Wie viele andere Branchen ist auch der Garten- und Landschaftsbau (GaLaBau) aktuell am Weg in die digitale Zukunft. Die Branche reagiert damit auf steigende Qualitätsanforderungen, ökologische Vorgaben und wachsende Kundenerwartungen. Digitalisierung im GaLaBau ist ein integraler Bestandteil moderner Baustellenplanung und -ausführung. Laut Branchenverbänden gehören digitale Prozesse wie GPS-gestützte Steuerung, Zeiterfassungssysteme und digitale Bauakten zum heutigen Standard.
So schaffen Telemetrie und Sensorik Transparenz über Maschinenlaufzeiten, Kraftstoff- beziehungsweise Energieverbrauch sowie Wartungsintervalle. Diese Daten können sowohl vom Unternehmen intern als auch über cloudbasierte Plattformen mit Vermietern oder Herstellern geteilt werden, mit positiven Effekten auf Planbarkeit, Produktivität und Instandhaltung. „Auch im GaLaBau sind satellitengestützte Steuerungen, Laser- oder GPS-Technologien eine sinnvolle Ergänzung zu bewährten Prozessen“, unterstreicht etwa Christian Heigl, Geschäftsführer HKL Baumaschinen Austria. Derartige Systeme würden Präzision und Effizienz deutlich erhöhen, HKL biete für diese Anforderungen „passgenaue, praxiserprobte Lösungen“ an.
Die Digitalisierung verändert den Garten- und Landschaftsbau nachhaltig – insbesondere in Bezug auf Transparenz, Effizienz und Planungssicherheit.
Christian Chudoba, Wacker Neuson
„Generell wird die Digitalisierung in Zukunft auch im Garten- und Landschaftsbau Einzug halten. BIM (Building Information Modelling, Anm. d. Red.) und der digitale Zwilling eines Projekts beispielsweise werden Voraussetzung für eine nachvollziehbare Abrechnung werden und die Geschwindigkeit im Bauablauf erhöhen“, erklärt Andreas Girkinger, Leiter Miete und Flottenmanagement bei Zeppelin Rental.
„Die Digitalisierung verändert den Garten- und Landschaftsbau nachhaltig – insbesondere in Bezug auf Transparenz, Effizienz und Planungssicherheit. Mit Telematiklösungen wie EquipCare von Wacker Neuson lassen sich Maschinenstandorte, Betriebszeiten, Auslastung und Wartungszustände in Echtzeit erfassen und auswerten“, betont Christian Chudoba, Geschäftsführer Wacker Neuson Österreich.
Ergänzend ermöglicht EquipTrack, Betriebsdaten von Baugeräten vor Ort auszulesen: Über ein Bluetooth-Modul und die Wacker Neuson App können Maschinenzustand und Betriebsstunden erfasst werden. Das vereinfacht die Baustellenorganisation und beschleunigt Prozesse spürbar.
Um diese Vorteile zu nutzen, müsse auf Seiten der Auftragnehmer allerdings eine passende Infrastruktur vorhanden sein, also beispielsweise digitale Geländemodelle und spezialisiertes Vermessungsequipment. Dies erfordere aber vorab bereits entsprechende eigene Investitionen in Equipment und vermessungstechnisches Fachwissen, wie Girkinger verweist. „Für kleinere und mittlere Betriebe im GaLaBau sind diese Hürden als sehr hoch anzusehen, weshalb wir wenig Nachfrage von Betrieben der genannten Größenordnung nach Steuerungstechnik haben.“
Arbeitssicherheit erhöhen
Die Integration digitaler Systeme ist längst keine Zukunftsmusik mehr. GPS-Lenkung ermöglicht millimetergenaue Geländemodellierungen und reduziert die Materialverschwendung. Liebherr stattet die hauseigenen Kompaktbagger mit integrierten Maschinensteuerungssystemen aus, die Echtzeitinformationen über Neigung, Position und Arbeitstiefe liefern. Auch weniger erfahrene Bedienerinnen können damit komplexe Erdarbeiten durchführen. Ähnlich positioniert sich Wacker Neuson mit digitalen Assistenzsystemen für Kompaktmaschinen. Diese verbessern nicht nur die Arbeitsqualität, sondern tragen auch zur Arbeitssicherheit bei. Serviceeinsätze lassen sich gezielter planen, Wartungsbedarfe frühzeitig erkennen und Ersatzteile schneller bereitstellen. „Digitale Plattformen schaffen Transparenz entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Wenn Maschinen- und Betriebsdaten zentral verfügbar sind, können Hersteller und Anwender noch enger und effizienter zusammenarbeiten“, erklärt Chudoba. Kubota setzt indes auf intuitive Bedienkonzepte, die dem Fahrer Maschinendaten präsentieren und die Vernetzung mit anderen Systemen ermöglichen. Kundinnen würden heute „möglichst präzise arbeitende Maschinen und Geräte“ benötigen, erläutert Girkinger. „Wichtig ist zudem die Erfüllung gültiger Abgasnormen sowie elektrische und elektrounterstützte (Hybrid-)Lösungen. Wir bieten hier zum Beispiel rein elektrische Minibagger und Radlader an, die sich auch bereits in der Praxis bewährt haben.“
Gerade Telematik-Technologie hat sich zum Standard entwickelt. Dementsprechend rüsten Vermietungsunternehmen die eigenen Flotten flächendeckend mit Telematik-Modulen aus. Diese überwachen Standort, Betriebsstunden, Kraftstoffverbrauch und Wartungsbedarf. Für Landschaftsbaubetriebe bedeutet dies bessere Planbarkeit und die Möglichkeit, Maschineneinsätze zu optimieren.

Telematik für alle
Die digitale Transformation verändert auch die Zusammenarbeit zwischen Maschinenherstellern, Vermietern und ausführenden Unternehmen. Hersteller integrieren Service- und Flottenplattformen, die neben Telematik auch Wartungs- und Diagnosedaten liefern. Boels hat beispielsweise das eigene Telematik-System kontinuierlich ausgebaut. Kunden erhalten einen Überblick über alle gemieteten Maschinen, von der Verfügbarkeit über den Einsatzort bis hin zu Wartungsintervallen. Auch Yanmar integriert in seine Kompaktbagger und Radlader IoT-Lösungen, die vorausschauende Wartung und Flottenmanagement ermöglichen.
Huppenkothen bietet integrierte Lösungen an, die digitale Flottenmanagement-Tools, vorausschauende Wartung und Echtzeit-Support umfassen. Die direkte Vernetzung zwischen Maschine, Händler und Hersteller ermöglicht es, technische Probleme zu erkennen, bevor sie zu Ausfällen führen.
„GaLaBau-Projekte finden häufig in sensiblen Umgebungen statt – etwa in Privatgärten, in der Nähe von Tieren wie in Zoos oder in öffentlichen Einrichtungen wie Friedhöfen. Entsprechend steigen die Anforderungen an eine emissionsarme oder emissionsfreie Arbeitsweise deutlich. Geräuscharme und lokal abgasfreie Maschinen ermöglichen Einsätze, die mit klassischen Verbrennungsmotoren nur eingeschränkt realisierbar wären – und erhöhen gleichzeitig die Akzeptanz bei Auftraggebern und Anwohnern“, verweist Chudoba. Zudem kommen Anbau- und Multifunktionssysteme, die mehrere Aufgaben abdecken können. Und auch geringe Bodenverdichtung und hohe Transportfähigkeit sind wichtige Faktoren. „Digitale Angebote – etwa regelmäßige Informationen per E-Mail, der Online-Baushop oder die HKL Website – können Abläufe beschleunigen und vereinfachen“, meint Heigl. Gleichzeitig bleibe der „persönliche Kontakt für viele unserer Kunden unverzichtbar“.
Besonders im GaLaBau werden künftig verstärkt Produkte gefragt sein, die körperliche Belastungen reduzieren.
Christian Heigl, HKL Baumaschinen
Leistungsstark und kompakt
Die Anforderungen schlagen sich in der Maschinenentwicklung nieder. So erobern hochspezialisierte Maschinen mit hoher Leistung bei kompakten Abmessungen den Markt. Wacker Neuson hat ein Sortiment von Kompaktbaggern, Radladern und Dumpern im Programm, die geringe Abmessungen mit hoher Leistung verbinden. Liebherr bietet für seine Kompaktbagger wiederum eine ganze Palette an Anbaugeräten, die sich ohne Werkzeug tauschen lassen.
„Der Trend zur Elektrotechnik wird sich weiter verstärken. HKL bietet dafür bereits ausgereifte Lösungen – inklusive zuverlässiger Energieversorgung auf der Baustelle über mobile Hochleistungsspeicher“, betont Heigl. „Ein weiterer wichtiger Bereich ist die ergonomische Verbesserung schwerer Arbeiten. Besonders im GaLaBau werden künftig verstärkt Produkte gefragt sein, die körperliche Belastungen reduzieren.“
Auch die wachsende Automatisierung treibt die Entwicklung an. Längst werden teilautonome Systeme, die repetitive Aufgaben selbstständig ausführen, erprobt. Zudem werden Planungssoftware und Maschinensteuerung immer stärker vernetzt. Building Information Modeling für Landschaftsbauprojekte ermöglicht bereits heute, digitale Geländemodelle direkt in maschinenlesbare Steuerungsdaten zu übersetzen. Und die Hersteller arbeiten mit Hochdruck an Schnittstellen, die eine nahtlose Integration zwischen CAD-Programmen und Maschinensteuerungen ermöglichen. Das Liebherr-Assistenzsystem Free Modelling ermöglicht es 3D-Baustellen in Echtzeit zu modellieren. Die Lösung ermögliche es Maschinenführenden, einfache 3D-Baustellenmodelle direkt von der Liebherr-Raupenkabine aus zu erstellen und umzusetzen.
Proaktives Baustellenmanagement
Free Modelling ermöglicht Anwendenden, Entscheidungen auf der Grundlage der aktuellen Baustellenbedingungen zu treffen, womit der Bauprozess rationalisiert und ein sofortiges Feedback zu den Baustellenbedingungen ermöglicht werde. Tauchen unerwartete Hindernisse auf, können die Bedienenden ihre Pläne in Echtzeit anpassen, um sicherzustellen, dass das Projekt im Zeitplan bleibt.
Ein anderer Zukunftstrend ist KI. Wartungssysteme, die Verschleiß und Ausfälle prognostizieren, werden zum Standard. Vermessungsdrohnen können Geländeaufnahmen liefern, die direkt in die Maschinensteuerung einfließen. Eine der bedeutendsten Entwicklungen ist der Durchbruch alternativer Antriebe. „Wir sehen alternative Antriebe auf dem Vormarsch, wobei im Bereich der kleinen und kompakten E-Baumaschinen bereits marktreife Lösungen vorhanden sind“, unterstreicht Girkinger. „Gerade bei kompakten Radladern und Minibagger ist der Elektroantrieb bereits in der Praxis bewährt. Um die Entwicklung von Akkutechnologie auch bei großen Baumaschinen voranzutreiben, müssen Möglichkeiten für die Ladeinfrastruktur geschaffen werden. Bei Zeppelin Rental bieten wir unter anderem bereits Batteriespeicher an, um Baustellen ohne Anschluss an das öffentliche Stromnetz möglichst umweltschonend mit Energie zu versorgen.“