Der stationäre Handel hat sich spürbar verändert. Geschäftslokale sind heute keine statischen Räume mehr, sondern dynamische Flächen, die sich laufend an neue Anforderungen anpassen müssen. Treiber dieser Entwicklung sind vor allem veränderte Kundenerwartungen und die zunehmende Verzahnung von Online- und Offline-Kanälen: Konsument:innen bewegen sich selbstverständlich zwischen digitalen und physischen Touchpoints und erwarten ein nahtloses, immer aktuelles Einkaufserlebnis. Gleichzeitig verkürzen sich Produkt- und Trendzyklen, insbesondere im Fashion- und Lifestyle-Bereich. Kollektionen wechseln schneller, Inszenierungen werden häufiger angepasst, und Stores müssen darauf reagieren können, ohne jedes Mal aufwendig umgebaut zu werden. Präsentationsflächen werden neu organisiert, Möblierungen verschoben und Laufzonen angepasst – oft im laufenden Betrieb und unter hohem Zeitdruck. Hinzu kommt: Dynamik ist nicht nur funktional, sondern auch strategisch gewollt. Regelmäßige Veränderungen im Store sorgen für Aufmerksamkeit, steigern die Aufenthaltsdauer und fördern Wiederbesuche. Gleichzeitig bleibt die Nutzung konstant hoch. Kundenfrequenz, Reinigung und tägliche Beanspruchung wirken direkt auf Wand- und Bodenflächen ein. „Im Retail gibt es kaum noch stabile Zustände – Flächen werden permanent neu gedacht und bespielt. Genau deshalb müssen Oberflächen heute deutlich mehr leisten als früher“, erklärt Maurizio Pontello, Mitgründer von Ideal Work, einem Unternehmen für fugenlose, dekorative Oberflächenlösungen mit knapp 30 Jahren Erfahrung.

Minimalismus erhöht den Druck auf Materialien
Viele Konzepte im Handel setzen aktuell auf warme, reduzierte Räume mit wenigen Materialien. Die Fläche tritt bewusst in den Hintergrund und lässt Produkte und Inszenierungen wirken. Diese gestalterische Zurückhaltung macht den Raum flexibler – zugleich aber auch anspruchsvoller. Denn wo wenig ist, fällt alles auf. „Wenn die Gestaltung reduziert ist, gibt es nichts, das Schwächen kaschiert“, erklärt Luca Seminati, Mitgründer von Ideal Work und führt aus: „Dann wird die Oberfläche selbst zum Qualitätsindikator.“ Abnutzung, Übergänge oder Materialbrüche werden somit unmittelbar sichtbar. So zeigt sich schnell, ob ein Material funktioniert oder nicht. Klassische Beläge wirken in solchen Konzepten oft unruhig: Fugen und Kanten treten stärker hervor und nutzen sich bei hoher Frequenz rasch ab. Fugenlose, mineralische Systeme hingegen umgehen genau diese Schwachstellen – sie schaffen durchgängige Flächen, wirken ruhiger im Gesamtbild und sind auf dauerhafte Belastung ausgelegt. Je nach Einsatzbereich kommen dabei unterschiedliche Lösungen zum Einsatz: von feineren, spachtelartigen Oberflächen bis hin zu bewusst rohen, fast brutalistisch wirkenden Bodenlösungen wie Architop®, die eine industrielle Ästhetik mit hoher Widerstandsfähigkeit verbinden. Systeme wie Solidro® hingegen sind stärker auf Robustheit und Alltagstauglichkeit ausgelegt – sie bieten eine besonders widerstandsfähige, homogene Oberfläche für stark frequentierte Bereiche, ohne dabei visuell dominant zu wirken.

Hybride Store-Konzepte verändern die Anforderungen an Flächen
Gleichzeitig verändert sich die Nutzung vieler Stores. Immer öfter verschmelzen Handel, Gastronomie und Aufenthaltsbereiche miteinander. Kunden kommen nicht nur zum Einkaufen, sondern bleiben länger – etwa durch integrierte Cafébereiche oder zusätzliche Angebote im Raum. Das hat direkte Auswirkungen auf die Flächen. Wo gegessen und getrunken wird, entstehen andere Belastungen: Feuchtigkeit, Schmutz, stärkere Nutzung. Gleichzeitig soll der Raum weiterhin hochwertig wirken. Unterschiedliche Nutzungen treffen aufeinander und erhöhen die Anforderungen an Wand und Boden deutlich. Dazu kommt, dass Stores flexibler gedacht werden. Flächen und Möblierungen lassen sich schneller verändern als früher. Anpassungen passieren öfter und in kürzeren Abständen – insbesondere im Fashionbereich. Während früher meist die vier klassischen Saisons pro Jahr den Takt vorgaben, arbeiten viele Marken heute mit deutlich mehr Mikrokollektionen und teils monatlichen oder wöchentlichen Veränderungen. Hintergrund ist vor allem die deutlich höhere Reaktionsgeschwindigkeit im Markt: Trends entstehen kurzfristig über soziale Medien und werden von Modeunternehmen zügig in neue Kollektionen übersetzt. „Im Retail zählt jede Woche – oft sogar jeder Tag. Lange Umbauphasen und geschlossene Geschäfte sind wirtschaftlich kaum mehr tragbar“, so Pontello.

Benetton Wien: Sanierung ohne Stillstand
Wie sich diese Anforderungen in der Praxis umsetzen lassen, zeigt der Benetton Store in Wien. Auf rund 1.200 Quadratmetern wurde der bestehende Boden nicht entfernt, sondern direkt überarbeitet. Die ursprünglichen Fliesen hatten sich im Alltag als problematisch erwiesen: Sie rissen, lösten sich und zeigten schnell Verschleiß. Statt eines kompletten Rückbaus wurde ein fugenloses System von Ideal Work direkt auf den vorhandenen Untergrund aufgebracht. „Die neue Oberfläche ist ruhig und lässt sich gut in das Store-Konzept integrieren“, berichten die Experten. Gleichzeitig verkürzte sich die Bauzeit deutlich. Gerade im Retail, wo jeder geschlossene Tag Umsatz kostet, ist das ein entscheidender Punkt.

Wände: Die unterschätzte Schwachstelle im Geschäftslokal
Während Böden auf Dauerhaftigkeit und strukturelle Belastbarkeit ausgelegt sind, übernehmen Wände im Retail eine andere Rolle: Sie sind die sichtbarste und zugleich wandelbarste Fläche im Raum. Hier werden Banner montiert, Markenbotschaften inszeniert und Sortimente laufend neu kontextualisiert. Genau darin liegt die Herausforderung. Kaum eine Fläche wird so häufig verändert und gleichzeitig so stark wahrgenommen. Jede Anpassung, jedes neue Visual und jede Befestigung greift direkt in das Erscheinungsbild ein. Über die Zeit hinterlassen diese Eingriffe bei klassischen Wänden sichtbare Spuren und der Store wirkt schnell weniger hochwertig. „Wände müssen im Retail zwei Dinge gleichzeitig leisten: Sie sollen sich ständig verändern lassen und dabei trotzdem dauerhaft ruhig und hochwertig wirken. Genau hier spielen durchgängige, fugenlose Oberflächen ihre Stärken aus, weil sie auch bei wiederholten Anpassungen ein konsistentes Gesamtbild ermöglichen“, so Pontello.

Der Store als Bühne – und die Oberfläche als konstante Grundlage
Der stationäre Handel muss heute etwas bieten, das online nicht kann. Während digitale Kanäle auf Schnelligkeit und Funktion setzen, lebt der physische Store vom Raum selbst. Atmosphäre, Materialität und unmittelbare Wahrnehmung werden zum eigentlichen Unterschied. „Das physische Geschäft funktioniert anders als der digitale Ort. Genau das muss auch die Gestaltung leisten“, sagt Seminati. Oberflächen spielen dabei häufig eine größere Rolle als gedacht. Sie geben dem Raum Struktur, schaffen Orientierung und beeinflussen, wie ein Store insgesamt wirkt. Gleichzeitig müssen sie so zurückhaltend sein, dass sich Inhalte jederzeit verändern können. Fugenlose Systeme bieten dafür eine stabile Grundlage. Sie wirken ruhig, halten Belastung stand und funktionieren auch dann, wenn sich der Store immer wieder neu erfindet. (bjr)