In Studenzen, idyllisch inmitten des steirischen Vulkanlandes gelegen, ist die Tischlerei mit eigenem Planungsbüro der Familie Steiner ansässig. Gegründet 1966 von Reinhard Steiner, 1983 von Reinhard Steiner (heute der Senior) übernommen, leiten die Brüder Reinhard und Christoph Steiner den Betrieb seit 2020 gemeinsam in dritter Generation. Tischlermeister Christoph Steiner ist der kreative Kopf, er verantwortet „alles rund um die EDV“, ist für Planung und Verkauf zuständig. Reinhard Steiner wiederum ist der Techniker und Maschinenspezialist, der über den „Umweg“ einer Ausbildung zum Kfz-Mechanikermeister in die Tischlerei einstieg. Vater Reinhard Steiner unterstützt nach wie vor mit seiner Expertise, ebenso wie Mutter Maria Steiner, die für die Buchhaltung verantwortlich zeichnet. Komplettiert wird das „Family Business“ durch Tischlerin und Planerin Bettina Steiner, der Ehefrau von Reinhard jun.. Mit den beiden Geschäftsführern zählt der Betrieb insgesamt 35 Mitarbeiter, davon aktuell vier Lehrlinge. Eine schöne Größe und ein Zeichen für das stetige Wachstum – startete doch Vater Reinhard Steiner bei seiner Übernahme mit nur drei Angestellten.

Innovatives Trio: Christoph Steiner, Reinhard Steiner & Bettina Steiner (v.l.): Sie leiten die Geschicke des Familienbetriebs in Studenzen in der Steiermark. © Tischlerei Steiner

Komplett individuell

Zu 98 Prozent setzt man Projekte für Privatkunden um, diese sind in der Steiermark, in Wien und Umgebung, aber auch im europäischen Ausland zuhause. Produziert wird vom Einzelmöbel über Küchen bis hin zur kompletten Einrichtungen ganzer Häuser alles – auf den Zukauf von Möbelkomponenten wird dabei zur Gänze verzichtet: „Wir haben ein stark besetztes eigenes Planungsbüro, zudem bauen wir von A bis Z alles selbst. Das heißt, wir kaufen weder Korpusse noch Schubladen zu. Diesen hohen Qualitätsanspruch an uns selbst wissen unsere Kunden sehr zu schätzen. Trotz wirtschaftlich herausfordernder Zeiten sind wir mit der Auftragslage zufrieden“, erzählt Reinhard Steiner. Eine komplette Individualfertigung ist auch durch den umfassenden Maschinenpark möglich: „Wir investieren laufend und verfügen über qualifizierte Mitarbeiter. Da wäre es unlogisch, Teile zuzukaufen, wenn wir diese doch selbst produzieren, damit die Maschinen entsprechend auslasten und die Wertschöpfung im Haus halten können.“

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© Tischlerei Steiner
© Tischlerei Steiner
© Tischlerei Steiner

Umfangreicher Maschinenpark

In der rund 3.000 Quadratmeter großen Werkstatt sind, um nur einige zu nennen, eine liegende Plattensäge, eine Kantenanleimmaschine, eine Furnierpresse, eine Vierblatt-Kreissäge und ein Vierseiten-Hobelautomat zu finden. Gerade „frisch eingezogen“ ist als Ergänzung zur bereits bestehenden CNC-Anlage für 3D-Bearbeitungen eine stehende CNC. Diese bedeutet einen weiteren Schritt hin zu mehr Effizienz, durch das automatische Bohren und Platzieren der Dübel. „Diese Arbeiten haben wir bisher noch händisch ausgeführt“, so Christoph Steiner, der einen weiteren Vorteil sieht: „Die neue Maschine hat zwei Klemmen zur Befestigung der Platten. So kann eine große Bandbreite an Materialdimensionen gespannt werden, das permanente Verstellen der Backen fällt weg.“

Modulare Konstruktion

Eine Individualfertigung für die Tischlerei Steiner ist in der Werkstatt auch zu finden: Die große Schleifmaschine des Schweizer Maschinenherstellers Kündig. „Diese Sondermaschine ist genau auf unsere Anforderungen abgestimmt und ersetzt zwei Breitbandschleifmaschinen, die wir davor im Einsatz hatten“, berichten die Geschäftsführer. Die 2023 angeschaffte Technic-5 1350-RE.EdBoH-LL konnte ohne Übergang sofort in den laufenden Betrieb eingegliedert werden, dank der einfachen Bedienbarkeit: „Die Steuerung ist selbsterklärend und wie ein Tablet aufgebaut. Selbst unsere Lehrlinge im ersten Jahr können sofort an der Maschine arbeiten.“

Die einfache und intuitive Bedienbarkeit ist ein weiterer Benefit der Schleifmaschine – und war ein wichtiges Entscheidungskriterium für den Kauf. © Haigermoser
© Haigermoser

Das Spezielle an der Sonderanfertigung sind die fünf aneinandergereihten Schleifaggregate, die Buchstabencodes weisen auf die Ausstattung hin: Walzenaggregat (R ), pneumatisches Schleifkissenaggregat mit Bandabblasung (E), Schleifkissenaggregat diagonal (elektrisch) mit Bandabblasung (Ed), oszillierendes Bürstaggregat (Bo) sowie ein Hochglanzaggregat. Diese Arbeitsschritte lassen sich sonst nur mit zwei Maschinen bewerkstelligen.

Zeit sparen, Qualität gewinnen

„Wir haben schon länger getüftelt, wie wir den Schleifprozess vom Vorschliff bis zum Feinschliff in einem Arbeitsdurchgang hinkriegen. Auf Empfehlung sind wir auf die Firma Kündig gestoßen. Nach dem Ausprobieren einer ähnlichen Schleifmaschine in einer anderen Tischlerei und ersten Gespräch mit Stefan Schöttli von Kündig war uns klar, dass wir zusammenfinden werden – und dass es sich tatsächlich ausgeht, alle unsere Anforderungen in eine Maschine zu packen“, berichtet Reinhard Steiner über die Entscheidungsfindung.

Neben der Zeitersparnis – in der Produktion ein teures Gut – spricht die gleichmäßige Bearbeitungsqualität für die Maschinen-Fusion. „Bei der Verwendung von zwei Maschinen kann es z. B. in Sachen Passgenauigkeit oder Oberflächenbeschaffenheit zu Problemen kommen. Diese schließen wir mit unserer Lösung von vorneherein aus, es kommt nie zu einem Durchschleifen und wir erzielen in allen Arbeitsschritten immer das gleiche Schleifbild. Das ist ein Riesenvorteil“, ergänzt Christoph Steiner.

Zwei Maschinen in einer vereint: Die für die Tischlerei Steiner realisierte Schleifmaschine Technic-5 von Kündig deckt eine hohe Bandbreite an Bearbeitungsaufgaben ab. Durch das patentierte Diagonalschleifverfahren „schleifen wir eine große Menge an Material unkompliziert und in gleichbleibend hoher Qualität“, sagt Reinhard Steiner. Weitere Kosten spart die integrierte Bandabblasung via Luftschwert. © Haigermoser
Zwei Maschinen in einer vereint: Die für die Tischlerei Steiner realisierte Schleifmaschine Technic-5 von Kündig deckt eine hohe Bandbreite an Bearbeitungsaufgaben ab. Durch das patentierte Diagonalschleifverfahren „schleifen wir eine große Menge an Material unkompliziert und in gleichbleibend hoher Qualität“, sagt Reinhard Steiner. Weitere Kosten spart die integrierte Bandabblasung via Luftschwert. © Haigermoser
© Haigermoser

Schnell & unkompliziert

Abgesehen von der Funktionalität zeigen sich die Brüder von der Kündig-Servicequalität begeistert: „Die Maschine hat vom ersten Tag an so funktioniert, wie wir uns das vorgestellt haben. Und wenn doch einmal Fragen oder kleine Störungen aufkommen, werden diese innerhalb kürzester Zeit beantwortet bzw. behoben.“

Dass man von Anfang an auf einer Wellenlänge gelegen ist, bestätigt auch Kündig Österreich Geschäftsführer Stefan Schöttli: „Die Zusammenarbeit mit der Firma Steiner ist für mich ein echtes Leuchtturmprojekt – auf der persönlichen wie auf der geschäftlichen Ebene. Die realisierte Technic-5 zählt hinsichtlich Aggregatsdimension und -vielfalt zu einer der größten Kündig-Maschinen in Österreich. Entsprechend breit ist das Anwendungsspektrum: Die Maschine deckt eine außergewöhnlich hohe Bandbreite an Bearbeitungsaufgaben ab.“

Langfristige Investition

Dass eine solche Sonderanfertigung nicht „im Billig-Segment“ angesiedelt ist, ist klar. „Aber für dieses Investment bekomme ich auch eine besondere Schleif-Qualität, die sich auf lange Sicht rechnet und vor allem die Antwort auf die drängende Zeitfrage liefert. Um gut und mit hohem Durchsatz zu schleifen, braucht es einfach eine hochwertige Maschine“, so Christoph Steiner. Geplant ist ein langer Einsatz – denn in der Schleiftechnik werde sich in den nächsten Jahren nichts ändern, führt der Tischlermeister weiter aus: „Die Technik beim Schleifen ist grundsätzlich immer gleich. Spricht man von Innovationen, geht es z. B. um die Ansteuerung und um das Abtasten von Materialien, damit Unebenheiten ausgeglichen werden.“

Patentierte Schrägstellung

Reinhard Steiner hebt eine weitere Besonderheit der Technic-5 hervor: den Diagonalschliff „Brilliant“ mit einem schwenkbaren Aggregat beispielsweise für den Lackschliff. Dieses patentierte Diagonalschleifverfahren verhindert störende Oszillationsspuren, indem die Schleifbänder bei Bedarf leicht schräg zum Vorschub rotieren, sodass sie nie an derselben Stelle ins Werkstück greifen. Dies sorgt für eine homogenere Oberfläche und verbessert die Schleifqualität. „Durch die 10 Grad-Schrägstellung, die es so nur bei Kündig gibt, schleifen wir eine große Menge an Material unkompliziert und in gleichbleibend hoher Qualität. Dieses System hatten wir bei der Anschaffung gar nicht am Schirm, es hat sich aber schnell als großer Vorteil herauskristallisiert“, sind sich Reinhard und Christoph Steiner einig.

Druckluft-Ersparnis

Ebenso nur bei Kündig zu finden ist die optional integrierte Bandabblasung, genannt ECS (kurz für Eco Cleaning System): Ein sogenanntes Luftschwert erzeugt einen kontinuierlichen Luftstrom, der Schleifband und Werkstück ohne Druckluft unmittelbar reinigt und über die gesamte Arbeitsbreite wirkt. „Druckluft in der Produktion ist ein großer – und zum Teil unterschätzter Kostenfaktor – vor allem bei großen Maschinen mit hohem Luftbedarf. Durch die hier integrierten Ventilatoren wird dieser Bedarf auf ein Minimum reduziert. Zudem ist die Standzeit der Bänder sicher um ein Drittel geringer als bei den alten Maschinen“, erklärt Reinhard Steiner. „Bei den Vorgängern hatten wir einen eigenen Kompressor mit einer Leistung von 18 kW im Dauereinsatz. Bei dem integrierten Gebläse reden wir von einer Leistung zwischen drei und vier kW. Das ist eine große Ersparnis“, fügt Christoph Steiner hinzu.

Ganzjährig die Sonne nützen

Neben der jüngsten Maschinen-Neuanschaffung baut man die Photovoltaik-Anlage weiter aus: „Wir haben zusätzlich zu den bereits 200 Paneelen auf dem Dach 50 stehende Paneele an der südostseitigen Hallenwand montiert. Diese bringen uns in den Jahreszeiten mit tiefstehender Sonne sogar mehr Strom als jene am Dach. Zusammen mit einem 250 kW Speicher, der seit Jänner in Betrieb ist, sind wir nun quasi energieautark“, berichtet Christoph Steiner. Vom Arbeitsbeginn um 6 Uhr morgens bis zum Sonnenaufgang erfolgt die Stromversorgung mittels der gespeicherten Energie, danach liefert die Anlage im Echtzeitbetrieb. Da es derzeit noch eine steirische Landesförderung gebe, überlege man, noch einen zweiten Speicher anzuschaffen – der Platz wäre vorhanden. Und dann, was steht als nächstes an? „Sparen“, lachen die Brüder – doch das „Aber“ lässt nicht lange auf sich warten. Wenn man nun schon selbst die Energie produziert, wäre ein Umstieg auf einen Elektro-Fuhrpark eine sinnvolle Sache. Und ein automatisches Plattenlager steht auch noch auf der To-do-Liste. „Wir machen alles Schritt für Schritt und überlegen jede Investition gut.“ www.steiner.or.at ■