Es ist kein Geheimnis: Ohne funktionierende Finanzierung bleibt die Sanierungsrate hinter den klima- und energiepolitischen Zielen zurück. Das EU-geförderte Projekt Renoinvest bringt mit einem Action Plan neue Erkenntnisse. Mit dem Abschluss des Projekts liegt nun erstmals eine fundierte Grundlage vor, um die Finanzierung von Gebäudesanierungen österreichweit strategisch weiterzuentwickeln: Der veröffentlichte Action Plan und ein Policy Briefing bündeln die zentralen Erkenntnisse und zeigen konkrete Ansatzpunkte für die Praxis. Die zentrale Erkenntnis: Die Finanzierung ist der entscheidende Hebel für eine Erhöhung der Sanierungsrate. renowave.at soll künftig als Ansprechstelle und Kompetenzdrehscheibe fungieren und gemeinsam mit Partner*innen neue Finanzierungsansätze in die Umsetzung bringen. Damit sollen die Voraussetzungen geschaffen werden, um Sanierungen in größerem Umfang zu ermöglichen.

Die Sanierungsrate in Österreich ist derzeit zu niedrig: Laut IIBW und Umweltbundesamt stagniert sie seit 2015 auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau und lag 2022 bei nur 1,5 Prozent. Mit dem Projekt Renoinvest – Roundtables enhancing smart investments in sustainable renovation of buildings wurde in den vergangenen zweieinhalb Jahren ein wesentlicher Beitrag zur Weiterentwicklung nachhaltiger Finanzierungsmodelle geleistet. Ziel war es, Investitionen in die Sanierung bestehender öffentlicher und privater Gebäude in Österreich, Ungarn und Slowenien zu erleichtern und damit die Energie- und Klimaziele für 2030 und 2050 zu unterstützen. Die Projektlaufzeit reichte von 2. Oktober 2023 bis 1. April 2026. Projektpartner in Österreich sind das Institut für Immobilien, Bauen und Wohnen und das Innovationslabor renowave.at.
Gebündelte Expertise und neue Ansätze für bessere Investitionsbedingungen
Das Institut für Immobilien, Bauen und Wohnen (IIBW) brachte seine Expertise zu Wohnbau, Immobilien, rechtlichen Rahmenbedingungen und Finanzierungsfragen gezielt in die Projektarbeit ein und prägte damit die Analyse zentraler Hemmnisse sowie die Entwicklung konkreter Vorschläge für bessere Investitionsbedingungen. renowave.at übernahm als Innovationslabor und Vernetzungsplattform eine zentrale Rolle bei der Einbindung relevanter Stakeholder, beim Wissenstransfer und bei der Verbindung von Strategie, Praxis und Umsetzung. Gemeinsam arbeiteten IIBW und renowave.at am österreichischen Aktionsplan – mit klaren Ergebnissen und wirksamen Lösungen für die Praxis
Breiter Stakeholder-Dialog liefert konkrete Ergebnisse für Sanierungfinanzierung
Im Zentrum von Renoinvest stand ein strukturierter Dialog zwischen Finanzwirtschaft, öffentlicher Hand, Immobilienwirtschaft und über 500 Expert*innen. „Wir haben im Projekt sehr eng mit unter anderem Banken, Versicherungen und öffentlichen Akteur*innen gearbeitet und dabei ein belastbares Fundament für alternative Finanzierungsansätze geschaffen. Dieses Know-how ist jetzt die Grundlage, um konkrete Lösungen in die Umsetzung zu bringen“, erklärt Susanne Formanek, Vorstand und kaufmännische Projektleiterin von renowave.at und Geschäftsführerin grünstattgrau. Über nationale und internationale Roundtables sowie Arbeitsgruppen wurden Investitionshemmnisse analysiert und konkrete Handlungsempfehlungen entwickelt. Dazu wurden die Arbeitsgruppen in 4 Themenbereiche eingeteilt: Schrittweise Sanierung, Kreislaufwirtschaft & naturbasierte Lösungen (NBS), Fernwärme & Energiegemeinschaften und Monitoring & Visualisierung des Energieverbrauchs. Die Bilanz: 50 Best-Practice-Beispiele, sechs Fallstudien, 18 nationale Roundtables, mehr als 60 Arbeitsgruppentreffen sowie drei internationale Roundtables in Slowenien, Ungarn und Österreich.
Finanzierung bremst Sanierungen
Die Ergebnisse zeigen deutlich: Die bestehenden Finanzierungsstrukturen halten mit den Anforderungen der Sanierungspraxis nicht Schritt. Genau das bremst Investitionen „Finanzierung ist oft der ausschlaggebende Faktor für oder gegen eine Sanierung. Genau hier müssen wir ansetzen, wenn wir die Sanierungsrate erhöhen wollen“, betont Wolfgang Amann, Geschäftsführender Gesellschafter des IIBW und Aufsichtsrat bei renowave.at. Einzelne Förderungen reichen dabei nicht aus. Gefragt sind kombinierte Modelle aus Zuschüssen, Darlehen, Garantien und Kapitalmarktinstrumenten. Der nationale Aktionsplan für mehr Investitionen in die Gebäudesanierung zeigt, was für die rasche Umsetzung der Sanierungsoffensive jetzt erforderlich ist. Im Zentrum steht ein Bündel wirksamer Maßnahmen in den Bereichen Recht, Finanzierung sowie Bewusstseinsbildung und Wissensaufbau. „Wir haben im Projekt sehr genau herausgearbeitet, wo die größten Ansatzpunkte liegen. Jetzt geht es darum, diese Maßnahmen in die Umsetzung zu bringen und die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen“, sagt Christina Böckl, Projektleiterin Renoinvest sowie Projektkoordination EU und Internationales bei renowave.at.
Mehr Unterstützung für Gemeinden
Gemeinden sollen bei der Sanierung kommunaler Gebäude gezielt entlastet werden, etwa durch Förderprogramme für professionelle Unterstützung bei der Projektentwicklung und bei alternativen Finanzierungsmodellen, insbesondere dort, wo Budgets, Wissen und personelle Kapazitäten knapp sind. Gleichzeitig sollen gemeinnützige Wohnbauträger durch rechtliche Anpassungen stärker als strategische Partner für öffentliche Sanierungen eingebunden werden. Im Finanzierungsbereich schlägt der Aktionsplan die Einrichtung einer Wohnbau-Förderbank vor, die im Rahmen einer Public Private Partnership günstige Mittel, etwa von der Europäischen Investitionsbank, in den österreichischen Wohnungssektor lenken und insbesondere umfassende Sanierungen sowie Baukredite unterstützen soll. Gleichzeitig sollen begleitende Maßnahmen die Umsetzung stärken. Flankiert werden sollen diese Maßnahmen durch regionale Beratungsstellen zur Finanzierung und Umsetzung von Sanierungen, die Einführung von Sanierungsfahrplänen und Renovierungspässen sowie gezielte Informations- und Verbreitungsaktivitäten, um Wissen zu stärken, Orientierung zu geben und die Sanierungsrate nachhaltig zu erhöhen.
renowave.at übernimmt zentrale Rolle bei Sanierungsfinanzierung
Aus den Ergebnissen des Projekts ergibt sich eine klare Rolle für die Zukunft. renowave.at soll als zentrale Anlaufstelle für Sanierungsfinanzierung etabliert werden und unterschiedliche Akteur*innen zusammenführen. „Wir bündeln hier Wissen, Erfahrung und Netzwerke. Ziel ist es, Orientierung zu schaffen und den Zugang zu passenden Finanzierungsmodellen zu erleichtern, Lösungen für schwere Finanzierungsfälle zu finden und Innovationen weiterzuforcieren“, sagt Susanne Formanek. Als Schnittstelle zwischen Eigentümer*innen, Wohnbauträgern, Kommunen, Finanzwirtschaft und Politik soll renowave.at dazu beitragen, Komplexität zu reduzieren und Entscheidungsprozesse zu beschleunigen. Mit dem Abschluss von Renoinvest ist die Analyse abgeschlossen. Jetzt geht es um die Umsetzung. „Wir
wissen, wo die Probleme liegen. Jetzt braucht es stabile Rahmenbedingungen und Finanzierungsmodelle, die Investitionen tatsächlich auslösen. Sanierungen dürfen nicht länger an Unsicherheit oder fehlender Planbarkeit scheitern. Entscheidend ist, dass Finanzierung so gestaltet wird, dass sie Investitionen ermöglicht und nicht verhindert“, bringt Wolfgang Amann es abschließend auf den Punkt. (bjr)