Auch heute vermittelt das wieder eröffnete Haus ein Gefühl der Leichtigkeit. Die Villa Beer – ein architektonisches Glanzstück der Zweiten Wiener Moderne – findet sich in der Liste der Iconic Houses. Diese Liste versammelt internationale, architektonisch herausragende Häuser, Künstler*innenwohnungen und -ateliers aus dem 20. Jahrhundert, die als Museen für die Öffentlichkeit zugänglich sind. Die Villa von Josef Frank und Oskar Wlach ergänzt eine Liste mit Häusern wie „The Aalto House“ (Alvar Aalto), „Casa Batllò“ (Antoni Gaudì), „Casa de Vidro“ (Lina Bo Bardi) oder „Fallingwater“ von Frank Lloyd Wright.

Rückkehr zum Originalzustand

Schön wie zur Entstehungszeit eröffnete das denkmalgeschützte Haus am 8. März 2026 in neuem Glanz seine Tore.  Nach aufwendiger, dreijähriger Recherche-Arbeit ist es dem Team von Expert*innen, Handwerksbetrieben in Kooperation mit dem Bundesdenkmalamt gelungen, das Haus in seinen Originalzustand zurückzuführen. Lothar Trierenberg hatte das Gebäude im Jahr 2021 erworben und richtete die Villa Beer Foundation, eine gemeinnützige GmbH und einen Expertenbeirat ein. 2024 begann unter der Leitung von Architekt Christian Prasser die umfassende und detailgenaue Restaurierung.

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Außenansicht Villa Beer
Außenansicht Villa Beer ©Hertha Hurnaus

Manchmal waren detektivische Fähigkeiten gefragt, um historische Details authentisch zu rekonstruieren bzw. die architektonischen Feinheiten aufzuspüren. Wie präzise sich die Restaurierung an Originaldesign und -ausstattung orientiert hat, zeigt eine Fotogalerie auf der Website, die Bilder aus den 30 er Jahren und solche nach der Renovierung gegenüberstellt.

Für die Möblierung der Villa Beer gab es einen öffentlichen Aufruf nach Objekten und Einrichtungsgegenständen der 30er Jahre. Die Villa Beer Foundation verfügt über eine Sammlung von Objekten von Josef Frank.

Interieur ©Villa Beer, Stephan Huger
Interieur ©Villa Beer, Stephan Huger

Modernes Wohnen

Im Jahr 1929 hatte das Ehepaar Beer die Architekten Josef Frank und Oskar Wlach mit dem Bau der Villa beauftragt. Die Architekten gingen von der Grundidee aus, Räume für Privatleben und große Einladungen, etwa zu Konzertabenden, zu verbinden. Der Galerieraum für die Pianistin Margarethe Beer ist mit dem Bösendorfer-Flügel wohl eines der extravagantesten Details im individuellen Raumplan dieses Hauses. Der Flügel war so platziert, dass sie beim Klavierspielen durch das charakteristische runde Fenster hinausblicken konnte. Das offene Zwischengeschoss fungierte als Bühne, und die Gäste konnten von unten am Konzert teilnehmen.

Villa Beer Innen
Villa Beer © Hertha Hurnaus

Frank und Wlach interpretierten den klassischen Loos‘schen Raumplan sehr flexibel. Josef Frank beschreibt in seinem Essay „Das Haus als Weg und Platz“, dass man sich im Haus, wie in einer alten Stadt, ganz von allein zurechtfinden solle – hier der Hauptplatz, da die Nebenstraße. Gute Beispiele hierfür sind der unspektakulär kleine Eingang des Hauses, der in den ebenfalls kleinen Flur führt, der dann durch eine Tür in den großzügigen hohen Salon einen großartigen Ausblick in den Garten freigibt. Das „Bay Window“ öffnet das Zimmer über die gesamte Raumhöhe nach außen. Im ganzen Haus schaffen Fenster und Balkone einen starken Bezug zum Garten, der wesentlich zur Inszenierung des Hauses gehört.

Parkettböden in der Villa Beer
Parkettböden in der Villa Beer ©Hertha Hurnaus

Fenster und Böden

Die 43 Fenster mit insgesamt 250 Flügeln, Metallrahmen und Scherengittern wurden restauriert. Anfänglichen Berichten zum Trotz konnten viele Gläser aus der ursprünglichen Zeit nach Restaurierung der Rahmen wieder verwendet werden. Ersatzscheiben wurden aus gezogenem Glas nach historischem Vorbild angefertigt. Durch den Lichteinfall und den Schattenwurf der Bäume auf die Fensterflächen wurden bisher keine in die Irre geleiteten Vögel beobachtet.

Handwerker restauriert Parkettboden
Parkett © Huger

Die Parkettböden waren großteils erhalten und wurden in minutiöser Arbeit renoviert. Nachdem über 5000 Parkettstäbe herausgenommen und nummeriert worden waren, konnte man sie nach Wiederherstellung wieder originalgetreu verlegen. Eine Besonderheit des Renovierungsgedankens zeigt sich hier: es soll nicht so getan werden, als sei das Haus neu. Die Renovierung und der Bezug zur lebendigen Geschichte und Nutzung dürfen sichtbar sein. Diese Haltung setzt sich auch bei den 16 Einbauschränken fort, bei deren Restaurierung fehlende Elemente ergänzt wurden.

Interieur ©Villa Beer, Stephan Huger
Interieur ©Villa Beer, Stephan Huger

In der Publikation zur Villa Beer wird das Haus als moderat modern und radikal menschlich beschrieben, was auf Franks und Wlachs kritische Sicht auf Wohnen als Gesamtkunstwerk hinweist. Sie folgten eher der Idee, Architekten sollten Räume schaffen, die durch die Bewohner*innen gestaltet werden. Diese Position stand im Gegensatz etwa zu Josef Hoffmanns Vorstellung, eine komplett durchkonzipierte Wohnlandschaft zur Verfügung zu stellen, an der die eigentlichen Nutzer*innen nichts ändern sollten. Wenn man Wohnen hingegen als dynamischen Prozess betrachtet, muss der Raum für Veränderungen und Anpassungen offen bleiben.

Interieur Villa Beer
Interieur ©Villa Beer, Stephan Huger

„Modern ist das Haus, das alles in unserer Zeit Lebendige aufnehmen kann und dabei doch ein organisch gewachsenes Gebilde bleibt“, schrieb Josef Frank 1931. Er plädierte offen für das Vorrecht persönlichen Geschmacks und eine Mischung der Stile. Darauf bezieht man sich in der heutigen Einrichtung im Obergeschoß, wo Stoffe und Möbel von Svenskt Tenn zum Einsatz kommen. Nach seiner Emigration nach Schweden im Jahr 1938 hatte Josef Frank dieses schwedischen Einrichtungshauses wesentlich geprägt. Die Zimmer im Obergeschoß sind Gästezimmer. Wer sich hier als Gast einmietet, hat man das Privileg, das gesamte Haus verwenden zu dürfen.

Bäume und Garten

Ein wesentlicher Beitrag zum Gesamtkonzept war die Bepflanzung, die einen Bezug zur bestehenden Umgebung herstellte. Zur Zeit der Planung war das Grundstück mit alten Bäumen bewachsen, die Josef Frank und Oskar Wlach in ihre Entwürfe einbezogen. Der Stellenwert der Natur als gestalterisches Element zeigt sich nicht nur in der Gartenanlage, sondern auch in den Ausblicken in den Garten hinaus, wenn man sich im Haus befindet. Die starke Verbindung von Innen und Außen zieht sich in allen Geschossen durch und entspricht einer gedachten Bewegung, wie sie im Konzept von Weg und Platz besteht. Diese setzt sich auch ins Freie fort.

04 Outside Garden View Photo Villa Beer_Julius Scherb 1930
Outside Garden View ©Villa Beer_Julius Scherb 1930

Eine Beschreibung aus der Ursprungszeit erwähnt zwei Robinien, deren Schattenwurf die Fassadenwirkung mitbestimmt. Die alten Bäume waren inzwischen wegen Schäden entfernt worden, und die beauftragten Gestalter nahmen die Herausforderung an, adäquate Bäume zu finden, um die originalen zu ersetzen. Die Aufgabe war knifflig – nicht nur die Höhe, sondern auch die Wuchsrichtung und die Asthöhen sollten einigermaßen gleich sein, damit kein Fenster verdeckt wurde. Im November 2025 kamen 2 Robinien und einige Felsenbirnen aus einer Bremer Baumschule in Wien an.

Tieflader mit Robinie der Villa Beer
Tieflader mit Robinie der Villa Beer ©Huger

Die Landschaftsarchitektin Maria Auböck gestaltete den ursprünglich doppelt so großen Garten neu, denn der frühere Pflanzplan lag nicht mehr vor, und die wenigen schwarz-weiß Fotografien waren wenig aufschlussreich. Doch das Wissen um die damalige Wiener Gartenkultur und alte Kataloge konnten Hinweise für eine Neugestaltung geben. Das Institut für Historische Gärten der BOKU-Wien forschte zur Gartengestaltung im Vergleich mit anderen Gärten dieser Zeit. Für die Wegeführung im Garten konnten die originalen polygonalen Gneisplatten wieder verwendet werden.

Verlegung im Sandbett
Verlegung im Sandbett © cp architektur

Das Haus wird als Museum geführt und öffnet sich einem zeitgenössischen Publikum. Es gibt thematische Führungen mit architektonischen und historischen Einblicken in die bewegte Geschichte des Hauses und seiner Bewohner*innen im Kontext der Zeit. Nicht nur die Auftraggeber*innen mussten Wien verlassen, auch die beiden Architekten gingen ins Exil. Das Haus soll aber auch wieder Raum für musikalische und literarische Veranstaltungen sein, sowie für Diskussionen und wissenschaftliche Symposien.

Baumtransport, Villa Beer
Baumtransport, Villa Beer © Stephan Hugermehr anzeigen
Innenansicht während der Instandsetzungsarbeiten der Villa Beer
Innenansicht während der Instandsetzungsarbeiten der Villa Beer ©Stephan Hugermehr anzeigen
Arbeiten am Fenstergitter
Restaurierungsarbeiten Villa Beer © Stephan Hugermehr anzeigen
Außenansicht Villa Beer
Außenansicht Villa Beer ©Stephan Hugermehr anzeigen
Verlegung im Sandbett
Verlegung im Sandbett © cp architekturmehr anzeigen
Tieflader mit Robinie der Villa Beer
Tieflader mit Robinie der Villa Beer ©Hugermehr anzeigen
Schadensbild unter dem Blech © CP Architektur
Schadensbild unter dem Blech © CP Architekturmehr anzeigen
Schadensbild beim Balkon der Villa Beer
Schadensbild beim Balkon der Villa Beer © cp Architekturmehr anzeigen
Interieur ©Villa Beer, Stephan Huger
Interieur ©Villa Beer, Stephan Hugermehr anzeigen
Interieur Villa Beer
Interieur ©Villa Beer, Stephan Hugermehr anzeigen
Interieur ©Villa Beer, Stephan Huger
Interieur ©Villa Beer, Stephan Hugermehr anzeigen
Außenansicht Villa Beer ©Hertha Hurnaus
Außenansicht Villa Beer ©Hertha Hurnausmehr anzeigen
Außenansicht Villa Beer
Außenansicht Villa Beer ©Hertha Hurnausmehr anzeigen
Innenansicht Villa Beer
Innenansicht Villa Beer ©Hertha Hurnausmehr anzeigen
Innenansicht Villa Beer
Innenansicht Villa Beer ©Hertha Hurnausmehr anzeigen
Parkettböden in der Villa Beer
Parkettböden in der Villa Beer ©Hertha Hurnausmehr anzeigen
Wendeltreppe in der Villa Beer
Wendeltreppe in der Villa Beer © Hertha Hurnausmehr anzeigen
Villa Beer Innen
Villa Beer © Hertha Hurnausmehr anzeigen
Handwerker restauriert Parkettboden
Parkett © Hugermehr anzeigen
Fassade der Villa Beer
Verputzte Fassade © Hugermehr anzeigen
Klinker
Die neuen Klinker © cp Architektur_Hugermehr anzeigen
Handwerker arbeitet am Boden
Boden und Kästen © Hugermehr anzeigen
Big Trees ©Beer_Hugermehr anzeigen
Arbeite an der Fassade der Villa Beer
Arbeit auf allen Ebenen © cp Architeklturmehr anzeigen
Outside Street View Photo Villa Beer_Julius Scherb 1930
Outside Street View ©Villa Beer_Julius Scherb 1930mehr anzeigen
Outside Street View Photo Villa Beer_Julius Scherb 1930
Outside Street View ©Villa Beer_Julius Scherb 1930mehr anzeigen
04 Outside Garden View Photo Villa Beer_Julius Scherb 1930
Outside Garden View ©Villa Beer_Julius Scherb 1930mehr anzeigen
Outside Garden View Photo Villa Beer_Julius Scherb 1930
Outside Garden View ©Villa Beer Julius Scherb 1930mehr anzeigen