"Klare Worte"

„Ein Bürokratie-Monster geschafffen“

Robert Jägersberger
19.01.2026

Robert Jägersberger, Bundesinnungsmeister des Baugewerbes, findet im Interview „Klare Worte“ - vor allem zu einem neuen Bürokratie-Monster.

Robert Jägersberger über das abgelaufene Geschäftsjahr für das Baugewerbe:
2025 lag unter den Erwartungen, die wir ursprünglich gehabt haben. Der Abschwung, den wir 2022, 2023 und auch noch 2024 erlebt haben, hat sich zwar abgeschwächt – aber von einem Aufschwung konnte keine Rede sein. Stattdessen haben wir eine Seitwärtsbewegung gesehen. Während in den Vorjahren vor allem der großvolumige Wohnbau stark rückläufig war, kam 2025 auch noch der Tiefbau unter Druck. Gerade Gemeinden hatten durch budgetäre Engpässe kaum noch Spielraum für Investitionen. Beim Wohnbau gab es von einem sehr niedrigen Niveau aus eine minimale Belebung. Auch bei der Sanierung ist das Niveau niedrig geblieben. Im privaten Bereich sieht man eine leichte Belebung. Wir sind allerdings bei Weitem noch nicht da, wo wir vor einigen Jahren waren.

Bundesinnungsmeister Bau Robert Jägersberger.Copyright: Wilke - Das Fotostudio
Bundesinnungsmeister Bau Robert Jägersberger.
Copyright: Wilke – Das Fotostudio

Was er sich für das Jahr 2026 erwartet und wann er mit einer Trendwende am Bau rechnet:
Wir hoffen, dass es heuer nicht schlechter wird. 2027 sollte es dann wieder aufwärtsgehen. Das hängt natürlich von vielen Faktoren ab, die wir nicht beeinflussen können – geopolitische Entwicklungen, weltweite wirtschaftliche Trends. Aber irgendwann müssen Krisen auch ein Ende finden. Wenn man den Prognosen glaubt, könnte es 2027 einen leichten Aufschwung geben – das WIFO geht von einem Plus von 1 Prozent bei den realen Bauinvestitionen aus. Wichtig wäre, dass sich die Stimmung bessert, sowohl bei den Privaten als auch bei gewerblichen Investoren.

Advertorial

Was er sich von der Politik wünscht …
Planungssicherheit, konjunkturbelebende Maßnahmen und vor allem mehr Praxistauglichkeit. Was meine ich damit? Die Regierung hat Anfang Dezember einige gut gemeinte Vorschläge zum Bürokratie-Abbau gemacht. Dazu gehören etwa digitale Einreichungen oder die Einführung von One-Stop-Shops für Bauverfahren. Aber das sind bislang alles nur Ideen. Sie sind weder beschlossen noch umgesetzt. Wie schwer sich die Umsetzung in der Praxis gestalten wird, zeigt zum Beispiel, dass es allein in Niederösterreich  573 Gemeinden gibt, die auch die Baubehörde stellen. Im Gegensatz dazu hat die Regierung Ende des Jahres mit der Hitzeschutzverordnung Fakten und ein Bürokratie-Monster geschaffen. Das ist bereits Realität und konterkariert die eigenen Bemühungen um einen Bürokratieabbau.

… und was er von der neuen Hitzeschutzverordnung hält: 
Unsere Arbeiter sind das wichtigste Kapital und alleine schon aus Eigeninteresse setzt die Bauwirtschaft Schutzmaßnahmen um. Das muss uns Niemand erklären. Aber der Arbeitnehmerschutz ist bereits seit Jahren durch gesetzliche Regelungen abgedeckt. Die Hitzeschutzverordnung bringt da keinen Mehrwert – außer mehr Bürokratie.

Über ein Thema, das ihm hier besonders am Herzen liegt:
Ganz klar kürzere Verjährungsfristen für Schadenersatz: Fristen von 30 Jahren sind in einer Welt, in der sich die Bautechnik immer schneller entwickelt, aus der Zeit gefallen. Wir verarbeiten Materialien, wo die Produkthaftung zehn Jahre beträgt, müssen aber 30 Jahre für die von uns erbrachte Leistung haften. Das ist nicht praxistauglich. Das Thema betrifft auch Unternehmensnachfolgen – schlafende Risiken in den Büchern sind ein Hindernis bei Betriebsübergaben.

Und was die Politik sonst noch tun könnte, um die Bauwirtschaft zu unterstützen:
Uns würde es helfen, wenn die Maßnahmen im aktuellen Regierungsprogramm umgesetzt werden. Damit meine ich unter anderem die Wiedereinführung der Zweckbindung der Wohnbauförderung, die Schaffung neuer Finanzierungsinstrumente für Wohnbauinvestitionen und die Reduktion der Baukosten durch eine Durchforstung der Baustandards sowie eine Neubewertung der Verbindlichkeit von Normen und Regelwerken. Denkbar wäre auch eine gedeckelte Umsatzsteuer-Rückvergütung für die Schaffung des ersten Eigenheims. Solche Anreize lösen dringend benötigte Investitionen aus. Was jedenfalls nicht hilft, sind Maßnahmen wie die Mietpreisbremse, die die Investitionsbereitschaft hemmen und langfristig zu weniger Wohnraum führen – und damit zu höheren Preisen.