Der österreichische Wärmepumpenmarkt musste 2025 einen deutlichen Rückgang hinnehmen. Nach Angaben des Verbands Wärmepumpe Austria wurden 35.846 Heizungswärmepumpen verkauft, um 21,86 Prozent weniger als im Vorjahr. Bei den Wärmequellen entfielen 84 Prozent auf Luft, 14 Prozent auf Erdreich. Erdwärme bleibt damit klar hinter der dominierenden Luft/Wasser-Technologie. Für die Marktübersicht 2026 hat Gebäude Installation elf aktuelle Erdwärmepumpen erhoben. Die Einreichungen sind keine repräsentative Marktstatistik, zeigen aber recht deutlich, wohin sich das Angebot technisch bewegt.
R290 kommt im Technikraum an
Neun der elf eingereichten Geräte arbeiten laut Herstellerangaben mit R290. Der Umstieg auf das natürliche Kältemittel Propan ist damit längst nicht mehr auf außen aufgestellte Luft/Wasser-Wärmepumpen beschränkt. Das ist auch regulatorisch relevant: Die EU-F-Gase-Verordnung verschärft ab 2027 die Vorgaben für viele in sich geschlossene Wärmepumpen. Für Geräte bis 50 Kilowatt greift grundsätzlich ein GWP-Grenzwert von 150, sofern Sicherheitsanforderungen am Standort keine Ausnahme erforderlich machen.
Bei Erdwärmepumpen wandert R290 mit dem Kältekreis ins Gebäude. Damit gewinnen Sicherheitskonzept, Kältemittelfüllmenge und Aufstellbedingungen an Bedeutung. Mehrere Hersteller verweisen in ihren Einreichungen entsprechend auf eigene Sicherheitslösungen. Für Installateurbetriebe ist das Kältemittel damit nicht nur eine Umweltkennzahl, sondern Teil der Aufstellungs- und Montageplanung.
Einsatzbereich im Bestand
Auch beim Temperaturniveau hat sich viel getan. Neun der elf eingereichten Modelle erreichen mindestens 70 Grad Celsius, einzelne bis zu 78 Grad Celsius. Das erweitert den Einsatzbereich im Bestand. Bestehende Radiatoren müssen also nicht automatisch gegen eine Erdwärmepumpe sprechen. Die Marktübersicht zeigt aber ebenso klar, warum maximale Vorlauftemperatur und optimaler Betrieb nicht dasselbe sind. Der Median der gemeldeten SCOP-Werte liegt bei W35 bei 5,3, bei W55 dagegen bei 4,05. Jedes der elf Geräte weist bei 55 Grad Celsius einen niedrigeren SCOP aus als bei 35 Grad Celsius. Hohe Temperaturen schaffen Reserven und Flexibilität, ein möglichst niedriges Temperaturniveau bleibt jedoch der größere Effizienzhebel.
Auch klimaaktiv verweist darauf, dass die Vorlauftemperatur entscheidend für die Effizienz ist. Moderne Wärmepumpen können durchaus mit Heizkörpern arbeiten. Wo nötig, können größere Heizkörper oder gezielte Anpassungen des Wärmeabgabesystems die erforderliche Vorlauftemperatur senken. Für die Beratung lautet die entscheidende Frage daher nicht nur: Welche Temperatur schafft die Wärmepumpe? Sondern: Welche Temperatur braucht das Gebäude tatsächlich?
Passive Kühlung wird zum Argument
Noch eindeutiger ist das Bild beim Kühlen. Alle elf eingereichten Geräte ermöglichen passive Kühlung, integriert oder optional. Drei bieten zusätzlich eine optionale aktive Kühlung. Damit kommt ein systemspezifischer Vorteil der Erdwärme stärker zum Tragen. Beim passiven Kühlen bleibt der Kältemittelkreislauf abgeschaltet. Die Wärme aus dem Gebäude wird über Wärmetauscher und Pumpen an Erdreich oder Grundwasser abgegeben. Der Strombedarf ist dadurch wesentlich geringer als bei aktiver Kühlung. Bei Erdsonden kann die im Sommer eingebrachte Wärme zudem zur thermischen Regeneration des Untergrunds beitragen. Voraussetzung sind ein geeignetes Wärmeabgabesystem und eine Regelung, die Taupunkt und Kondensatbildung berücksichtigt.
Die Quelle kommt vor dem Gerät
Der wichtigste Unterschied zur Luft/Wasser-Wärmepumpe liegt ohnehin außerhalb des Geräts. Erdreich und Grundwasser bieten über das Jahr vergleichsweise konstante Quellentemperaturen und damit gute Voraussetzungen für hohe Effizienz. Dafür muss die Wärmequelle geplant, erschlossen und richtig dimensioniert werden. Der Verband Wärmepumpe Austria verweist etwa darauf, dass die notwendige Sondentiefe vom Wärmebedarf und von der Wärmeleitfähigkeit des Bodens abhängt. Flächenkollektoren werden dagegen oberflächennah verlegt und benötigen entsprechende Grundstücksfläche.
Bei Erdsonden beeinflussen Untergrund, Tiefe und Betriebsweise die Auslegung. Flächen- und Ringgrabenkollektoren hängen stärker von Grundstück, Bodenbeschaffenheit und Feuchte ab. Grundwasser bietet günstige Quellentemperaturen, setzt aber ausreichende Ergiebigkeit, geeignete Wasserqualität und passende rechtliche Rahmenbedingungen voraus.
Auch bei Tiefenbohrungen lohnt der genaue Blick auf das Wasserrecht. Eine Erdsonde ist in Österreich nicht automatisch in jedem Fall wasserrechtlich bewilligungspflichtig. Besondere Vorgaben gelten unter anderem in wasserrechtlich geschützten Gebieten, bei Sonden über 300 Meter sowie in Gebieten mit gespannten oder artesisch gespannten Grundwasservorkommen. Die Standortprüfung gehört deshalb an den Beginn der Planung.
Vernetzung wird selbstverständlich
Neben Kältemittel und Temperaturen zeigt die Marktübersicht einen weiteren Trend. Neun der elf Geräte sind laut Einreichung SG Ready, ebenso viele bieten Modbus, App-Steuerung sowie Cloud- beziehungsweise Fernwartungsfunktionen. Sieben Hersteller nennen ausdrücklich die PV-Einbindung, sechs KNX. Das passt zum Befund des Verbands Wärmepumpe Austria. Die Technologie habe sich von einfachen On/Off-Geräten in Richtung leistungsregelnder Wärmepumpen und höherer Temperaturanwendungen entwickelt. Smart-Grid-Fähigkeit und die flexible Optimierung des Eigenverbrauchs beschreibt der Verband inzwischen als Stand der Technik.
Für Installateurbetriebe verschiebt sich damit auch die Beratungsleistung. Gefragt ist nicht nur die passende Wärmepumpe, sondern ein System, das Wärmequelle, Heizflächen, Kühlung, Warmwasser, Photovoltaik und Regelung zusammenführt.
Die Marktübersicht eine klare Entwicklung: höhere Temperaturen, natürliche Kältemittel, Kühlung und stärkere Vernetzung. Der zentrale Erfolgsfaktor bleibt derselbe. Je besser Wärmequelle, Gebäude und Wärmeabgabe aufeinander abgestimmt sind, desto besser kann die Erdwärmepumpe ihre Effizienzvorteile ausspielen.
Erdwärmepumpen: Sechs Punkte für die Beratung

1. Wärmequelle zuerst klären
Bohrbarkeit, Grundstück, Grundwasser und behördliche Rahmenbedingungen bestimmen, welche Lösung technisch und wirtschaftlich sinnvoll ist.
2. Heizlast und reale Vorlauftemperatur ermitteln
Die maximale Gerätetemperatur ist kein Auslegungskriterium. Entscheidend ist das tatsächlich benötigte Temperaturniveau des Gebäudes.
3. Heizflächen mitprüfen
Größere oder zusätzliche Heizkörper und hydraulische Optimierungen können die Vorlauftemperatur senken und damit die Effizienz verbessern.
4. Kühlung früh mitplanen
Wer Erdsonde oder Grundwasser erschließt, sollte passive Kühlung von Beginn an in Hydraulik und Regelung berücksichtigen.
5. R290-Aufstellung sauber planen
Bei innen aufgestellten Propan-Geräten sind die Herstelleranforderungen zu Aufstellraum, Sicherheitskonzept und Montage konsequent einzuhalten.
6. Schnittstellen mitdenken
PV-Einbindung, Smart Grid, Modbus und Fernwartung bestimmen zunehmend, wie flexibel eine Anlage im realen Betrieb geführt werden kann.

