Rund 40 Prozent der globalen CO2-Emissionen entfallen laut Angaben der Branche auf Bau, Betrieb und Nutzung von Gebäuden. Gleichzeitig stehen nach Einschätzung der Österreichischen Gesellschaft für Nachhaltige Immobilienwirtschaft (Ögni) bereits zahlreiche nachhaltige Baustoffe zur Verfügung, die bislang nur eingeschränkt eingesetzt werden.
Das aktuelle Positionspapier mit dem Titel „Nachhaltige Baustoffe – Die vergessenen Baustoffe der Zukunft“ thematisiert Materialien wie Holz, Lehm, Stroh oder Hanf. Diese seien technisch ausgereift, regional verfügbar und über den gesamten Lebenszyklus wirtschaftlich sinnvoll, würden jedoch noch zu selten genutzt. Auch industrielle Innovationen wie CO2-reduzierte oder künftig CO2-frei gebrannte Ziegel würden das vorhandene Potenzial verdeutlichen.
Hemmnisse in Regulierung und Datenlage
Das Positionspapier basiert auf der Arbeit einer interdisziplinären Arbeitsgruppe mit Fachleuten aus unterschiedlichen Bereichen der Bau- und Immobilienwirtschaft. Darin werden zentrale Herausforderungen identifiziert, darunter fehlende CO2-Rahmenbedingungen, unzureichende Datenverfügbarkeit sowie regulatorische Unsicherheiten. Auch Defizite in Ausbildung und Marktanreizen werden als Hemmnisse genannt.
„Es ist möglich, CO2-frei zu bauen, und in vielen Fällen brauchen wir gar nichts Neues erfinden. Viele Lösungen liegen bereits vor uns – in Schafställen, Lehmgruben und auf unseren Feldern“, sagt Peter Engert, Geschäftsführer bei der Ögni in Wien.
Konkrete Maßnahmen vorgeschlagen
Als Lösungsansätze nennt das Papier unter anderem verbindliche CO2-Grenzwerte für Gebäude, verpflichtende Lebenszyklusanalysen sowie den Aufbau transparenter Materialdatenbanken. Ergänzend werden gezielte Fördermaßnahmen und der Ausbau von Fachwissen entlang der gesamten Wertschöpfungskette vorgeschlagen.
„Nachhaltige Baustoffe sind keine Frage der technischen Machbarkeit mehr, sondern der konsequenten Umsetzung in Planung und Baupraxis“, sagt Florian Wehrberger, Leiter der Arbeitsgruppe bei der Ögni in Wien. Dafür brauche es klare Rahmenbedingungen und entsprechende Kompetenzen in allen Bereichen der Branche.
Bedeutung für Klimaziele und Markt
Die Ögni bewertet nachhaltige Baustoffe nicht nur als ökologischen Beitrag, sondern auch als strategischen Faktor für die Zukunftsfähigkeit der Bau- und Immobilienwirtschaft. Sie könnten laut Organisation die Wertbeständigkeit von Immobilien stärken, regulatorische Risiken reduzieren und einen Beitrag zur Erreichung der Klimaziele leisten.
Das Positionspapier steht auf der Website der Ögni zum Download bereit.