Beim Rückbau von Gebäuden mit Wärmedämmverbundsystemen (WDVS) entstehen Dämmstoffabfälle aus expandiertem Polystyrol (EPS), umgangssprachlich als Styropor bekannt. In Österreich fallen laut Projektangaben jährlich rund 2.500 Tonnen EPS als Teil solcher Fassadensysteme an. Eine Wiederverwertung ist bislang häufig erschwert, da die Dämmstoffplatten meist mit Putz- und Armierungsschichten verbunden sind.
In einem Pilotprojekt hat das Bauunternehmen Porr gemeinsam mit dem Start-up Orbis Development eine Methode getestet, mit der sich EPS direkt auf der Baustelle von mineralischen Bestandteilen trennen lässt. Zum Einsatz kam ein speziell entwickeltes Bagger-Anbaugerät, das auf zwei Abbruchbaustellen erprobt wurde. Das Baustellenteam konnte dabei mehrere Tonnen Dämmstoff rückbauen und sortenrein erfassen.
Trennung von Dämmstoff
„Die Porr befasst sich bereits seit Jahren mit der Wiederverwertung von EPS. Zuerst im Rahmen des Forschungsprojekts EPSolutely, in dem sie ihr Know-how aus Aufbereitung und Rückbau eingebracht hat“, sagt Karl-Heinz Strauss, CEO bei Porr in Wien. Mit dem aktuellen Pilotversuch habe man gemeinsam mit Partnern entlang der Bau-Wertschöpfungskette einen praxistauglichen Ansatz für die sortenreine Trennung von EPS-Abfällen getestet.
Das eingesetzte Anbaugerät trennt den Dämmstoff mechanisch von mineralischen Reststoffen wie Putz und Armierung. Dadurch kann der Dämmstoff bereits während des Rückbaus separiert und anschließend getrennt gesammelt werden.
Tests zur Weiterverwertung der Materialien
Die auf den Pilotbaustellen gewonnenen Dämmstoffreste wurden anschließend vom Dämmstoffhersteller Austrotherm versuchsweise aufbereitet und untersucht. Nach Angaben der Projektpartner zeigt der Versuch, dass ein Großteil der Materialien bereits beim Fassadenabbruch getrennt werden kann. Dadurch müssten nicht komplette WDVS-Systeme transportiert werden.
Langfristig soll so ein geschlossener Kreislauf entstehen, in dem aus rückgebauten EPS-Dämmstoffen wieder neue Dämmstoffplatten hergestellt werden können. Parallel dazu wird auch die Weiterverwertung der mineralischen Bestandteile untersucht. Die beim Rückbau anfallenden Putzreste wurden von Porr zerkleinert und anschließend vom Baustoffhersteller Baumit analysiert. Dabei wird geprüft, ob sich das Material etwa als Zuschlagsstoff für Zement einsetzen lässt. Weitere Tests im industriellen Maßstab laufen derzeit.
Ansatz für kreislauffähige Fassadensysteme
Die Entwicklung des Bagger-Anbaugeräts wurde nach Angaben der Projektpartner bereits in einem frühen Stadium vom Wohnbauträger Salzburg Wohnbau begleitet.

„Auf Basis der Projektergebnisse liegt nun ein praxistauglicher Ansatz vor, der in weiteren Piloten skaliert und weiterentwickelt werden kann“, sagt Paul Spatzenegger, Gründer von Orbis Development in Salzburg. Ziel sei es, gemeinsam mit Bauunternehmen, Entsorgungsbetrieben und Verwertern einen Rückbau- und Verwertungsprozess zu etablieren, der ökologisch sinnvoll und wirtschaftlich umsetzbar sei.
Aus Sicht der Projektbeteiligten könnte die Kombination aus selektivem Rückbau und anschließender Wiederverwertung einen Beitrag dazu leisten, Wärmedämmverbundsysteme stärker in Richtung Kreislaufwirtschaft zu entwickeln. Statt der Entsorgung sollen künftig wiederverwertbare Rohstoffe aus dem Rückbau gewonnen werden.