Im Interview spricht Lukas Brohammer, wo die größten Zeitverluste und Fehlerquellen in der Planung entstehen, warum 2D bei komplexen Projekten nicht mehr ausreicht und welche Rolle stabile, durchgängige 3D Workflows für Planungssicherheit und Effizienz spielen. Er thematisiert technische Aspekte im Metallbau, organisatorische Herausforderungen sowie den Faktor Mensch.
METALL: Womit beschäftigen Sie sich in Ihrem Arbeitsalltag und welche Projekte begleiten Sie typischerweise?
Lukas Brohammer: Ich arbeite als CAD-Dienstleister hauptsächlich für Metallbaubetriebe. Mein Fokus liegt auf der Konstruktion und Planung unterschiedlicher Metallbauprojekte, die ich begleite. Angefangen bei der Entwurfsphase bis hin zur detaillierten Ausarbeitung für Fertigung und Montage. Dabei bin ich oft direkt in reale Abläufe eingebunden und erlebe aus erster Hand, wo Prozesse funktionieren und wo sie ins Stocken geraten.
Was sind aus Ihrer Sicht aktuell die größten Herausforderungen für Metallbaubetriebe?
Die größte Herausforderung ist gar nicht rein technisch zu verstehen, es ist ein generelles Kommunikations-, Informations- und Fokus-Chaos, das sich durch viele Betriebe zieht. Unterschiedliche Kommunikationskanäle, ständig neue Informationen und wechselnde Anforderungen führen dazu, dass Beteiligte die Übersicht verlieren und Projekte unnötig an Fahrt verlieren. Saubere Prozesse und echte Wertschätzung der Mitarbeiter*innen sind entscheidend, um den Menschen wieder den Rücken für ihre eigentliche Arbeit freizuhalten.
Wo entstehen die größten Zeitverluste oder Fehlerquellen, insbesondere in der Planung?
Ganz klar bei zahllosen Korrekturschleifen. Häufige Änderungen, von Architekten- oder Kundenseite, führen zu permanenten Anpassungen. Das lässt sich vorab nicht sauber und strukturiert in die Planung integrieren und die Projekte werden immer wieder unterbrochen. Das führt schnell zu Fehlern, Verzögerungen und unnötigem Mehraufwand.
Warum stoßen klassische 2D-Planungsansätze im Metallbau zunehmend an ihre Grenzen?
Bei größeren Projekten und komplexen Geometrien reicht 2D schlicht nicht mehr aus, um teure Kollisionen sicher zu vermeiden. Außerdem wird das Aufmaß heute oft mit 3D-Scannern durchgeführt. Es ist daher logisch, diese präzisen Raumdaten auch im CAD vollständig in 3D weiterzuverarbeiten. Alles andere würde bedeuten, wertvolle Informationen ungenutzt zu lassen.
Was ist aus Ihrer Sicht der größte Irrtum rund um 3D-CAD im Metallbau?
Dass der Umstieg von 2D auf 3D nur eine zusätzliche Dimension bedeutet und damit schnell erledigt ist. In Wahrheit erfordert die 3D-Planung von Anfang an ein Umdenken und der Erfolg hängt immer auch vom Können und der Bereitschaft der Anwender*innen ab.
Was sollte eine zeitgemäße 3D-CAD-Roadmap im Metallbau unbedingt beinhalten?
Die Anbindung und saubere Verarbeitung von Punktewolken, außerdem Automatisierungen, etwa bei Zeichnungsableitungen oder der Erstellung von Bauteilen und Baugruppen. Das spart Zeit, reduziert Fehler und sorgt für eine deutlich höhere Planungssicherheit. Zudem sollte stets der Bezug zur Praxis berücksichtigt werden. Für mich ist es einer der wichtigsten Punkte überhaupt. Und der endet nicht bei Funktionen selbst, sondern umfasst eine kontinuierliche Weiterentwicklung unter Berücksichtigung der realen Anforderungen der Anwender. Nur so bleibt eine gute 3D CAD-Software langfristig für Anwendende relevant.
Blick in die Zukunft: Wie wird sich der Metallbau in den kommenden Jahren entwickeln?
Automatisierung, Robotik und künstliche Intelligenz (KI) werden in Konstruktion und Fertigung weiter an Bedeutung gewinnen. Aber Technik allein reicht nicht aus, der Mensch wird wichtiger denn je: Gute Führung der Mitarbeiter*innen, klare Kommunikation und Wertschätzung entscheiden, welche Betriebe langfristig erfolgreich sind. Ebenso wichtig ist eine Fehlerkultur, in der Herausforderungen offen angesprochen und gemeinsam gelöst werden können. Gerade in einem anspruchsvollen Umfeld wie dem Metallbau kann sich das direkt auf die Bindung von Mitarbeiter*innen auswirken. Ein starkes Argument im Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte. (Quelle: Peggy Schilha, Revalize) revalizesoftware.com/de/