Aktuelle Dämmlösungen

Gefahrenpotenziale eindämmen

Dämmung
29.04.2022

Man kann es das Einmaleins oder das A und O des Dachdeckens nennen. Das Ziel ist immer dasselbe: Die Dachhaut muss dicht bleiben. Eine Hauptrolle dabei spielen die Art und die Verlegung der Dachdämmung. Moderne Dämmlösungen bieten Sicherheit.
Mit alukaschierter Aufsparrendämmung sowie Nut-und-Feder-Verbindung gegen Wärmebrücken: "Linitherm Loop" von Linzmeier.

In der Architektur gibt es eiserne Regeln. Die machen sich zwar theoretisch schön auf dem Plan, machen aber nur dann Sinn, wenn es in der Umsetzung keine Fehler gibt. Vor allem beim Dach, denn jeder, der damit zu tun hat, weiß, dass Gebäude und Wasser, Wind, Kälte und Wärme keine guten Freunde sind. Um die großen Herausforderungen, ein wirklich dichtes Dach zu bekommen, auch gut meistern zu können, braucht es viel Know-how und natürlich qualitativ hochwertige wie innovative Produkte. Aber, wie so oft, reicht es nicht, die Sache nur oberflächlich zu betrachten: Der Blick auf das, was darunterliegt, ist der entscheidende. So kann man gerade in Sachen Dämmung gut vorsorgen und Gefahrenpotenziale eindämmen, damit Schäden erst gar nicht entstehen.

Worauf es ankommt

"Eigentlich ist es schnell auf den Punkt gebracht: Es darf nicht rein regnen, es darf drinnen nicht nass werden. Die Hauptaufgabe des Daches ist der Schutz vor Nässe, aber auch vor Kälte", sagt Klaus Haberfellner von Austrotherm, der überzeugt ist, dass die Gefahren meist im Detail liegen. "Flachdächer werden mit Folien abgedichtet. Somit liegt der kritische Punkt bei der Qualität der Abdichtung. Bei der Verarbeitung beziehungsweise im Bauzustand kann es zu unbeabsichtigten Beschädigungen der heiklen Dachhaut kommen", gibt er zu bedenken und hat auch eine Antwort für die anstehenden Herausforderungen. "Bei der Anwendung von Umkehrdächern ist diese Gefahr de facto ausgeschlossen. Die XPS-Dämmung schützt einerseits die Abdichtung vor Beschädigung, andererseits das Gebäude auch vor Kälte und Hitze. Falls ein altes Warmdach thermisch saniert werden soll, kann das Plusdach-System verwendet werden. Hier wird bei intakter Abdichtung einfach der Kies abgeräumt und mit klimaschützender XPS-Dämmung aufgedoppelt." Wenn allerdings das Wasser schon da ist, dann muss es sicher abgeleitet werden.

Für Flachdächer, egal ob im Neubau oder in der Sanierung, bietet der Markt zahlreiche sichere Dämmlösungen.

"Eine ausgezeichnete Lösung für den Neubau ist ein Duodach. Das besteht aus mit einem Austrotherm EPS Plus Gefälledach sowie den schützenden Austrotherm XPS-Dämmplatten. Es gewährleistet durch ein sicheres Gefälle eine gute Ableitung des Regenwassers. Besonders bei komplizierten Dachformen mit vielen Abflüssen kann es schwierig sein, das Gefälle mittels Gefällebeton auszubilden. Die vorgefertigten Gefälledachelemente sind exakt geschnitten und das Wasser kann gut abgeleitet werden", weist Klaus Haberfellner auf die Optionen bei einer solchen Aufgabe hin.

Wie es gehen kann

"Die Herausforderungen beim Dach sind beispielsweise die Luftdichtheit und die Wärmebrücken. Wir bieten Lösungsmöglichkeiten mit unserer alukaschierten Aufsparrendämmung. Außerdem können durch unsere Nut- und Federverbindung Wärmebrücken vermieden werden", erklärt Alexander Aberle, Marketingleiter der Linzmeier Bauelemente GmbH. Das deutsche Unternehmen in der Nähe von Chemnitz bietet unter anderem passendes Zubehör, um Wärmebrücken zu überdämmen, zum Beispiel eine Sanierungsleiste und vieles mehr. Detaillösungen dazu findet man in der Verlegeanleitung, im Prospekt und im Wärmebrückenkatalog.
"Beim Unterdach beziehungsweise bei der zweiten wasserführenden Ebene bieten wir Sicherheit durch unser Polyurethan (PU)-Material, das nicht feuchteempfindlich ist und auch nicht verrottet. Die Herstellung des Unterdaches ist dabei durch die aufkaschierten Unterdachbahnen einfach, und man erhält zudem eine erhöhte Regensicherheit. Des Weiteren erfordern sehr hohe Dämmstoffdicken aufwändige Zuschnitte. Der große Vorteil mit Polyurethan ist, dass man durch die gute Wärmeleitstufe viel geringere Dämmstoffdicken erhält. Der Zuschnitt kann mit handelsüblichen Holzbearbeitungswerkzeugen erfolgen."
Auch bei der Fassade erweist sich Polyurethan als probates Mittel in Kombination mit einer hinterlüfteten Fassade oder im zweischaligen Mauerwerk. "Bei den Anforderungen an den Wärmeschutz bietet Polyurethan in der Funktion als Putzträger den Vorteil, dass es durch die geringere Dicke durch gute Wärmeleitstufe keine Probleme bei Zuschnitt, bei der Verarbeitung und bei Anschlüssen beispielsweise bei Fenstern, Fensterbänken usw. gibt. Auch in Sachen Brandschutz gibt es positive Erfahrungswerte: Polyurethan ist ein Duroplast, was bedeutet, dass es nicht schmilzt und im Brandfall auch nicht brennend abtropft. Dadurch ergeben sich auch viele Vorteile bei der Verarbeitung, weil das Material zum Beispiel nicht wegschmilzt."

Hochleistungsdämmstoff mit Gefälle: Die Verlegung von Bauder PIR-Produkten ist denkbar einfach.

Was es Neues gibt

Dem Wasser den Kampf angesagt hat auch Dachspezialist Bauder, der, um stehendes Wasser durch eine hochwertige Gefälledämmung zu vermeiden und gleichzeitig dem Zeitdruck auf der Baustelle gerecht zu werden, ein neues System entwickelt hat. Das alukaschierte "BauderPIR FA Gefälle" ist eine objekt- und auftragsbezogene Hochwertgefälledämmung aus Polyurethan-Hartschaum und in verschiedenen Dicken erhältlich. Es sorgt mit zweiprozentigem Gefälle für einen zuverlässigen Wasserabfluss zu den Dachabläufen und ermöglicht durch die geringe Wärmeleitstufe Lambda 0,022 W/(mK) niedrige Aufbauhöhen. Die dazu gehörigen patentrechtlich geschützten "BauderPIR KFS Kehlfüllstücke" beziehungsweise "BauderPIR GFS Gratfüllstücke" bringen eine signifikante Vereinfachung bei der Verlegung im Kehl- und Gratbereich. Das "BauderPIR FA Gefälle" mit reflexionsarmer Oberfläche inklusive Schnittraster sorgt mit einem bewährten, dimensionsstabilen Hochleistungsdämmstoff und hoher Druckfestigkeit nicht nur für eine optimale Dämmung und die präzise Entwässerung zu den Dachabläufen, sondern auch für eine einfache Verlegung und problemlose, platzsparende Lagerhaltung.
Austrotherm bietet schon seit einiger Zeit spezielle diffusionsoffene Umkehrdachvliese, die den Effekt des Hinterlaufens der – ohnehin wasserresistenten – XPS-Dämmplatten mit Regenwasser. Hier ist besonders wichtig, dass die Vlieseinheiten überlappend verlegt werden. Linzmeier setzt mit "Linitherm Loop" auf eine neue, nachhaltigere Lösung mit rund 60 Prozent Biomasse-Anteil, die wie alle "Linihterm"-Lösungen mit den bewährten und Möglichkeiten schnell und sicher verarbeitet werden können.

Schnell und sicher: Beim Steinbacher "Eco"- System ergeben Eck-, Randelemente und T-Stücke ein geschlossenes, kompaktes Verbundsystem zum Zusammenstecken.

Theorie wird Praxis

Mit seiner Beteiligung an der PolyStyreneLoop-Anlage in den Niederlanden hat der Tiroler Dämmstoffexperte Steinbacher in Zukunft investiert. Hier wird mit dem vom Fraunhofer Institut entwickelten "CreaSolv"-Recycling-Verfahren EPS up- und recycelt und schließt so die wichtigste Lücke der Dämmstoffproduktion in Hinblick auf Umweltschutz und Nachhaltigkeit. Nicht nur, dass EPS dank seiner spezifischen Eigenschaften ein zu 100 Prozent recycelbares Produkt ist und deshalb endlos im Kreislauf gehalten werden könnte, ist der intelligente Werkstoff wie Kunststoffe im Allgemeinen in der Verarbeitung äußerst energiearm. Es ist möglich, dass ein Vielfaches der Energie bei ihrer Herstellung durch die Weiterverwendung innerhalb eines Lebenszyklus eingespart wird. Durch die Anlage und das Verfahren, das selbst mit einem Einsparpotential an CO2-Emissionen bei 80 Prozent überzeugt, ist zum ersten Mal ein ganzheitlicher Recyclingkreislauf möglich.
"Hier ist auch die Politik gefragt. Um das Recyceln von EPS zu fördern, bräuchte es entsprechende gesetzliche Rahmenbedingungen. Das Deponieren oder Verbrennen von EPS-Abfällen, die wiederverwertet werden könnten, ist aktuell mit niedrigen Kosten verbunden und somit deutlich attraktiver als die aufwändige Trennung, Sammlung, Logistik und schließlich das Recycling", sagt Roland Hebbel, Geschäftsführer von Steinbacher. Durch Investitionsanreize seitens der Politik könnten zukunftsträchtige Bedingungen geschaffen werden, die die Recyclingquote erhöhen.

Die Produzenten versuchen das Handwerk auf verschiedenste Art und Weise bei der Arbeit zu unterstützen. Vor allem digitale Kanäle werden stark genutzt, weil sie unkompliziert und unmittelbar die meisten Fragen beantworten können.

Barbara Jahn

Lösungen suchen, Antworten finden

Die Produzenten versuchen das Handwerk auf verschiedenste Art und Weise bei der Arbeit zu unterstützen. Vor allem digitale Kanäle werden stark genutzt, weil sie unkompliziert und unmittelbar die meisten Fragen beantworten kann. "Wir bieten unseren Kunden fachlichen Support in Form von Webinaren, Schulungsvideos und Podcasts und natürlich auch analoge Beratung. Wenn trotz unseren umfangreichen Verlegehinweisen mit Detailanschlüssen, Wärmebrückenkatalog etc. noch Fragen offenbleiben, helfen unsere Ansprechpartner in der Anwendungstechnik gerne weiter", sagt Alexander Aberle von Linzmeier. "Zudem freuen wir uns, auch Fachseminare und Kompetenzforen veranstalten zu können. Selbstverständlich gibt es auch Möglichkeiten von Vor-Ort-Schulungen direkt beim Kunden."
Auch Austrotherm setzt auf digitale wie auch auf analoge Tools in der Kommunikation mit den Anwendungstechnikern, auch zu Themen die schon sehr speziell sind. "Auf austrotherm.at/xps-videos findet man neue Videos, welche das Verarbeiten von XPS-Dämmplatten im befahrbaren, bekiesten oder begrünten Umkehrdach zeigen. Zudem finden unsere Webinare für die Baubranche statt, wie etwa kürzlich zum Thema ,Entsorgung, Recycling und Kreislaufwirtschaft von EPS- und XPS-Dämmstoffen'", fasst Klaus Haberfellner zusammen und lässt abschließend noch wissen: "Seit kurzem gibt es den Austrotherm Recyclingservice. Hier werden XPS-Baustellenverschnitte ab fünf Kubikmetern kostenlos und klimaneutral österreichweit abgeholt und recycelt."
(bt)