Zwischen Beobachtung und Andeutung schwebend erwacht „Mimesis“ zum Leben: Die von Dilmos kuratierte Ausstellung, die während der Milano Design Week 2026 in der historischen Galerie in der Via San Marco 1 im Herzen von Brera gezeigt wird, zeigt Werke des in Eindhoven ansässigen niederländischen Designers Onno Adriaanse und der in Turin lebenden italienischen Künstlerin Valeria Vaccaro, präsentiert in einer von Verderame entworfenen Inszenierung. Von der Galerie eingeladen, sich mit dem Ausstellungsthema der Mimesis auseinanderzusetzen, greifen Adriaanse und Vaccaro auf ihre jeweils unverwechselbare Formensprache zurück, um im Dialog mit Dilmos zwei originelle Kollektionen zu entwickeln, in denen Objekte das Verhalten der Natur als generatives Prinzip übernehmen.

© Eller Studio / Francesco Marano

Mit „Mimesis“ interpretiert die Galerie Design als eine Praxis, die in der Lage ist, die Merkmale und Eigenschaften der Natur zu entschlüsseln und sie in eine neue Form zu übersetzen, die zugleich sensibel und kühn ist. Ausgehend vom griechischen Begriff μίμησις (Mimesis) lud Dilmos die beiden Künstler ein, mit Form und Materie als lebendige Elemente zu arbeiten, die sich verwandeln und reagieren können, wodurch Werke entstehen, die sich entsprechend der Dynamik der natürlichen Welt weiterentwickeln.

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In ähnlicher Weise fungiert die von Verderame konzipierte Installation als architektonisches Echo innerhalb der Ausstellung: Der Raum wird zu einer pflanzlichen und skulpturalen Bühne, die das Prinzip der Mimesis, das in den Sammlungen von Onno Adriaanse und Valeria Vaccaro zum Ausdruck kommt, verstärkt und greifbar macht. Die von Verderame speziell für Dilmos entwickelte Intervention besteht aus sieben botanischen Skulpturen, die sich wie ein diffuses pflanzliches Geflecht durch den Raum verzweigen – zwischen schwebenden Elementen und am Boden verankerten Objekten. An der Basis jeder Struktur liegt ein Metallgitter – ein transparentes geometrisches Raster, das Volumen und Flächen definiert und einen Rahmen bildet, auf den kaskadenförmig herabfallende Trauben aus stabilisiertem Amaranth und breiten Buganienblättern aufgepfropft sind. Das Ergebnis ist eine natürliche Umgebung, zart und doch stark charakterisiert, die die beiden Kollektionen in eine stimmungsvolle und immersive Inszenierung einbettet.

Spiegel aus der Serie "Ossimoro" von Valeria Vaccaro
Spiegel aus der Serie "Ossimoro" von Valeria Vaccaro © Jessica Quadrelli

In dieser Inszenierung greift Onno Adriaanse sein Projekt „Hedera 2025“ wieder auf und entwickelt eine neue Variante exklusiv für Dilmos. Die Inspiration aus der Natur stammt aus den Reisen des Designers durch Australien und seiner Beobachtung von Kletterpflanzen, die sich symbiotisch mit Bäumen verflechten und im Laufe der Zeit zu eigenständigen Strukturen werden. Diese Bildwelt gab den Anstoß zur „Hedera“-Kollektion, die sich in Objekten niederschlug, die vollständig aus Holz gefertigt sind und Formen des kontinuierlichen Wachstums als lebendige Präsenz im Wohnraum evozieren.

Onno Adriaanse mit dem Schrank aus der Kollektion "Hedera"
Onno Adriaanse mit dem Schrank aus der Kollektion "Hedera" © Ronald Smits

In Zusammenarbeit mit Dilmos wird die Hedera-Kollektion um neue Konfigurationen und größere Formate erweitert, darunter ein Esstisch, ein Schreibtisch mit Stuhl, ein Sideboard und ein Aufbewahrungsmöbel, wobei mit Glas ein neues Material eingeführt wird, das die Ausdrucks- und Wahrnehmungsmöglichkeiten des Projekts erweitert. Der Dialog zwischen Opazität und Transparenz erzeugt ein subtiles Wahrnehmungsspiel, bei dem die Massivität des Holzes im Kontrast zur optischen Leichtigkeit des Glases steht, was die organische Dimension der Formen verstärkt und zugleich als Dreh- und Angelpunkt in Adriaanses Forschung dient.

Tisch und Stuhl aus der Kollektion "Hedera"
Tisch und Stuhl aus der Kollektion "Hedera" © Marcello Maranzan

„Die Zusammenarbeit mit Dilmos war eine bereichernde und inspirierende Erfahrung. Der Dialog mit Beatrice Pellegatta, der künstlerischen Leiterin der Galerie, ermöglichte es uns, jedes Detail der Kollektion zu verfeinern. Als skulpturaler Designer bevorzuge ich oft formale Experimente; Beatrice’ Erfahrung und Wissen sorgten für ein bewusstes Gleichgewicht zwischen Ausdruck und Funktion. Die Zusammenarbeit mit Dilmos hat der Hedera-Kollektion wirklich neuen Schwung verliehen, indem sie erstmals die Kombination aus Holz und Glas einführte und ihr so eine zusätzliche Ebene von Eleganz verlieh. Meine Arbeiten bei Dilmos ausstellen zu dürfen, ist ein großes Privileg, denn die Präsentation in einem Raum, in dem bereits einige der bedeutendsten Designer Italiens zu Gast waren, verleiht meinen Werken zusätzliche Tiefe und Ambition.“
Designer Onno Adriaanse

Die Hedera-Kollektion erweitert sich somit um Elemente, die in der Lage sind, den Raum zu strukturieren und direkt mit dem architektonischen Raum in Dialog zu treten, wobei die zentrale Idee eines sich ständig weiterentwickelnden Organismus beibehalten wird.

Esstisch aus der Kollektion "Hedera"
Esstisch aus der Kollektion „Hedera“mehr anzeigen

Neben Adriaanses Werken präsentiert Mimesis die erste Designkollektion von Valeria Vaccaro. Vaccaro, die aus der Welt der zeitgenössischen Kunst stammt, wurde von Dilmos eingeladen, ihre künstlerische Forschung auf das Design zu übertragen und eine Kollektion exklusiv für die Galerie zu entwickeln. Ausgehend von ihrer skulpturalen und malerischen Technik – bei der sie mit Tinte und Pigmenten auf Marmor eingreift, sodass dieser wie Holz wirkt – reflektiert die Künstlerin über das Konzept des Oxymorons, verstanden als Gegenüberstellung gegensätzlicher Ideen. Hier wird das Oxymoron zum kreativen Prinzip: Was zerbrechlich erscheint, entpuppt sich als solide, was unveränderlich wirkt, wandelt sich – so entsteht ein stiller Dialog zwischen Gegensätzen, der die Betrachter dazu einlädt, die verborgene Poesie des Alltags neu zu entdecken.

Konsole X aus der Kollektion "Ossimoro"
Konsole X aus der Kollektion "Ossimoro" © Marcello Maranzan

Die nach diesem Konzept benannte „Ossimoro“-Kollektion untersucht den Kontrast zwischen Marmor – einem Symbol für Stabilität und Ewigkeit – und vom Zahn der Zeit gezeichnetem Holz, das Zerbrechlichkeit und Zartheit hervorruft. Durch die Arbeit an Form, Textur und Patina verwandelt Vaccaro Marmor in Oberflächen, die Holz in seiner am stärksten gelebten Dimension nachahmen. Ganz im Sinne des Ausstellungstitels verliert der Marmor nicht seine Substanz, sondern gewinnt organische visuelle und haptische Eigenschaften, wodurch eine echte Mimesis entsteht: Das Material ahmt die Natur nach und nimmt scheinbar gegensätzliche Eigenschaften an, ohne dabei sein Wesen zu verraten.

Wandregal V aus der Kollektion "Ossimoro"
Wandregal V aus der Kollektion "Ossimoro" © Marcello Maranzan

„Die Ossimoro-Kollektion entspringt dem Wunsch, meine Werke in Designobjekte zu verwandeln, die den Alltag bereichern und dabei ihre poetische Spannung bewahren. Die Zusammenarbeit mit Dilmos ermöglichte es mir, neue Materialien und Techniken zu erforschen und meine expressive Suche sowie meine künstlerische Poetik an das Design anzupassen, ohne dessen Seele zu beeinträchtigen. Jedes Objekt wird zu einem Schnittpunkt zwischen Kunst und Funktion, an dem das Material Geschichten erzählt, Emotionen weckt und dazu einlädt, neue Perspektiven auf Wahrnehmung und Zeit zu entdecken. Das Ziel von Ossimoro ist es, sinnliche und zum Nachdenken anregende Erlebnisse zu bieten und den Alltag in einen Ort des Staunens zu verwandeln. Jede Form zielt darauf ab, das Gewöhnliche außergewöhnlich zu machen, indem sie einen ständigen Dialog zwischen Zerbrechlichkeit und Stärke, Beständigkeit und Vergänglichkeit schafft und die Betrachter dazu einlädt, die verborgene Poesie in den Objekten wiederzuentdecken.“
Künstlerin Valeria Vaccaro

Spiegel Ossimorol, Ossimoroll und Ossimorolll aus der Kollektion "Ossimoro"
Spiegel Ossimorol, Ossimoroll und Ossimorolll aus der Kollektion "Ossimoro" © Marcello Maranzan

Mit den gemeinsam mit Onno Adriaanse und Valeria Vaccaro entwickelten Arbeiten – und im weiteren Sinne mit der Ausstellung „Mimesis“ – treibt Dilmos seinen Designansatz weiter voran und festigt ihn, der sich durch einen starken Fokus auf die Urheberschaft und die individuelle Poetik jedes einzelnen Designers auszeichnet.

Valeria Vaccaro mit Spiegel aus der Kollektion "Ossimoro"
Valeria Vaccaro mit Spiegel aus der Kollektion "Ossimoro" © Jessica Quadrelli

Vor diesem Hintergrund bekräftigt Dilmos anlässlich der Mailänder Designwoche 2026 sein kuratorisches Engagement auf nationaler und internationaler Ebene und unterstützt die Ideen visionärer Designer, die Wert auf handwerkliches Können legen und Design als kulturelle Geste verstehen. Durch die Entdeckung und Förderung sowohl aufstrebender als auch etablierter Talente bietet Dilmos weiterhin einen Raum, in dem Ideen in greifbare Objekte umgesetzt werden – ganz im Sinne seiner Philosophie und der langjährigen Tradition der Galerie.