Der Salone del Mobile.Milano 2026 steht vor einer inhaltlichen Neujustierung: Nicht mehr primär Form, Funktion oder Typologie bestimmen die Agenda, sondern das Material selbst. Unter dem Leitmotiv „A Matter of Salone“ rückt die 64. Ausgabe, die vom 21. bis 26. April 2026, den Ursprung des Entwerfens ins Zentrum und damit auch Werkstoffe wie Holz sowie den kreativen Umgang damit. Gleichzeitig reagiert sie auf veränderte Rahmenbedingungen: geopolitische Unsicherheiten, Ressourcenfragen und die Transformation industrieller Prozesse prägen die kuratorische Ausrichtung. Materialien werden nicht mehr nur als Mittel zum Zweck verstanden, sondern als Träger von Bedeutung, Erinnerung und Wertschöpfung.

Stuhl Scapula von Ceccotti Collezioni, Design: David Nicolas. © Ceccotti

Mehr als reine Funktion

In diesem Kontext gewinnt Holz eine neue Relevanz. Historisch ist das Material eng mit dem Salone verbunden, denn bereits bei der ersten Ausgabe 1961 wurden vor allem Holzmöbel gezeigt. Heute wird Holz jedoch anders gelesen: weniger als traditioneller Werkstoff denn als Bestandteil zirkulärer Designstrategien. Nachhaltigkeit, Wiederverwertbarkeit und transparente Lieferketten zählen deshalb auch zu den zentralen Themen der Messe 2026. Holz fungiert dabei als Schnittstelle zwischen Handwerk, Industrie und ökologischer Verantwortung. Die stärkere Betonung von Materialität zeigt sich auch in neuen Formaten. Initiativen wie „Salone Raritas“ integrieren sammlerische und handwerklich geprägte Positionen in die Messe und erweitern den Blick auf Unikate und materielle Qualität. Gleichzeitig verschiebt sich die Präsentation vom reinen Produkt hin zu kuratierten Narrativen, in denen Materialprozesse sichtbar werden.

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Regal Castello von Nagano Interior, Design: Giovanni Levanti. © Nagano Interior

In die Tiefe gehen

Der Fokus auf Holz steht somit exemplarisch für einen umfassenderen Paradigmenwechsel. Anstelle kurzfristiger Trends rücken langfristige Materialzyklen, Herkunft und Verarbeitung in den Vordergrund. Für Hersteller bedeutet das eine stärkere Verzahnung von Design, Forschung und Produktion; für Gestalter eröffnet sich ein erweitertes Feld zwischen Technologie und Handwerk. Der Salone del Mobile 2026 versteht sich damit weniger als Leistungsschau fertiger Möbel denn als Plattform für grundlegende Fragen: Welche Rolle spielen Materialien in einer ressourcenbewussten Zukunft? Und wie lässt sich ihre kulturelle und ökologische Dimension in Gestaltung übersetzen? Holz liefert darauf keine einfache Antwort, aber einen zentralen Ausgangspunkt. ■

Kommode Gigi XVI Hip-Hop von Fratelli Boffi, Design: Ferruccio Laviani. © Fratelli Boffi