Der Einstieg ist denkbar einfach. Der Nutzer bzw. die Nutzerin beschreibt im Chat den Betrieb, das Bauvorhaben und einige wesentliche Kalkulationsvorgaben. Ein Arbeitsauftrag könnte beispielsweise lauten: „Baumeister NN GmbH, Auftraggeber NN, Bauvorhaben Schulneubau XY, Baumeisterarbeiten. Erstelle K2- und K3-Blätter für einen Mittellohnpreis. Vorgaben AKV 17 %, Geschäftsgemeinkosten 18 %, angestrebter Mittellohnpreis 78 €/h. Ermittle die übrigen Ansätze plausibel. Erstelle zusätzlich ein K3-Regieblatt für Facharbeiter.“
Die Fach-KI ermittelt die maßgeblichen Kalkulationsgrundlagen, berücksichtigt den anzuwendenden Kollektivvertrag und entwickelt daraus eine Personalpreiskalkulation. In bisherigen Praxistests lagen die Ergebnisse innerhalb weniger Minuten vor. Ausgefüllte K2- und K3-Blätter stehen als Excel- und PDF-Dateien zum Download bereit, ergänzt durch Erläuterungen zu den Berechnungen und getroffenen Annahmen.
Anders als bei einem herkömmlichen Kalkulationsprogramm endet die Bearbeitung nicht mit der ersten Ausgabe. Im weiteren Gespräch können Annahmen hinterfragt, Vorgaben geändert oder zusätzliche Berechnungen verlangt werden. Die KI erläutert die Auswirkungen und passt die Kalkulation entsprechend an. Auch ein vorgegebener Zielpreis wird nicht ungeprüft übernommen, sondern auf seine betriebswirtschaftliche Plausibilität untersucht.
Bestehende Kalkulationen prüfen lassen
Eine zweite wesentliche Anwendung ist die Plausibilitätsprüfung. Dazu werden vorhandene K2- und K3-Blätter hochgeladen. Die KI untersucht Rechenzusammenhänge, kollektivvertragliche Grundlagen, Personalnebenkosten, Zuschläge und weitere Kalkulationsansätze auf Fehler, Widersprüche und betriebswirtschaftliche Auffälligkeiten.
Dabei kann zwischen zwei Perspektiven gewählt werden. Für Bieter zeigt die KI mögliche Schwachstellen und Verbesserungsmöglichkeiten auf. Sie weist auch darauf hin, welche Ansätze bei einer vertieften Angebotsprüfung Fragen des Auftraggebers auslösen könnten. Für Auftraggeber erstellt sie einen Prüfbefund und schlägt gegebenenfalls konkrete Fragen für ein Aufklärungsersuchen vor.
Die Prüfung kann über die Personalpreiskalkulation hinausgehen. So lassen sich auch K7-Blätter auf die richtige Übernahme der K2- und K3-Werte untersuchen und ausgepreiste Leistungsverzeichnisse auf betriebswirtschaftlich auffällige Einheitspreise prüfen.
Auch schwierige Nebenrechnungen
Ein weiterer Einsatzbereich ist die Ermittlung der umgelegten Personalnebenkosten (UPNK). Die KI kann einen UPNK-Satz berechnen oder zu einem bereits angesetzten Wert eine nachvollziehbare Nebenrechnung entwickeln. Gerade diese Herleitungen bereiten in der Kalkulationspraxis und bei der Aufklärung von Angebotspreisen häufig Schwierigkeiten.
Eine nachträglich erstellte Berechnung dient allerdings nur der Erklärung des angesetzten Werts. Sie darf nicht als ursprünglich vorhandene Kalkulationsgrundlage ausgegeben werden.
Fachwissen macht den Unterschied
Andreas Kropik hat die KI nicht bloß mit Fachliteratur versorgt. Er hat ihr auch die Systematik der ÖNORM B 2061, Berechnungsverfahren, fachliche Prüfregeln und betriebswirtschaftliche Bewertungsmaßstäbe nähergebracht. Erforderlichenfalls werden aktuelle Kollektivverträge und lohnabhängige Abgaben recherchiert.
Damit zeigt Kropik einen neuen Weg der Baukalkulation auf. Der/die Anwender*in muss nicht jeden Rechenschritt selbst vorgeben, sondern kann mit der KI wie mit einem fachlichen Assistenten kommunizieren. Das eröffnet insbesondere kleineren Betrieben neue Möglichkeiten, anspruchsvolle Kalkulationsaufgaben mit überschaubarem Aufwand zu bewältigen.
Kropik sieht den wesentlichen Nutzen nicht nur in der erheblichen Zeitersparnis, sondern auch in einer möglichen Qualitätssteigerung. Im oft hektischen Kalkulationsalltag bleibt für die sorgfältige Herleitung einzelner Ansätze und deren Plausibilitätsprüfung häufig wenig Zeit. Die Fach-KI kann hier entlasten, Rechenzusammenhänge systematisch aufbereiten und auf Fehler oder erklärungsbedürftige Ansätze aufmerksam machen. So können Kalkulationen entstehen, die nicht nur rascher erstellt, sondern auch besser nachvollziehbar und belastbarer sind.
Die fachliche Verantwortung bleibt dennoch beim Nutzer bzw. bei der Nutzerin. KI kann Fehler machen, unzutreffende Annahmen treffen oder Besonderheiten des Einzelfalls übersehen. Die Ergebnisse müssen daher vor ihrer Verwendung kontrolliert werden.
Kostenlos und unkompliziert ausprobieren
Die Fach-KI ist branchenübergreifend einsetzbar und kann mit einem ChatGPT-Konto bei OpenAI kostenlos genutzt werden. Bei umfangreicheren Aufgaben bestehen im kostenlosen ChatGPT-Plan Einschränkungen hinsichtlich Nutzung und Auswertungsumfang.
Den Zugang zur Anwendung sowie weiterführende Informationen stellt Andreas Kropik auf seiner Website zur Verfügung.
(bt)
