Mit der überarbeiteten Construction Products Regulation (CPR) der Europäischen Union steigen die Anforderungen an die Dokumentation von Bauprodukten. Seit 2025 gilt die Verordnung, deren Bestimmungen ab 2026 schrittweise angewendet werden. Bauunternehmen müssen künftig Leistungs- und Emissionskennzahlen von Materialien strukturiert erfassen und nachvollziehbar dokumentieren. Grundlage dafür ist der Digitale Produktpass, der technische Daten maschinenlesbar verfügbar machen soll.

In der Baupraxis erfolgen Bestellungen von Baumaterialien bislang häufig telefonisch oder per E-Mail. Lieferscheine werden laut Branchenbeobachtung vielfach fotografiert, abgelegt oder später manuell in Unternehmenssysteme übertragen. Diese Abläufe führen zu Medienbrüchen zwischen Baustelle und Büro und erschweren eine strukturierte Dokumentation der Beschaffung.

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Das Wiener Startup Constrct hat eine Softwareplattform entwickelt, die diesen Prozess digital abbilden soll. Die Lösung verknüpft Bestellanforderungen, Lieferungen und digitale Lieferscheine mit strukturierten Produktinformationen und dokumentiert die Daten projektbezogen.

Digitale Datenspur entlang der Lieferkette

Mit der Plattform werden Bestellungen, Lieferungen und Produktinformationen miteinander verknüpft. So entsteht laut Unternehmen eine durchgängige Datenspur entlang der Lieferkette. Gleichzeitig können produkt- und lieferbezogene Nachhaltigkeitskennzahlen automatisiert dokumentiert werden.

Im Unterschied zu vielen bestehenden Lösungen setzt Constrct nach eigenen Angaben nicht auf umfangreiche Integrationen in bestehende Unternehmenssoftware. Die Plattform funktioniert als eigenständiges System. Nur beim Einsatz digitaler Lieferscheine ist eine strukturierte Schnittstellenanbindung erforderlich. Wenn eine technische Integration nicht möglich ist, erfolgt der Austausch über standardisierte E-Mail-Templates. Bestellungen werden per Mail an Lieferanten übermittelt, digitale Lieferscheine können nach Unterzeichnung automatisiert weitergeleitet werden.

Vor dem Hintergrund der EU-Vorgaben könnte eine strukturierte Datengrundlage künftig auch für Finanzierungen relevant werden. Bei größeren Bauprojekten und ESG-orientierten Finanzierungsmodellen gewinnen dokumentierte Nachhaltigkeitskennzahlen laut Unternehmen zunehmend an Bedeutung.

Pilotprojekt mit Würth

Die Plattform ist skalierbar ausgelegt und richtet sich laut Anbieter sowohl an kleine und mittlere Bauunternehmen als auch an größere Unternehmensstrukturen mit komplexen Lieferketten. Als Minderheitsgesellschafter ist Rhomberg Ventures, das Investmentvehikel des Unternehmers Hubert Rhomberg, beteiligt.

Mit Würth läuft derzeit ein Pilotprojekt auf Lieferantenseite. Dabei fließen Echtzeitlagerbestände und aktuelle Preise direkt in den Bestellprozess ein. Verfügbarkeiten sollen dadurch unmittelbar sichtbar sein, Preisänderungen automatisch berücksichtigt werden.

Gründung aus Baustellenpraxis heraus

Gegründet wurde Constrct von Michael Ramel und Christoph Oswald. Ramel wuchs in einer Bauunternehmerfamilie auf und war nach eigenen Angaben schon früh auf Baustellen präsent. Später absolvierte er den Masterstudiengang Supply Chain Management an der Wirtschaftsuniversität Wien. Gemeinsam mit Softwareentwickler Christoph Oswald entwickelte er daraus die Plattform.

Heute arbeitet ein fünfköpfiges Team an der Weiterentwicklung der Software. Für 2026 plant das Unternehmen eine weitere Finanzierungsrunde. Parallel dazu arbeitet Constrct an einer mobilen Anwendung, die den Einsatz der Plattform direkt auf der Baustelle erleichtern soll. Die App soll laut Unternehmen innerhalb der kommenden sechs Monate verfügbar sein.