Heiß oder Kalt?

Mit der Erfindung der ersten Kaltselbstklebebahnen war es möglich, auch auf kritischen Untergründen oder in feuergefährdeten Bereichen hochwertige Bitumenbahnen gefahrenfrei und ohne den Einsatz von Brennern als Abdichtung einzubauen. Ing. Peter Balogh weiß, worauf bei der Verarbeitung zu achten ist.

23.09.2014
Abdichtung
Redaktion Dach Wand
© Bauder
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Bei der Kaltselbstklebetechnik werden die beeindruckenden Eigenschaften von Bitumenbahnen für die Dachabdichtung kombiniert mit nahezu flammenfreier Verarbeitung. Ein weiterer Hauptvorteil ist die deutlich kürzere Verarbeitungszeit. Um diese Eigenschaften zu erhalten, werden in der Produktion auf die Unterseite der Bitumenbahnen spezielle kaltselbstklebende Bitumenmassen aufgetragen. Die notwendige Klebrigkeit der Bitumenmasse wird im Wesentlichen durch die Modifikation mit speziellen Elastomeren (SBS) erreicht. Um ein Verkleben vor der Verarbeitung zu vermeiden, ist die selbstklebende Bahnenunterseite mit einer Silikonfolie abgedeckt, die bei der Verarbeitung einfach abgezogen werden kann. 
In den Produktnormen sind kaltselbstklebende ­Bitumenbahnen schon seit Jahren fester Bestandteil. Was bei dem Einsatz solcher Bitumenbahnen zu beachtet ist, wollen wir hier erörtern.

Geeignete Untergründe

Besonders bewährt hat sich die Verarbeitung von kaltselbstklebenden Bitumenbahnen auf Trapezblechen als Dampfsperre oder auf Wärmedämmungen aus PIR/EPS als erste Abdichtungslage. Aber auch auf Holz, wenn dazu die unterseitige Abziehfolie als Trennlage erhalten bleibt.

Bahneneigenschaften

Da die Bahnen nicht aufgeschweißt werden, kann die Bahnendicke reduziert werden. Daraus ergeben sich für die Verarbeitung einige Vorteile. So kann die Bahnenlänge, zum Beispiel bei einer nur zirka 0,4 Millimeter dicken Dampfsperrbahn, auf bis zu 60 Meter je Rolle erhöht werden. Daraus ergeben sich im Nahtbereich der Bahnen geringere Überlappungsdicken. Der nachfolgende Dämmstoff liegt vollflächiger auf und kann leichter und sicherer verklebt werden. Zudem entstehen weniger Kopfstöße. Das spart erheblich viel Arbeitszeit.
Die Breite vieler kaltselbstklebenden Dampfsperren ist auf die Breite der Trapezblechprofile abgestimmt. Die Nahtverklebung erfolgt so stets auf einer Hochsicke des Trapezblechs. Kaltselbstklebende Dampfsperrbahnen sind durchtrittsicher, lassen sich luftdicht verkleben und bleiben durch die Verklebung zum Untergrund auch bei Wind während der Bauphase sicher liegen.

Sicherheit im kritischen Naht­bereich

Die Flachdachabdichtung mit Kaltselbstklebebahnen spart viel Zeit und Verlegeaufwand. Ein Vorteil, der sich  bisher nur bei Außentemperaturen über +10 Grad Celsius und stabilen Witterungsverhältnissen nutzen ließ. Die innovative und von Bauder patentierte „Duo-Nahtverschlusstechnik“ macht diesen Einschränkungen ein Ende. Dieses Prinzip ermöglicht je nach Bedarf eine Heiß- oder Kaltverklebung der Längsnähte. Damit ist die Sicherheit bei Temperaturen von mindestens +5 Grad Celsius im kritischen Nahtbereich jederzeit gewährleistet.

Rot für „heiß“ und Blau für „kalt“

Zwei verschiedenfarbige Längsnähte sind das Kennzeichen der Duo-Kaltselbstklebebahnen. Mit dem blauen, kaltselbstklebenden Randstreifen kann die Naht immer dann geschlossen werden, wenn Temperatur und Witterung eine komplette Kaltverklebung der Bahnen im Zug-um-Zug-Verfahren erlauben. Bei niedrigen Temperaturen oder drohendem Wetterumschwung kommt der rote Randstreifen zum Einsatz. An seiner Unterseite befindet sich eine leicht aktivierbare Schweißnaht, mit der sich jederzeit ein sicherer Nahtverschluss herstellen lässt – zum Beispiel als Notabdichtung oder behelfsmäßige Abdichtung.
Die Duo-Nahtverschlusstechnik bietet dem Verarbeiter also zwei Verlegemöglichkeiten in einem System – und damit eine völlig neue Flexibilität. So ist es auf der Baustelle jederzeit möglich, zwischen kalter und heißer Nahtverklebung zu wählen. Ein Wechsel der Verlegerichtung genügt, und statt der blauen Kaltselbstklebenaht kommt die rote Schweißnaht auf der zuvor verlegten Bahn zu liegen – oder umgekehrt. Auf diese Weise lassen sich höchste Schnelligkeit und Sicherheit bei der Verlegung mühelos verbinden. 

Verarbeitung der Schichten 

Beispiel: ein nichtbelüftetes Flachdach mit Trapezblech-Unterkonstruktion:

  • Verlegung der Dampfsperrbahn.

Kunststoffbeschichtete Trapezbleche müssen in der Regel nicht mit einem Voranstrich versehen werden. Kaltselbstklebende Bitumenbahnen können direkt aufgeklebt werden. Dazu wird die erste kaltselbstklebende Dampfsperrbahn ausgerollt, ausgerichtet und bis zur Hälfte mit einem schweren Wickelkern wieder aufgerollt. Mit einem Messer mit scharfer und gerader Klinge (Tiefenanschlag benutzen) wird die unterseitige Abziehfolie eingeschnitten. (Bild 1) 
Die Folie wird – von der Mitte ausgehend – nach vorne oben unter kräftigem Ziehen in Verlegerichtung abgezogen. So wird gleichzeitig die Bahn ausgerollt und mit dem Untergrund verklebt. (Bild 2) 
An den Stößen werden die Ecken der überdeckenden Bahn unter einem Winkel von 45 Grad und mit schräger Klingeführung abgeschnitten. (Bild 3) 
Sollen die Längsnähte nur kalt verklebt werden, sind diese mit einer Andrückrolle und hohem Anpressdruck zu schließen. Bei Bauder-Duo-Bahnen ist der blaue Nahtstreifen sichtbar. (Bild 4) 
Soll eine behelfsmäßige Abdichtung hergestellt werden oder liegen die Außentemperaturen unter +10 Grad Celsius, müssen die Nähte verschweißt werden. Bei Duo-Bahnen ist jetzt die rote Naht von oben sichtbar. Bei dieser Bahn lässt sich der Nahtbereich nach der kalten Flächenverklebung wieder zurückklappen, um so mit dem Brenner oder Fön das Nahtbitumen aktivieren zu können. Den sicheren Nahtverschluss zeigt der Austritt einer sichtbaren Bitumenraupe. (Bild 5) 
Bei Verlegung der Bitumenbahn auf Trapezblech erfolgt die Verlegerichtung parallel zu den Obergurten. Die Längsnähte werden auf den Obergurten angeordnet. Die Kopfstöße sind mit einem geeigneten Blech zu unterlegen, wenn die Dampfsperre als Notabdichtung eingesetzt werden soll. (Bild 6)  
Um eine Sofortverklebung am Kopfstoß zu vermeiden, wird die rückseitige Abziehfolie zirka zehn Zentimeter vor Bahnende eingeschnitten und nicht abgezogen. Erst bei der Verklebung des Kopfstoßes mit Brenner oder Fön wird die Abdeckfolie abgezogen.
Um die notwenige Dampfsperrwirkung zu erreichen, sind kaltselbstklebende Dampfsperrbahnen mit einer Aluminiumfolie ausgestattet. Dadurch wird ein sd-Wert von ≥ 1.500 m erreicht.

  • Verlegung der Wärmedämmung.

Auf die glatte Oberfläche der Dampfsperrbahn kann die Wärmedämmung lose aufgelegt und mechanisch fixiert oder mit geeignetem PU-Kleber verklebt werden. Als Wärmedämmung eignen sich besonders großformatige PIR-Platten, die sich schnell verlegen und leicht mit dem Untergrund verkleben lassen. Die sehr gute Wärmedämmeigenschaft erlaubt dünne Dämmstoffdicken, kurze Befestiger und einfache Detailausbildung. 

  • Verlegung der ersten Abdichtungslage.

Auf dem Dämmstoff wird als erste Abdichtungslage eine kaltselbstklebende Bitumenbahn in gleicher Weise verlegt, wie schon bei der Dampfsperre beschrieben wurde. Auch hier gibt es ein Duo-System, mit variablem Nahtverschluss. Da die Bahnen jetzt vollflächig aufliegen, wird der Kopfstoß ohne Blechunterlegung ausgeführt.

  • Verlegung der Oberlagsbahn.

Auch Oberlagsbahnen können in der Fläche und im Längsnahtbereich kaltverklebt eingebaut werden, 
allerdings wird dabei die Längsnaht Masse in Masse verklebt. Es gibt aber auch Ausführungen mit Schweißnaht (SN). Die Verarbeitung erfolgt in gleicher Weise wie bei den Duo-Abdichtungsbahnen, dabei sind Längsnähte, Kopfstöße und Details mit Brenner oder Fön zu schließen. Selbstverständlich sind auch Schweißbahnen als Oberlagsbahn auf der kaltverklebten ersten Abdichtungslage sehr gut geeignet. Nach den geltenden Fachregeln ist bei Trapezblech-Unterkonstruktion stets eine Randfixierung der Abdichtung auszuführen. Bei der Windsogsicherheit sind die 
Angaben des jeweiligen Herstellers beziehungsweise der ÖNorm EN 1991-1-4 zu beachten. 

Fazit

Fast alle Bereiche ­eines Flachdachs sind ­heute mit kaltselbstklebenden Bitumenbahnen ohne ­offene Flamme ausführbar. Und das bei ­hoher ­Sicherheit, wenn für die Notabdichtung und bei den Oberlagen die ­Nähte mit einem Fön verschweißt werden. Der zweite wesentliche Vorteil ist die schnelle Ver­legung, die Zeit und ­Kosten spart. 

Expertentipp von Ing. Peter Balogh

Inhaber von Dachdeckerbetrieben sollten beim Einsatz von Kaltselbstklebebahnen ­daran denken, dass eventuell nicht jeder Mitarbeiter mit dieser Technologie vertraut ist und dass das Material nicht in gewohnter Weise mit dem Brenner verarbeitet wird. 
Bei richtiger Anwendung geht die Arbeit dann so schnell wie einfach: Bei den Kaltselbstklebebahnen wird die unterseitige Folie abgezogen, welche die kaltselbstklebende Bitumenmasse schützt. Dabei wird die Bahn in einem Arbeitsschritt direkt und dauerhaft auf dem Untergrund verklebt. Um die Qualität der Verlegung zu sichern, bieten Hersteller Lehrverlegungen und IFB-zertifizierte Schulungen für das Dachdeckerhandwerk an.

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