Spezialmuseum für Glas

Im April 2014 fand die lang erwartete Neueröffnung des Museums im deutschen Lauscha statt. Damit hat ein breites Publikum Zugang zur bedeutenden Sammlung von Glaserzeugnissen aus Lauscha und dem Thüringer Wald bekommen. 

24.03.2016
Museum
© Museum für Glaskunst Lauscha
© Museum für Glaskunst Lauscha
© Museum für Glaskunst Lauscha

Die moderne Präsentation hervorragender Erzeugnisse aus den Bereichen Hüttenglas, Lampenglas, Studioglas, Christbaumschmuck, Augenprothetik u. v. a. wird ergänzt durch die enorme Vielfalt des Schaudepots. In mehr als über hundert Jahren wurde in Lauscha eine große Sammlung historischer und moderner Gläser angelegt, die damit Tradition, Herkunft und Zukunft verbindet und dokumentiert. 

Der Beginn im Thüringer Wald

Um 1597 entstand in Lauscha eine Glashütte, die bald eine zentrale Rolle in Thüringen einnahm und sich – neben dem Gebrauchsglas – dem künstlerisch gestalteten Glas widmete. Der große Bogen der Kunststile vom Historismus über Jugendstil und Expressionismus bis zum Bauhausstil wurde auch von den Glasbläsern aufgegriffen und in innovative Formen und Dekore umgesetzt.

Einfluss aus Murano

Die feinsten und zartesten Faden- und Netzgläser entstanden in den muranesischen Hütten bei Venedig seit dem 16. Jahrhundert. Sie galten seither als typisch venezianisch. Zahlreiche Hütten in den Niederlanden, Deutschland, Österreich und England übernahmen die sogenannte Filigranglastechnik der Venezianer. Auch in Thüringen arbeiteten die Glashütten seit dem 17./18. Jahrhundert mit Fadenglas- und Netzglasdekoren.
Aber auch die Emailmalerei fand Eingang in die Glasproduktion. Adelige und auch bürgerliche Käufer erwarteten Bildthemen, die nicht nur ihrem Bedürfnis nach angemessener Repräsentation im Haus, sondern auch ihren individuellen, persönlichen und privaten Interessen entsprachen. In Thüringen, insbesondere in Lauscha, waren die engen künstlerischen und bald auch familiären Kontakte zu den Glasmalern im Fichtelgebirge von großem stilistischen Einfluss.

Schwerpunkt Christbaumschmuck

Jeder Sammler von altem Christbaumschmuck schätzt sich glücklich, Stücke aus Lauscha zu erwerben, die sich durch besondere Formenvielfalt, Farbenreichtum und Qualität  auszeichnen. Schon in der Mitte des 19. Jahrhunderts stellten Lauschaer Lampenglasbläser zuerst einfache Kugeln als Schmuck für den Weihnachtsbaum her. Als nach 1860 die Kugeln und Glasfiguren mit einer Silbersalzlösung verspiegelt werden konnten, gelangte die Christbaumschmuck-Herstellung in Lauscha und Umgebung zur Hochblüte. Mit der Produktion von hohlen Perlen – frei oder in Form geblasen – öffnete sich ein neuer Erwerbszweig bzw. eine zusätzliche Variationsvielfalt zum Christbaumschmuck.

Vor der Lampe

Die uralte Tradition von Glasblasen vor der Lampe fand in Lauscha in den 1950er- und 1960er-Jahren ihren 
Höhepunkt in der Gestaltung von Tierfiguren. Unter den bestens ausgebildeten Glasbläsern in Lauscha seien besonders Huber Koch, Albrecht Freiner-Mai, Günther Knye und Walter Schwarz genannt, die die Mitgliedschaft im Künstlerverband erlangten.

 

Autor: Helga Högl

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