„KI ist ein absoluter Game Changer, davon bin ich überzeugt. Richtig genutzt, kann KI Prozesse deutlich beschleunigen, verbessern und planbarer machen.“ Karl-Heinz Strauss, CEO des Porr-Konzerns ließ keinen Zweifel darüber aufkommen, welche Bedeutung er der Künstlichen Intelligenz gibt.
Lebhafte Diskussion
Strauss war Teilnehmer einer Panel-Diskussion in der VIP-Lounge des Verbands der Ziviltechniker und Ingenieurbetriebe (VZI) Ende März in Wien. Mehr als 70 Teilnehmer*innen aus Bauwirtschaft, Technologie und Wissenschaft folgten der lebhaften Diskussion. Was bedeutet KI für die Bau- und Planungsbranche? Dieser Frage widmeten sich die Panel-Teilnehmer nach einer Einleitung von VZI-Präsident Thomas Hoppe.
Unter der Moderation von Bauzeitung-Chefredakteur Martin Hehemann diskutierte Porr- mit Vesna Glatz (Service Now Austria), Herbert Mühlburger (AI-Trust ZT) und Robert Neumayr Beelitz (Universität Innsbruck) über den Einsatz generativer KI – von strategischen Fragestellungen über konkrete Anwendungen bis hin zu neuen Anforderungen an Ausbildung und Kompetenzen.
Weit mehr als ein digitales Tool
In der Diskussion wurde deutlich: KI ist weit mehr als ein weiteres digitales Tool. Sie verändert grundlegende Mechanismen der Branche – von Planungsprozessen über Entscheidungslogiken bis hin zur Zusammenarbeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
Im Zentrum stand dabei die Erkenntnis, dass KI-Systeme anders funktionieren als klassische Software. Statt eindeutige Ergebnisse liefere sie Vorschläge mit Wahrscheinlichkeiten. Das eröffnet neue Möglichkeiten – etwa bei der Verarbeitung großer Datenmengen, der Entwicklung von Varianten oder der Automatisierung repetitiver Aufgaben –, bringe aber auch neue Herausforderungen in Bezug auf Verlässlichkeit, Nachvollziehbarkeit und Qualität mit sich.
Dass dabei der Mensch weiterhin eine zentrale Rolle spielt, wurde mehrfach betont. „Bauen ist ein People Business,“ bestätigte Service Now-Managerin Glatz die zentrale Aussage von Porr-Chef Strauss. „Und das gilt auch für KI: Sie ist kein reines Werkzeug, sondern eine Möglichkeit, unsere Denkfähigkeit zu erweitern.“
Neue Anforderungen
Gleichzeitig entstehen neue Anforderungen an den Umgang mit Technologie und Prozessen. „Die Frage ist, ob Effizienz das Maß aller Dinge im Bau ist. Unsere Aufgabe wird es auch sein, die KI-Systeme zu instruieren und Prozesse zu kuratieren“, zeigte sich Architekt und Hochschullehrer Neumayr Beelitz überzeugt.
Auch die Grenzen der Technologie wurden angesprochen. „Gewinner*innen werden jene sein, die KI am besten einsetzen. Die Stärke generativer KI liegt heute in Analyse und Prognose – aber wo Daten fehlen oder der Kontext zu komplex ist, bleibt die Entscheidung beim Menschen“, meinte IT-Experte Mühlburger.
Unterschiedlicher Ansicht waren die Diskutanten in Bezug auf die Frage nach technologischen Abhängigkeiten und strategischen Weichenstellungen: Welche Rolle spielen große Plattformanbieter? Wie offen sind künftige Systeme? Und welche Bedeutung haben Open-Source-Ansätze für die Branche? Ob Open Source oder nicht: Einigen konnten sich alle darauf, dass der erfolgreiche Einsatz von KI jedenfalls neue Kompetenzen erfordert – insbesondere im Umgang mit Daten, digitalen Werkzeugen und automatisierten Prozessen.
Das Fazit des Abends: Generative KI wird die Bau- und Planungsbranche nachhaltig verändern – technologisch, organisatorisch und kulturell. Entscheidend wird sein, die neuen Möglichkeiten mit fachlicher Expertise, Qualitätsbewusstsein und klaren Rahmenbedingungen zu verbinden.