In der Hamburger HafenCity liegt Belle Harbour. Das Wohnprojekt verknüpft Architektur, Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung. Der filigrane Wohnturm mit seiner klar gegliederten Fassade, den vertikalen Einschnitten für Balkone und der markanten Krone mit Dachgarten setzt ein Statement für ressourcenschonendes Bauen und inklusives Wohnen. Belle Harbour bietet siebzehn Wohnungen, Gemeinschaftsflächen, großzügige Balkone und eine Dachterrasse, die für Familien und sehbehinderte Menschen konzipiert sind. Der Bau verdichtet das Konzept eines inklusiven, gemeinschaftlich gedachten Wohnens, wo Menschen mit und ohne Sehbehinderung zusammenleben, unterstützt durch barrierefreie Planung, spezielle Orientierungshilfen und ein ergänzendes Mobilitäts- und Lernangebot.

Konsequent zirkulär

Die Umsetzung der Vorgaben des Umweltzeichens der HafenCity Hamburg in fünf Kategorien, bei der die Recyclingfähigkeit und Umweltwirkung der Materialien betrachtet werden, bildet die Grundlage für das Projekt Belle Harbour. „Jedes Material wird bei uns im Lebenszyklus betrachtet – von der Herstellung bis zum möglichen Rückbau. Unser Ziel ist es, CO₂ zu reduzieren und Baustoffe so auszuwählen, dass sie sich später trennen und wiederverwenden lassen. Damit entsteht ein Haus, das Teil des Materialkreislaufs sein kann“, betont Stephanie Gamm, Gründerin und Projektleiterin von Belle Harbour.

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Die Geschichte der Fensterprofile

Ein spannender Aspekt der Entstehungsgeschichte von Belle Harbour betrifft die Fensterprofile. Die rund 500 Aluminiumprofile, aus denen die etwa 160 Fenster gefertigt wurden, hatten bereits ein erstes Leben – allerdings nicht als Bauelemente, sondern als Teil einer Kunstinstallation beim Hamburger Architektursommer 2023. Damals errichtete das Künstlerkollektiv „umschichten“ auf den Magellan-Terrassen in unmittelbarer Nähe zur Elbphilharmonie einen Pavillon aus Aluminium und Holz. Die normalerweise für Fenster vorgesehenen Profile wurden in eine raumgreifende Skulptur verbaut, die als Bühne, Treffpunkt und Denkraum diente. „Unsere Projekte, die sich mit Zirkularität beschäftigen, sind geprägt von einem behutsamen Umgang mit dem Material – aber immer unter der Prämisse, dass man sie auch wieder sortenrein dekonstruieren kann”, erklärt Künstler Lukasz Lendzinski die Botschaft der Installation.

Gebäude als Rohstofflager

Nach Ende des Architekturfestivals wurden die Aluminiumprofile sortenrein zurückgebaut, überprüft und neu beschichtet. Danach flossen sie in den Produktionsprozess zurück und wurden durch Geerds Metallbau zu Fensterrahmen weiterverarbeitet. Im Projekt Belle Harbour fanden sie ihren endgültigen Bestimmungsort. „Die Profile wurden wie Neumaterial verarbeitet“, berichtet Karl Geerds. „Weder in der Produktion noch bei der Montage haben wir Unterschiede gemerkt.“ Die zuvor von Schüco koordinierte Qualitätsprüfung und das Gutachten des Beschichters bestätigten, dass die wiedergewonnenen Profile uneingeschränkt verwendbar sind. „Das Projekt war für uns ein Pilotvorhaben“, ergänzt Geerds. „Es zeigt, dass Recycling im Aluminiumsektor technisch und ohne Qualitätsverlust möglich ist. Gebäude sind die Rohstofflager der Zukunft. Was wir hier verbauen, hat auch nach dem Ende der Lebenszeit des Gebäudes noch einen Wert“, betont Jochen Strellmann, Leiter des Projektgeschäfts in Hamburg. Durch moderne Trenn- und Sortierverfahren sind Aluminiumfenster nahezu vollständig recyclebar – bis zu 98 Prozent des Materials lassen sich in den Kreislauf zurückführen.

Der Wohnturm Belle Harbour setzt in mehrfacher Hinsicht markante Maßstäbe – architektonisch, gesellschaftlich und ökologisch. Die Geschichte der Aluminiumprofile – von der Kunstinstallation über den Rückbau bis zum Einbau als Fensterprofil – steht beispielhaft für einen neuen Umgang mit wertvollen Ressourcen. Getreu dem Motto „Umschichten“ von Material, Architektur und Stadt aus dem Hamburger Architektursommer wurde so aus einem temporären Kunstobjekt ein dauerhafter Baustein für nachhaltiges Wohnen. www.schueco.de / www.alukoenigstahl.at

Die im Architekturfestival eingesetzten Aluminiumprofile wurden nach dem sortenreinen Rückbau in den Produktionskreislauf zurückgeführt und fanden als Aluminiumfenster im Wohnprojekt Belle Harbour eine neue Nutzung. © Schüco/Stefan Brückner