Umfrage

Steirischer Holzbau 2020: Ein gutes Jahr

Die steirische Landesinnung Holzbau hat im November in Zusammenarbeit mit dem Institut für Wirtschafts- und Standortentwicklung der WKO Steiermark eine Befragung unter den steirischen Holzbaubetrieben durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen ein sehr positives Bild für den Holzbau im Jahr 2020.

16.12.2020
Holzbau
© Foto Zenz
Engagieren sich für den Holzbau in der Steiermark: Innungsmeister Oskar Beer, Innungsgeschäftsführer Bernd Haintz und Obmann Josef König (von links).

In der Steiermark sind derzeit 300 Betriebe im Holzbau tätig, mit 5.000 Mitarbeiter und aktuell 243 Lehrlingen. Die Ergebnisse der aktuellen Befragung, bei einer Rücklaufquote von 20 Prozent, zeigen ein sehr positives Bild für den Holzbau im abgelaufenen Jahr. 24 Prozent sehen das „Wirtschaftsklima im Holzbau“ als sehr gut an, 61 Prozent als gut. Daraus kann auch auf die Auftragslage der Betriebe geschlossen werden. Angemerkt sei, dass es keine (!) Rückmeldung mit Nicht Genügend oder Genügend gab.

Welche Krise? Es läuft gut im steirischen Holzbau

29 Prozent der Betriebe, die an der Umfrage teilgenommen haben, konnten gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres ihren Umsatz steigern, 45 Prozent verzeichnen den selben Umsatz. 25 Prozent haben ihre betrieblichen Investitionen gesteigert, 16 Prozent haben diese vermindert.

57 Prozent wären bereit, Lehrlinge weitere auszubilden

Die Zahl der Lehrlinge und Mitarbeiter wurde bei 14 Prozent der teilnehmenden Betriebe gesteigert: 68 Prozent (bei Mitarbeitern) bzw. 66 Prozent (bei Lehrlingen) hielten den Stand unverändert zu 2019. Limitierend wirkt hier definitiv der Arbeitsmarkt. 67 Prozent würden (noch) zusätzliche Mitarbeiter einstellen. 57 Prozent wären bereit, (zusätzliche) Lehrlinge auszubilden. Durchschnittlich würden pro Betrieb drei Mitarbeiter und zwei Lehrlinge zusätzlich aufgenommen werden können. Gesamt finden 5.000 Mitarbeiter im Holzbau Arbeit.

Holzbaubetriebe sind echte Nahversorger

Obmann Josef König, weist darauf hin, dass sowohl Mitarbeiter als auch Lehrlinge im lokalen Umfeld der Betriebe wohnen und spricht hier von einem Einzugsradius von rund 20 Kilometern. Somit sind die Betriebe „Nahversorger“ – sowohl in der Leistung als auch am Arbeitsmarkt. Das ist ein starkes Signal an junge Menschen im Zusammenhang mit ihrer Berufswahl. Auch in schwierigen Zeiten zeigt sich der Holzbau als zuverlässiger regionaler Arbeitgeber und Ausbilder.
Bemerkenswert ist, dass innerhalb eines Jahres die Lehrlingszahl der Zimmerer um 8,5 Prozent gestiegen ist – aktuell 243 – und dennoch gäbe es Bedarf. Diese Steigerung ist umso bemerkenswerter, als die Zahl der steirischen Lehranfänger in allen Branchen im November um exakt den selben Prozentsatz gesunken ist. Die Branche nimmt also ihre Verantwortung als Ausbilder wahr – gleichzeitig boomt der Beruf unter jungen Menschen.
Nach Einschätzung von Beer und König war Kurzarbeit nur zu Beginn der Corona-Krise im Frühjahr aufgrund der unsicheren Lage ein Thema. Relativ bald sind die Betriebe wieder in Vollzeitmodus gewechselt.

Holzbau beweist Krisenresistenz

Fast zwei Drittel (60 Prozent) der Betriebe mit gesteigertem Umsatz verzeichneten ein Plus von sechs bis zehn Prozent. Immerhin sieben Prozent der Rückmeldungen verwiesen auf ein Umsatzplus von 50 Prozent.
Fast ein Viertel (23 Prozent) der investitionsfreudigen Betriebe haben ihr diesbezügliches Volumen um mehr als 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr erhöht. 54 Prozent der Betriebe nehmen um 11 – 30 Prozent mehr Geld in die Hand, um sich auf die nächsten Jahre vorzubereiten.

Vertrauen in die Zukunft

Die Branche selbst vertraut stark in die Zukunft des steirischen Holzbaus. Der stärkste Rückhalt ist im privaten Kundenbereich zu finden. 71 Prozent der Betriebe sehen diesen umsatzmäßig auf Platz eins. Es folgen die gewerblichen Investoren und dann erst die öffentlichen.

Die Zukunft im Holzbau schreitet mit Riesenschritten voran.

Oskar Beer und Josef König

Auch – oder gerade – in schwierigen Zeiten sind Privatkunden bereit, ihre Wohnwünsche umzusetzen. Die SteirerInnen denken, so die Erkenntnis von LIM Beer, wesentlich mehr über den eigenen Wohnbereich nach. Holzterrassen etwa boomen, Wohnraumerweiterungen, etwa durch Zubauten, haben laut Beer an Stellenwert gewonnen. Einzelne Betriebe berichten sogar von einer Verdoppelung des privaten Einfamilienhausbaus. Die öffentliche Hand als Investor hat aber im Bereich des Holzbaus noch klaren Nachholbedarf.
„Die Zukunft im Holzbau schreitet mit Riesenschritten voran“, so König und Beer unisono. „Es wird zunehmend Richtung Vorfertigung und modulare Bauweise gehen“, meinen die beiden Branchenvertreter. Dabei ist es ihnen wichtig zu betonen, dass der Zimmerer als Holzbautechniker schon aufgrund seiner Ausbildung und der erforderlichen Fachkenntnisse nie zum reinen Monteur mutieren wird. Zu komplex werden die Schnittstellen im Hausbau zwischen den einzelnen Gewerken.
Von der Politik wird seitens der Branche erwartet, nun nicht unbotmäßig hier das wirtschaftliche Agieren zu erschweren. Zusätzliche Steuern oder die Diskussion darüber wie etwa die massive Nova-Erhöhung werden abgelehnt. Es bedürfe auch einer Erleichterung der Lehrlingsausbildung werden, etwa in Form eines Kostenausgleichs. Die öffentliche Hand ist noch zu zögerlich, als Bauherr in Sachen Holz zu agieren. Obwohl auch hier bereits eine Trendumkehr bemerkbar ist.

Personen

DI Oskar Beer ist Innungsmeister der Landesinnung Holzbau Steiermark und Unternehmer in Hartberg (Holzbau Hirschböck) mit 30 Mitarbeitern.

Ing. Josef König ist Holzbauunternehmer in St. Radegund, König & Gruber, mit 13 Mitarbeitern. Er ist Innungsmeister-Stellvertreter und Obmann des Marketingvereins „Besser mit Holz!“. Dieser Verein hat 1999 den steirischen Holzbaupreis ins Leben gerufen und veranstaltet ihn gemeinsam mit der Landesinnung.

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