METALL: Welche Ebenheits-, Kanten- und Fugen-Toleranzen wurden für die hochglanzpolierten Edelstahl-Schindeln definiert, um optische Verzerrungen im Spiegelbild zu vermeiden?

Heinz Mühl: Im Vorfeld wurde vereinbart, dass die Schindel-Fugen vom Beginn der Verlegung auf einer Seite der Untersicht bis zum Einbau der letzten Schindel auf der gegenüberliegenden Seite ohne Versatz durchlaufen müssen. Auf Grund der Gebäudegeometrie wurden Ebenheitstoleranzen nicht festgelegt, lediglich wurde die Schindelverlegung so verlangt, dass man vom Haupteingang ausgehend nicht in die etwas geöffnete Überlappungsfuge sehen kann. Eine Verzerrung des Spiegelbildes war ein gewollter Effekt und ist bei dieser Gebäudegeometrie nicht zu vermeiden.

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Welcher Edelstahl und welches Polierverfahren kamen zum Einsatz, besonders im Hinblick auf Korrosionsbeständigkeit im Außenbereich und Reflexionsqualität?

Es wurden Edelstahlbleche 4301 mit Oberfläche Supermirror verarbeitet.

Mit welcher Software haben die Werkplaner gearbeitet, um das Verlegeraster parametrisch bzw. geometrisch zu entwickeln und um trotz konvexer und konkaver Flächen ein durchgehendes Fugenbild ohne optische Versprünge sicherzustellen?

Ausgehend vom Architekturplan wurde ein Verlegeraster mittels IFC-Datei angelegt, daraus eine Schindelanzahl ungelocht und gelocht ermittelt. Für die Verlegung wurde eine Hauptachse definiert, von der ausgehend das Fugenbild einzuhalten war. Bei der konvexen und konkaven Fläche der Untersicht wurde bei der Montage durch Auseinanderziehen und Zusammenschieben der Einhängeschindeln durch Feingefühl des Montagepersonals das Fugenbild entsprechend erreicht.

Wie ist die Unterkonstruktion/Sekundärstruktur ausgeführt (Justierpunkte, Langlöcher, Feder-/Gleitpunkte), um Bautoleranzen aus Rohbau und Verformungen aufzunehmen?

Im Außenbereich wurden die Schindeln auf die der Kontur angeformte Holzschalung mittels verschraubter Liegehafte (Einhängehafte) mit 20 Millimeter Einhang und maximal 9,5 Millimeter Absatz montiert. Im Innenbereich wurde eine Akustikdämmung zwischen angeformten Holzlattungen und einer Trennbahn darüber angebracht. Darauf wurden die gelochten Schindeln auf den Lattungen mit den Liegehaften montiert.

Welche Befestigungsart wurde gewählt (verdeckt sichtbar, Clips, Schrauben, Klemmprofile)? Wie wurde die thermische Längenänderung der Edelstahlbleche konstruktiv berücksichtigt?

Verdeckte Befestigung mit Liegehaften (Einhängehaften). Dadurch ist eine thermische Längenänderung berücksichtigt.

Wie sah die Montagelogistik aus (Segmentierung, Vormontagegrade, Einbaureihenfolge/Etikettierung), um unter Überkopfbedingungen die geforderte Millimetergenauigkeit zu erreichen?

Die Schindeln wurden werkseitig vorgefertigt und in Holzverschlägen nach Bedarf angeliefert, alle Schindeln in gleicher Größe konfektioniert, notwendige Anpassungen und Zuschnitte vor Ort ausgeführt, außer den Lochbohrungen für Einbauten wie Leuchten, Lautsprecher, RAS usw. Diese wurden im Vorfeld abgestimmt, werkseitig vorgefertigt und beschriftet. Die Verlegung der Schindeln erfolgte mittels Startpunkt gegenüber des Hauptzuganges mit einer angelegten Hauptachse die durch das Gebäude führte. In Bezug auf diese erfolgte die Eindeckung nach links und rechts keilförmig in Richtung Haupteingang, um die Fugenteilung einhalten zu können.

Wie wurden Revisionsöffnungen, Anschlüsse und Einbauteile (z. B. Beleuchtung, Technik) in den Schindelraster integriert, ohne das visuelle Fugenbild zu stören?

Die Einbauten wurden zentriert auf je eine Schindel ausgerichtet, die größeren Revisionsöffnungen auf den Schindelraster angepasst. Die Ausschnitte in der Holz-UK und die Verkabelungen sind im Zuge der Schindelmontage auf die zentrierte Lage in der Schindel angepasst worden, um die entstehenden Toleranzen auf Grund der konkaven und konvexen Untersichtsgeometrie aufnehmen zu können.

Welche Lochbildparameter (Lochdurchmesser, Lochanteil, Raster) und welche dahinterliegende Dämmung wurden eingesetzt, um akustische Wirksamkeit zu erzielen, ohne die Spiegelwirkung signifikant zu beeinträchtigen?

Rundlochung Rd 2,5, 8 Prozent, Schindel 30×30 Zentimeter, Verlegeart Kreuzfuge. Gelochte Schindeln im Innenbereich des Gebäudes. Eingesetzte Wärmedämmung: Mineralwolle 30 Millimeter Schallschutzdämmung.

Warum hat die Ausführung statt der geplanten acht Wochen dann viereinhalb Monate gedauert?

Da es sich hier um ein Unikat bzw. Prototyp der Untersichtsverkleidung handelt, gab es keine Erfahrungswerte über die mögliche Dauer der Montage. Die geplanten acht Wochen waren eine Annahme mit mehr Personal. Die Montage der Schindeln konnte nicht an mehreren Stellen gleichzeitig von statten gehen da die Verlegung nur von einer Seite aus möglich war.

Wie digitalisiert und vernetzt waren die Projektabläufe?

Auf der Projekthomepage ISTA 2 Austria wurden alle Plan- und Projektunterlagen bis zur Dokumentation aller Gewerke erfasst und für alle Projektbeteiligten zugängig gemacht.

www.sauritschnig.at

Für die spektakuläre Untersicht des Visitor Centers wurden etwa 9.200 Edelstahlschindeln montiert. © Robert Oberbichler
Es wurden Edelstahlbleche 4301 mit Oberfläche Supermirror verarbeitet. © Robert Oberbichler
Eine Verzerrung des Spiegelbildes war ein gewollter Effekt und ist bei dieser Gebäudegeometrie nicht zu vermeiden. © Robert Oberbichler

[METALL 03/2026]