Um die Klimaziele bis 2040 zu erreichen, braucht es eine deutlich höhere Sanierungsrate und eine verbesserte Sanierungsqualität im Gebäudebestand. Drei österreichische Start-ups präsentieren technologische Ansätze, die insbesondere im großvolumigen Wohnbau ansetzen.
Neue Lösungen für Wärmepumpen, digitale Heizungsoptimierung und die Nachrüstung bestehender Radiatoren sollen die Dekarbonisierung im Bestand effizienter und wirtschaftlicher machen. Im Fokus stehen mehrgeschossige Wohngebäude, in denen der Umstieg auf klimafreundliche Systeme oft mit baulichen, technischen und wirtschaftlichen Hürden verbunden ist.
Vor allem großvolumige Gebäude gelten als zentraler Hebel zur Reduktion von CO₂-Emissionen. Gleichzeitig erschweren Fachkräftemangel, hohe Investitionskosten und die technische Komplexität beim Ersatz fossiler Heizsysteme in wenig gedämmten Bestandsobjekten die Umsetzung. Start-ups wie Enercube, Kelit Coptimizer und Wohnio setzen hier mit unterschiedlichen technologischen Ansätzen an.
Serielle Wärmepumpenlösung
Der Austausch von Gaszentral- und Etagenheizungen in Mehrfamilienhäusern scheitert häufig an Platzmangel und hohem Installationsaufwand. Enercube verfolgt deshalb einen modularen Ansatz mit einer vorgefertigten Lösung, dem sogenannten Cube.

Wärmepumpe © Kathrin Gollackner
Das System basiert auf einer Luft-Wasser-Wärmepumpe mit dem natürlichen Kältemittel Propan. Durch die Vorfertigung soll der Heizungstausch innerhalb eines Tages möglich sein, teils auch bei laufendem Betrieb. Die Installation erfolgt extern, wodurch bauliche Eingriffe im Gebäude reduziert werden. Laut Unternehmensangaben senkt ein integriertes Schallschutzsystem die Lärmemissionen um 50 Prozent gegenüber herkömmlichen Systemen. Zudem wird eine bis zu 36 Prozent höhere Energieeffizienz im Vergleich zu Standard-Wärmepumpensystemen angegeben. Das System ist für mehrgeschossige Wohngebäude mit fünf bis 50 Wohneinheiten konzipiert.
Digitale Optimierung
Wohnio setzt bei bestehenden Zentralheizungen an. Nach Angaben des Unternehmens sind 80 Prozent der Heizanlagen in großvolumigen Wohnbauten ineffizient eingestellt. Die Lösung kombiniert Künstliche Intelligenz (KI) mit Internet-of-Things-Technologien (IoT), die direkt in bestehende Systeme integriert werden.

© Wohnio GmbH 2026
Die Technologie überwacht den Betrieb in Echtzeit und optimiert Energieflüsse automatisiert, unter anderem durch hydraulischen Abgleich und bedarfsgerechte Steuerung. Laut Wohnio lassen sich Heizenergieverbrauch und Betriebskosten um bis zu 30 Prozent senken, die Amortisationszeit liege bei unter fünf Jahren. Zusätzlich übernimmt das Unternehmen die Analyse, Optimierung und laufende technische Betriebsführung. Die Plattform stelle Transparenz über ESG-relevante Verbrauchsdaten her und erkenne technische Abweichungen frühzeitig. Besonders im Vorfeld von Sanierungen könnten Investitionen dadurch präziser geplant werden.
Nachrüstung von Bestandsradiatoren
Viele Bestandsgebäude sind mit klassischen Heizkörpern ausgestattet, die hohe Vorlauftemperaturen benötigen. Das erschwert den Einsatz von Wärmepumpen oder Niedertemperatur-Fernwärme. Kelit Coptimizer bietet hierfür eine Nachrüstlösung an.

Radiator © KE KELIT Österreich
Der Aufsatz wird auf bestehende Heizkörper montiert und soll die Wärmeleistung durch gezielte Belüftung steigern. Laut Anbieter ist die Installation innerhalb von 15 Minuten möglich, ohne Eingriffe in die Heizungsanlage oder einen externen Stromanschluss. Eine integrierte Energie- und Lüftereinheit erhöhe die Heizleistung um bis zu 40 Prozent und senke die erforderliche Vorlauftemperatur. Die Energieversorgung erfolgt über den Seebeck-Effekt direkt aus der Wärme des Heizkörpers. Bestehende Heizkörper könnten so ohne Demontage leistungsfähiger gemacht werden.
Vernetzung als Hebel
Damit technologische Lösungen flächendeckend zum Einsatz kommen, spielt die Vernetzung von Unternehmen, Forschung und Politik eine Rolle. Renowave.at versteht sich als Innovationslabor für klimaneutrale Gebäudesanierung und vernetzt Akteurinnen und Akteure aus unterschiedlichen Bereichen.
Ein zentrales Instrument ist die Qualitätsplattform Sanierung (QPS), eine österreichweite Initiative zur Vernetzung qualifizierter Expertinnen und Unternehmen, darunter auch Enercube und Wohnio. Die Renowave.at Impact Days am 18. und 19. November 2026 sollen als Branchentreffpunkt für nachhaltige Gebäudesanierung dienen und Start-ups eine Plattform zur Präsentation ihrer Lösungen bieten.