Auf Herz und Nieren geprüft

Beim zweiten Bau-Lehrlingscasting ging man auch heuer wieder auf die Suche nach Nachwuchstalenten.

15.03.2016
Bundesinnung
Mag. Sonja Meßner
© Bauakademie Tirol

Die potenziellen Lehrlinge in Aktion.

© Bauakademie Wien

Wien: LIM Rainer Pawlick, Andreas Hauser (GF Bauakademie), Peter Scherer (BI Bau) und Rainer Hartlieb (GF LI Bau) mit den Top Ten.

© Bauakademie Niederösterreich

Niederösterreich: Lehrlingswart Werner Amon, Landesrätin Barbara Schwarz, Manuel Soffried, Lukas Atschreiter, Christoph Kirchner, Markus Hammerschmid, Maximilian Binder, LIM Robert Jägersberger und Obmann des Baumeisterverbands Erhart Watzinger.

Eine Win-win-Situation – so kann man das Bau-Lehrlingscasting getrost bezeichnen. Teilnehmern, die durch Geschick und Engagement glänzten, winkt nun eine Lehrstelle. Und die Bauunternehmer konnten sich vor Ort einen Eindruck vom Nachwuchs verschaffen – und sich gleich den einen oder anderen Lehrling sichern. Das Casting wurde in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal österreichweit an sieben Bauakademien veranstaltet.

Auch wenn die meisten knapp 450 Jugendlichen versuchten, cool und entspannt zu wirken, konnten ganz viele ihre Nervosität nicht verstecken. Immerhin könnte dieser Tag über ihre weitere berufliche Zukunft entscheiden. „Es ist ein schöner Beruf – ein anstrengender, aber auch ein schöner, der nie langweilig wird. Und es bieten sich zahlreiche Weiterbildungsmöglichkeiten“, warb Rainer Pawlick, Landesinnungsmeister Bau Wien, für eine Ausbildung in der Baubranche. Und auch die Bezahlung ist nicht zu verachten, auch wenn dies für die Jugendlichen im Vorfeld nicht den Ausschlag zur Teilnahme am Casting gab. Die wenigsten hatten eine Vorstellung von den Verdienstmöglichkeiten, sie freuten sich vielmehr über die Möglichkeit, mit den eigenen Händen etwas zu schaffen.

Lehrvertrag in der Tasche

Bei den Vorbereitungen setzten die Jugendlichen auf unterschiedlichste Strategien. Während manche im Vorfeld Youtube-Tutorials übers Kaminmauern konsultierten, konnten sich andere bereits zu Hause bei Vater oder Großvater ein paar Kniffe abschauen. Aber nicht nur das praktische Geschick spielte eine Rolle – auch die Kenntnisse und Fähigkeiten in Mathematik, Deutsch, Allgemeinwissen und Sport wurden von einer Fachjury genau unter die Lupe genommen. An der Bauakademie Wien verzichtete man allerdings auf die körperliche Ertüchtigung und lud stattdessen zum Speed­dating zwischen Bauunternehmern und Lehrlingen. Für Isabella Leeb, Geschäftsführerin der Baumeister Rudolf Denk GmbH, eine optimale Gelegenheit, die Jugendlichen kennenzu­lernen: „Man merkt bei den Fragen sofort, wer für die Sache brennt und wer die Antworten nur einstudiert hat. Mir ist wichtiger, die Jugendlichen zeigen Engagement – da treten auch die Schulnoten in den Hintergrund.“ Im vergangenen Jahr hatte sie sich bereits vor Ort den Sieger des Wiener Lehrlingscastings geschnappt, und auch heuer wurden von anwesenden Bauunternehmern – knapp 130 Unternehmer nutzen die Chance – fleißig Visitenkarten verteilt. Einige Teilnehmer gingen sogar mit einem unterschriebenen Lehrvertrag in der Tasche nach Hause.

Ausbilden lohnt sich

Aber der fehlende passende Nachwuchs ist nicht die einzige He­rausforderung. Es bilden auch immer weniger Unternehmen aus. Neben den Anreizen wie Sicherung des Unternehmenserfolgs und der Zukunft soll die Lehrlingsprämie, ausgeschüttet von den Bauverbänden, ein zusätzlicher Anreiz für die Betriebe sein, Lehrlinge einzustellen. Erst im vergangenen Jahr wurde die Lehrlingsprämie erhöht: Betriebe des Baugewerbes und der Bauindustrie erhalten pro Lehrling und pro Lehrjahr nun 1.650 Euro.

Zukunft sichern

Die Begeisterung für die Berufe im Baubereich war aber bei allen Teilnehmern spürbar, und das macht Mut für die Zukunft, wie auch Robert Jägersberger, Landesinnungsmeister Niederösterreich, betonte: „Nur mit den besten Fachkräften können wir unsere Position im Bausektor behaupten und die erfolgreiche Zukunft unserer Betriebe und deren Mitarbeiter gewährleisten.“ Einer dritten Auflage des Lehrlingscastings steht somit nichts im Weg.

Wer es diesmal nicht selbst zum Casting geschafft hat, kann sich von den Highlights im Videonachbericht auf www.bautv.or.at ein Bild machen.

Bau

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