Die Kreislaufwirtschaft ist eines der Fokusthemen der AMB 2026, der internationalen Fachmesse für Metallbearbeitung, die vom 15. bis 19. September 2026 ihre Tore öffnet. In zehn Messehallen bietet die Fachmesse einen Überblick zu aktuellen Technologien und rückt Branchentrends wie Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Automatisierung ins praktische Blickfeld. Diese werden anhand konkreter Anwendungsbeispiele greifbar: Nachhaltigkeit steht im Kontext von Recycling und Kreislaufwirtschaft, bei der Digitalisierung fokussiert sich die Messe auf künstliche Intelligenz (KI) in der Fertigung und kollaborative Prozesse dienen als anschauliches Beispiel für moderne Automatisierung. Im Gespräch mit Markus Heseding, Geschäftsführer des VDMA Präzisionswerkzeuge, geht es um die Kreislaufwirtschaft, die Hartmetallversorgung sowie das Recycling von Werkzeugen.

Markus Heseding ist Geschäftsführer des VDMA Präzisionswerkzeuge. © Messe Stuttgart

METALL: Woran macht sich der Nachhaltigkeitsdiskurs 2026 fest, was sind die wichtigen Themen im Bereich Recycling?

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Heseding: Nachhaltigkeit ist inzwischen ein strategischer wirtschaftlicher Faktor. 2026 wird es darum gehen, ökologische Verantwortung, Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit zusammenzubringen. Für die Präzisionswerkzeuge-Industrie stehen dabei drei Themen klar im Mittelpunkt: das Recycling und die Rückführung von Werkzeugverpackungen, die Hartmetallversorgung der metallbearbeitenden Industrien und der Product Carbon Footprint als Grundlage transparenter und vergleichbarer CO₂ Daten.

Jedes Gramm Hartmetall, das in Europa bleibt ist ein Gewinn. Wie lässt sich Wolfram im europäischen Kreislauf halten?

Der Wettbewerb um Wolfram nimmt weltweit zu – insbesondere, weil auch andere Industrien wie die Verteidigungsindustrie ihren Bedarf deutlich ausweiten. Gleichzeitig verfügt Europa nur über sehr wenige Projekte zur Primärförderung von Wolfram, und die starke Abhängigkeit von chinesischen Lieferungen ist für uns riskant. Das führt heute spürbar zu erheblichen Kostensteigerungen, fehlender Preisstabilität, großer Versorgungsunsicherheit und keinerlei Planbarkeit. Das ist besonders kritisch, weil Hartmetallwerkzeuge in der metallbearbeitenden Industrie unverzichtbare Schlüsselkomponenten sind – in nahezu allen Bearbeitungsprozessen. Vor diesem Hintergrund gewinnt das Recycling weiter an Bedeutung. Das europäische Hartmetallrecycling ist seit Jahrzehnten eine ökologische und wirtschaftliche Erfolgsgeschichte. Europa braucht deshalb resiliente Versorgungskonzepte, die Kreislaufwirtschaft, technologische Innovation und faire Industriepartnerschaften miteinander verbinden. Genau deshalb ist es so entscheidend, Wolfram im europäischen Kreislauf zu halten. Hartmetallschrott ist ein strategischer Wertstoff – jedes Gramm, das in Europa bleibt, stärkt unsere industrielle Souveränität. Nötig sind stärkere Rücknahmesysteme, höhere Sammelquoten und einheitliche Qualitätsstandards im Recycling. Auch unsere Kundinnen und Kunden können wesentlich dazu beitragen, indem sie ihren Hartmetallschrott an europäische Partner verkaufen. Unser Motto: „Wer sich zum europäischen Kreislauf bekennt, bleibt werkzeugtechnisch resilient!“

Wie bringt man den Einsatz von Rezyklaten in der Metallbearbeitung voran?

Bei der Nutzung von Rezyklaten ist die technische Machbarkeit selten das Problem. Zum Beispiel arbeiten wir im VDMA-Arbeitskreis „Recycling von Werkzeugverpackungen“ mit Partnern entlang der Wertschöpfungskette an praxisfähigen Lösungen. Mit einem Feldversuch wurde erstmals eine funktionierende Rückführung und das Recycling gebrauchter Verpackungen zu Post-Consumer-Rezyklat umgesetzt, das erneut getestet und verarbeitet wird. So entsteht eine valide Datenbasis für einen geschlossenen Kreislauf. Heute gibt es bereits Vorreiter-Unternehmen, die Werkzeugverpackungen vollständig aus Rezyklat anbieten – einige Hersteller haben die Umstellung bereits vollzogen. Diese Lösungen werden auf der AMB 2026 anschaulich präsentiert. ■

Information

Dieses Interview entstand auf Basis von Unterlagen der Messe Stuttgart.