Der historische Kern von Flanderns Handelsmetropole Antwerpen in Belgien zählt zu den Must-sees jedes Belgien-Besuchers mit Interesse an Architektur. Doch auch außerhalb des beindruckenden Ensembles an historischen Gebäuden gibt es in der zweitgrößten Stadt des Landes einige städtebauliche Highlights. Eines der jüngsten darunter: Die erst im Jahr 2022 bezogenen beiden markanten Wohntürme mit Namen Louise und Marie. Als Objekte einer modernen, nachhaltigen Stadtentwicklung liegen die nach einem Kinderkrankenhaus, das sich früher auf dem Areal befand, benannten Gebäude strategisch günstig am Rande der Innenstadt und sind mit dieser über die zentrale Ringstraße verbunden.
Dennoch bildet die vom in Antwerpen beheimateten Büro Pool.Architecture entwickelte Anlage mit einer Grundfläche von über 20.000 Quadratmetern einen Ruhepol für ihre Bewohner*innen. Dies liegt zum einen daran, dass die Ringstraße weitgehend eingehaust ist, was die Geräusche der Fahrzeuge deutlich abdämpft. Zum anderen sind die beiden 14-stöckigen Türme in einen abfallenden Parkgarten mit niedriger Vegetation und mehrstämmigen Bäumen eingebettet. Gemeinsam mit dem direkt angrenzenden Hertogenpark hat er einen durchlässigen Korridor entstehen lassen, dessen Grünflächen das Gefühl von Offenheit und Weitläufigkeit vermitteln.

Beeindruckende Glaswand schützt vor Lärm und Vogelschlag
Zentrales Element des Lärmschutzkonzepts ist jedoch die beeindruckende Glaswand, die beide Gebäude über ihre ganze Höhe miteinander verbindet. Die transparente Barriere puffert die verbleibende Lärmbelastung der inneren und äußeren Ringstraßen ab und schafft dabei ein angenehmes akustisches Mikroklima. Hinter dem Schirm können die Bewohnerinnen und Bewohner der insgesamt 207 Wohnungen und Penthäuser auf ihren Außenbalkonen die Ruhe der Umgebung genießen.
Knapp 700 Quadratmeter Glas sind in dieser außergewöhnlichen Wand verbaut, die zudem Innenflächen sowie Balkone der Appartements und Wohnungen vor Wind schützt. Zum Einsatz kam dabei dreifaches VSG vom Typ „Ornilux mikado“ von Isolar mit einer Stärke von insgesamt 37,52 Millimeter. Das Glas dient dabei nicht nur dem Lärmschutz. „Ornilux mikado“ ist ein bewährtes Produkt, wenn es um den Schutz gegen Vogelschlag geht.
Seine Beschichtungen sind von der Natur inspiriert – ein so genanntes bionisches Verfahren. Genauer gesagt waren Spinnennetze die Vorbilder. Sie reflektieren UV-Licht, was von den meisten Vogelarten erkannt wird, weshalb diese die filigranen Netze sicher umfliegen. Den Entwicklern von Arnold Glas ist es gelungen, eine für das menschliche Auge kaum sichtbare Netzstruktur auf das Glas zu bringen. So bleiben transparente architektonische Konzepte optisch erhalten, ohne dass dies zulasten von Natur- und Artenschutz geht.
Speziell konstruiertes Extrusionsprofil
Eine besondere Herausforderung stellte die Konstruktion des Schirms für den Fassadenbauer dar. Als Spezialist für diese Aufgabe wurde Vorsselmans aus Loenhout ausgewählt. Das hohe Gewicht des Glases sowie die thermische Wirkung der Betonstruktur der Glasschutzwand galt es an die Struktur und Statik der beiden Gebäude anzupassen – sowohl in vertikaler als auch in horizontaler Richtung. Denn die Türme sind aufgrund ihrer Isolierung kaum thermischen Einwirkungen ausgesetzt und haben eine relativ konstante Temperatur von 20 °C. Die Säulen und der obere Balken sind jedoch nicht isoliert und unterliegen daher je nach Wetterlage Temperaturschwankungen: Im Winter ziehen sie sich zusammen, im Sommer dehnen sie sich aus. Vorsselmans löste diese Aufgabe mit der Entwicklung und Verbau eines speziellen Extrusionsprofils, das alle möglichen Setzungen aufnehmen kann.
(bt)
