Skulptur in Steingrau

Fassade
31.07.2013

Von: Redaktion Dach Wand

Die Möglichkeiten einer zugleich als Fassade funktionierenden Dachhaut sind eher begrenzt. Vor allem, wenn diese auch noch optisch überzeugen soll. Bei der aluminiumbekleideten Wohngalerie im deutschen Stuttgart ist das meisterhaft gelungen.

Dank der perfekten Zusammenarbeit zwischen Architektur und Handwerk ist bei dieser Wohngalerie im deutschen Stuttgart das Meisterstück einer zugleich als Fassade funktionierenden Dachhaut gelungen.

Ingo und Ludwig Leibinger kennen die Wünsche und Bedürfnisse ihrer Kollegen genau und zeigen mit dem Galeriehof, dass sich anspruchsvolle Architektur und leistbarer Wohnungsbau keineswegs ausschließen müssen. Dennoch stellte es für alle Beteiligten eine spannende Aufgabe dar, den Entwurf einer Skulptur mit höchsten Ansprüchen an modernes Wohnen nicht nur auszugestalten, sondern auch tatsächlich umzusetzen. Die Wohnungen sind u. a. mit Parkettböden und digitaler Vernetzung topmodern ausgestattet, ein Lift bringt die Bewohner direkt aus der Tiefgarage in die eigenen vier Wände.

Skulpturale Gebäudeform
Die Möglichkeiten einer gleichzeitig als Fassade funktionierenden Dachhaut sind eher begrenzt. Vor allem, wenn diese auch noch optisch überzeugen soll. Eine kleinformatige Schindel hat hier klare Vorteile. Durch die feingliedrige Deckung wirken Richtungswechsel und Kanten in der Gesamtheit homogen und gleichmäßig. Das Ganze ist nicht nur schön, sondern auch funktionell. Nach verschiedenen Bemusterungen vor Ort schaute sich Herr Leibinger sen. in Stuttgart die neu in steingrauer Schindel eingedeckte Waldorfschule an. Hier waren einige diffizile Ecken zu finden, und die neue Oberfläche in Steingrau P.10 überzeugte.

Die Ausführung als Warmdach ist das Steckenpferd von Detlef Lüers, technischer Leiter von Prefa in Köln: „Wenn keine korrekte Belüftung möglich ist, kann man auch darauf verzichten“, so der Dachdecker- und Spenglermeister. Alle Details wurden technisch beschrieben. Das A und O ist die korrekte Ausführung der Dampfsperre über alle vorhandenen Anschlüsse. Die Betonaußenwand ist mit Konstruktionsvollholz und mineralischer Dämmung unter einer Brettvollschalung voll ausgedämmt. Der Dachbereich ist in Massivholz ausgeführt. Über dem Sparren wird mit einer OSB-Platte plus Dampfsperre für die nötige Dampfdichtigkeit gesorgt. Der mineralische Dämmstoff, zwischen Holzkonterlatten verlegt, sorgt mit entsprechender Masse für gute Schall- und Hitzeeigenschaften, eine 24-Milliimeter-Brettschalung (mit hochwertiger Unterspannbahn versehen) für diffusionsoffene Bauphysik nach außen.

Die Prefa-Schindel konnte somit auch als Warmdach auf einer Dachneigung von 25 Grad verlegt werden. Aufgrund der Geometrie wurde auf die Hinterlüftung verzichtet, dies verlangte eine umso genauere Planung und Ausführung bei der Arbeit mit der kleinformatigen Deckung. Bei innenliegenden Rinnen, Graten, Schneefang etc. war der Kalkulator und Projektleiter der Firma Maurer nicht wirklich zu beneiden. Wie ist der Schneefang auszuführen? Werden Schneestopper oder Schneerechen eingesetzt? Wenn ja, wie oft? Bei welchem Dachbereich und bei welcher Neigung? Notentwässerung der Rinne nach vorn, mit oder ohne Heizung? Lars Herzog hatte das Problem, dass er die beschriebenen und kalkulierten Ausführungen allesamt erfüllen musste.

Intensive Beratung und Unter­stützung
Für das Gelingen von Objekten solchen Kalibers gibt es eine Grundvoraussetzung: Die Schnittstellen zwischen Architektur und Handwerk müssen optimal funktionieren. Bei der Projektierung des Galeriehauses in Tuttlingen waren die Prefa-Anwendungstechniker von Anfang an eng eingebunden. Um besonders praxisnahe Projektierungsergebnisse zu erreichen, entwickelte Detlef Lüers von der Prefa GmbH aus Köln gemeinsam mit den Planern zahlreiche Details zur Ausführung des Dachaufbaus. Darüber hinaus wurden auch diverse Regeldetails festgelegt, um anschließend eine entsprechende Beschreibung im Leistungsverzeichnis zu formulieren. Dank klarer Vorgaben waren die Risiken bei der Ausführung überschaubar, somit konnten die Arbeiten der Spezialisten des Fachbetriebs Maurer routiniert durchgeführt werden. Schließlich ist der Fachbetrieb mit der Verarbeitung von Aluminium bestens vertraut.

Unter der Leitung von Manfred Burgbacher wird in der Metallsparte der Maurer Metalltechnik GmbH & Co KG zu 50 Prozent mit Prefa-Aluminium gearbeitet. Manfred Burgbacher erinnert sich, dass 1978/79 das erste große Objekt mit „Falzonal“ (eine Doppelsporthalle) gedeckt wurde. Seit dieser Zeit wuchs das Unternehmen mit seinen Aufgaben und mit Aluminium. Auch Lars Herzog war von dem besonderen Reiz des Galerie-Hauses angetan. Souverän setzte der Techniker und Projektleiter von Maurer bereits in der Planungsphase die geforderten Vorgaben in die Praxis um. Schließlich optimierten die Aluminiumprofis alle Anschlüsse an Rinnen- und Übergangsdetails sowie an den zahlreichen Grat- und Dachversatzlinien.

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