Umwelt+Bauen

"Die Zeit rennt uns davon"

Die Nachhaltigkeitsinitiative Umwelt+Bauen stellte ein Programm zur Umsetzung des europäischen Aufbauplans „Next Generation EU“ in Österreich vor. Es geht um die Wohnhaussanierung, die Sanierung kommunaler Infrastruktur und die Sanierung öffentlicher Gebäude.

12.05.2021
Umwelt+Bauen
Redaktion Bauzeitung
12.05.2021
© GBH
Die Initiative Umwelt+Bauen legt ein neues Konjunkturprogram bis 2040 vor. Im Bild: Robert Schmid (FV Stein- und keramische Industrie), Josef Muchitsch (GBH) und Johannes Wahlmüller (Global 2000).

Die Baubranche boomt, allerorts herrschen Engpässen bei Baumaterialien - der Ruf nach einen Konjunkturprogramm wirkt auf den ersten Blick weit hergeholt. Dessen ist sich Robert Schmid, Obmann des Fachverbandes Steine+Keramik, durchaus bewusst. "Aber es kommen auch andere Zeiten und darauf muss man vorbereitet sein. Das Thema muss viel langfristiger angegangen werden."

Im Rahmen der Nachhaltigkeitsinitiative Umwelt+Bauen hat man deshalb ein Konjunkturprogramm bis 2040 ausgearbeitet, von dem die Bauwirtschaft, die Haushalte und Unternehmen, die Energieversorger und letztendlich die gesamte Bevölkerung profitieren soll. 

Mit dieser Initiative helfen wir nicht nur der Umwelt und stabilisieren den Wohnkostenanteil am Haushaltseinkommen, sondern können jährlich bis zu 100.000 Arbeitsplätze schaffen und sichern - 17.000 davon aus der Bauwirtschaft.

Josef Muchitsch, Bundesvorsitzender Gewerkschaft Bau-Holz

Kernbereiche des Konjunkturprogramms

Die Initiative ist auf drei Stufen aufgebaut und soll in Etappen bis 2040 umgesetzt werden. Dabei handelt es sich um notwendige und sinnvolle Investitionen in unsere Umwelt und somit Zukunft.

  • Sanierung der 60.000 öffentlichen Gebäude
  • Innovative Sanierung bis zum Haus (Infrastruktur)
  • Sanierung und Nachverdichtung am und im Haus (Wohngebäude

Leistbares Wohnen, Klimaschutz und Arbeitsplatzschaffung bzw. - sicherung sollen dabei im Fokus stehen.

Finanzierungsansätze

Bis 2040 müssten pro Jahr ca. 6 bis 7 Millionen dafür aufgebracht werden. Wo dieses Geld herkommen soll, haben sich die Experten von Umwelt+Bauen aber auch schon überlegt. Unter anderem denkbar seien: 

  • 1 Milliarde Euro pro Jahr aus dem Topf der Wohnbauförderungen (die laut Schmid immer weniger nachgefragt werden.
  • 1,5 Milliarden Euro aus den Wirtschaftsförderungsprogrammen der Europäischen Investitionsbank
  • 300 Millionen Euro pro Jahr aus dem EU-Aufbauplan
  • ca. 2,5 Milliarden Euro aus privaten Mitteln. Um hier Bewusstsein zu schaffen, müsse die Bedeutung von "klimafiten Gebäuden" jedoch besser vermittelt  werden. 

Bei Nichterreichung der Klimaziele drohen Österreich bereits jetzt Strafzahlungen von 9 Milliarden Euro. Dabei wurden inzwischen die Klimaziele seitens der EU weiter verschärft. Dieses Geld sollten lieber nutzen, um unseren Gebäudebestand klimafit zu machen.

Johannes Wahlmüller, Klima- und Energiesprecher bei Global 2000

Einheitliche Vorgehensweise gefordert

Damit das Konjunkturprogramm aber Fahrt aufnehmen, müssen Bund und Länder an einem Strang ziehen. "Eine wichtige Voraussetzung ist die Koordination einer einheitlichen Vorgehensweise. Aktuell mischen alle ein bisschen mit, das macht es schwierig", erklärt Robert Schmid. Der Wunsch von Seiten Umwelt+Bauen ist eine einheitliche Koordinationsstelle auf Bundesebene.

Gespräche über das Konjunkturprogramm gab es bereits mit den zuständigen Ministerien, wie Muchitsch berichtet. Diese seien aus "sehr konstruktiv gewesen". "Mit den Ländern zu verhandeln ist aber Aufgabe des Bundes. Wir stehen als Initiative Umwelt+Bauen aber jederzeit gerne mit Input zur Verfügung", so der GBH-Vorsitzende. 

Ideen und Ansätze zu einer Steigerung der Sanierungsquote und ähnlichen Konjunkturprogrammen gibt schon seit Jahren. Die guten Ideen scheiterten aber nicht selten an der Umsetzung in die Praxis. "Fakt ist aber, uns rennt die Zeit davon. Wir müssen jetzt aktiv werden", bekräftigt Muchitsch abschließend. 

Bau

Wir empfehlen folgende Artikel zum Weiterlesen

Mehr aus der Rubrik Interessensvertretungen