböck, Obmann des Verbands der Installations-Zulieferindustrie, sowie Christian Murhammer, Geschäftsführung Fertighausverband aufeinandertrafen.
„Thermische Sanierung ist kein Geheimtipp, sondern Wertschöpfung und Notwendigkeit für eine energieeffiziente Zukunft“, sagt Franz Wastlbauer, Market Manager bei Synthesa und Vorstandsmitglied bei der ARGE Qualitätsgruppe Wärmedämmsysteme Österreich. Im Austausch mit Vertreter*innen aus Bau, Heizungs-, Klima- und Fertighausbranche rückte er die Bedeutung eines abgestimmten Vorgehens in den Fokus und formulierte mit Blick auf die Sanierungsoffensive eine klare Einschätzung: „Wenn unser Ziel ist, CO₂ einzusparen, dann funktioniert das nur mit einem Sanierungsfahrplan, der Maßnahmen für das beste Ergebnis aufeinander abstimmt. Wir müssen zuerst Verluste minimieren und daraufhin Maßnahmen optimieren. Das ist Energieeffizienz.“
„Wenn unser Ziel ist, CO₂ einzusparen, dann funktioniert das nur mit einem Sanierungsfahrplan, der Maßnahmen für das beste Ergebnis aufeinander abstimmt.“
Franz Wastlbauer, Market Manager bei Synthesa und Vorstandsmitglied bei der ARGE Qualitätsgruppe Wärmedämmsysteme Österreich
Der Förderstopp und seine strukturellen Folgen
Der Anlass für diese Diskussion ist ein brandaktueller: Seit dem 2. Februar 2026 sind neue Förderanträge im Rahmen der Sanierungsoffensive nur noch für den Kesseltausch möglich. Förderungen für thermisch-energetische Sanierungen wurden gestoppt. In der Branche wird dies kritisch gesehen, da ohne Verbesserung der Gebäudehülle der Energiebedarf hoch bleibt und neue Heizsysteme ihr Potenzial nur eingeschränkt entfalten können. „Wer ausschließlich die Technik tauscht, ohne zuvor die Verluste im Gebäude zu reduzieren, greift technisch, wirtschaftlich und klimapolitisch zu kurz“, so Wastlbauer. Thermische Sanierung und Heiztechnik seien keine Gegensätze, sondern aufeinander angewiesen: „Eine verbesserte Gebäudehülle reduziert dauerhaft den Energiebedarf, ermöglicht effizientere Heiz- und Kühlsysteme, verbessert den Wohnkomfort und erhöht gleichzeitig die Versorgungssicherheit.“
Besonders deutlich zeigen sich die Auswirkungen auf kommunaler Ebene. Viele Gemeinden verfügen nur über begrenzte finanzielle Mittel, während gerade dort ein großer Teil des Sanierungspotenzials liegt. Öffentliche Gebäude wie Schulen, Kindergärten oder Sportstätten zählen zu den energieintensivsten Beständen. Ihre Modernisierung gilt als zentral – sowohl für den Klimaschutz als auch zur Entlastung der Budgets und als Signalwirkung für die Bevölkerung.

Wirtschaftlicher Faktor und Baukonjunktur
Neben den energetischen Aspekten rückt auch die wirtschaftliche Bedeutung der thermischen Sanierung in den Fokus. Die häufig zitierte Formel „Kein Heizkesseltausch ohne Dämmung“ beschreibt den Zusammenhang: Erst durch die Reduktion von Energieverlusten lassen sich weitere Maßnahmen sinnvoll optimieren. Dämmung senkt den Heizbedarf, schützt vor sommerlicher Überhitzung und bildet die Grundlage für effizient arbeitende Systeme.
Zugleich zeigt sich eine deutliche volkswirtschaftliche Wirkung. Laut einer Studie der JKU Linz (Schneider/Reindl) fließen pro Euro Förderung rund zwei Euro in Form von Steuern und Abgaben zurück. In den Jahren 2023 und 2024 führten 776 Millionen Euro an Fördermitteln zu rund 1,58 Milliarden Euro an Rückflüssen, während etwa 16.800 Arbeitsplätze pro Jahr gesichert oder geschaffen wurden. Mit einem jährlichen Sanierungsvolumen von 2,5 bis 3 Milliarden Euro gilt der Bereich zudem als stabilisierender Faktor für Bauwirtschaft und Handwerk, insbesondere in einer Phase rückläufiger Neubautätigkeit.

Klimaziele und langfristige Perspektiven
Die aktuelle Sanierungsquote in Österreich liegt bei rund einem Prozent, erforderlich wären etwa drei Prozent, um die Klimaneutralität bis 2040 zu erreichen. Einseitige Fördermodelle gelten in diesem Zusammenhang als Hemmnis, da sie Investitionen bremsen und Planungssicherheit reduzieren. Gleichzeitig wird deutlich, dass thermische Sanierung über den Klimaschutz hinausgeht. Gut gedämmte Gebäude halten Wärme deutlich länger, während unsanierte Gebäude rasch auskühlen. Damit leisten sie einen Beitrag zur Versorgungssicherheit und zur Widerstandsfähigkeit von Gebäuden in einem zunehmend volatilen Energiesystem.