In Zeiten von Corona: Ausnahmen und Zustände

Seit heute ist vieles anders – auch in den Maler- und Tapeziererbetrieben. Einige schicken ihre Mitarbeiter auf Urlaub oder Zeitausgleich, in anderen Firmen geht man nach wie vor der Arbeit nach – sie muss ja gemacht werden, heißt es. Color hat sich – telefonisch – umgehört.

16.03.2020
Covid-19
© Pixabay / Wolfgang Eckert

Bei einigen Malereibetrieben bleiben die Pinsel vorübergehend trocken.

Der Malermeisterbetrieb Chamelion aus Kufstein in Tirol verkündet auf seiner Webseite: „Wir stehen Ihnen mit unseren Handwerksdienstleistungen nach wie vor gerne zur Verfügung! Lediglich unser Farbenshop bleibt ab Montag fürs erste geschlossen! Danke für Ihr Verständnis!“ Ein Symbol mit einem Daumen nach oben beschließt die Nachricht. Berufskollegen aus dem Kaunertal in Tirol halten es ähnlich: „Bei uns ist alles beim Alten, es bleibt uns nichts anderes über, wir müssen unsere Arbeiten durchführen. Wir werden sehen, wie es die nächsten Tage läuft“, äußert sich Malermeister Daniel Eckhart im Telefongespräch mit color.

Auf Minimalbetrieb

Einer, dessen Unternehmen auf „Minimalbetrieb“ läuft, ist Martin Widy. Der niederösterreichische Landesinnungsmeister und Inhaber eines Raumausstatter- und Tapeziererfachgeschäftes aus Korneuburg schildert gegenüber color: „Wir erledigen ab sofort keine Arbeiten mehr außer Haus. Heute sind alle Mitarbeiter zuhause, ab morgen werden nur ein oder zwei im Betrieb arbeiten. Die anderen nehmen sich zunächst Urlaub oder gehen bis Ende März auf Zeitausgleich. Am 1. April melden sie sich zur Kurzarbeit beim AMS an“, so Widy.

Viel Verständnis

Auch beim „freundlichen Maler“ in Linz sind die Mitarbeiter erst einmal auf Urlaub beziehungsweise Zeitausgleich. „Die Telefone sind bei uns übers Wochenende schon heiß gelaufen“, berichtet Elisabeth Freundlinger, Mitinhaberin des Unternehmens mit Standorten in Wiener Neudorf, Gmunden und Kremsmünster. „Wir machen derzeit nur Journalbetrieb, das muss fertig werden. Da die meisten unserer 20 MalerInnen alte Resturlaube haben, ist das derzeit kein Problem. Wir rufen Kunden an und verschieben Termine. Es ist viel Verständnis von allen Seiten da. Der Zusammenhalt ist großartig“, sagt Freundlinger und gibt sich positiv gestimmt. „Jetzt ‚turnen‘ wir uns einmal von Woche zu Woche“, setzt sie nach. Ein Lob gibt’s außerdem für die Bundesregierung. Die schrittweise Hinführung zu den neuen Regelungen in der Ausnahmesituation sei gut gelungen.

Temperaturmessungen und Schichtarbeit

Malermeister Hannes Herbsthofer teilte color mit, dass ab sofort täglich Temperaturmessungen bei den Arbeitern mittels eines Thermoscans durchgeführt werden. „Neue Anfragen und Aufträge werden zurzeit nicht bearbeitet, um auch hier Kontakt zu vermeiden. Da wir auf keinen Großbaustellen arbeiten und nur bei Privatkunden unterwegs sind, können wir den Kontakt zu den Kunden während der Arbeit minimieren oder gar ausschließen“, sagt Herbsthofer. Man treffe gemeinsam mit den Kunden Entscheidungen, nicht unbedingt notwendige Arbeiten vorerst zu verschieben. Einige Hotelbetriebe würden die Zeit der verordneten Schließung auch dazu nutzen, geplante Renovierungen vorzuverlegen. Gleichzeitig habe der Betrieb aber auch Stornierungen erhalten. Im Büro gäbe es derzeit Schichtbetrieb, damit im Falle einer Erkrankung nicht das gesamte Führungsteam ausfällt. Abschließend meint Herbsthofer: „Wir haben das Glück, dass unsere Auslastung für die nächsten zwei bis drei Monate reicht und wir können disponieren, wagen es aber nicht, neue Mitarbeiter einzustellen, da die Lage ja wirklich unsicher ist“. Herbsthofer bemerkt auch, dass die Bestellungen in seinem Online-Shop bereits zunehmen.

Ansuchen um Unterstützung

UNIEP-Präsident Helmut Schulz weist darauf hin, dass im Bereich der Baustellen bisher keine Einschränkungen gibt. „Die Betriebe versuchen, zu arbeiten, wenn es möglich ist. Es ist eine schwierige Situation, besonders für kleine Betriebe“. Um eine Unterstützung aus dem von der Regierung geschnürten (vorläufigen) Hilfsfonds in der Höhe von vier Milliarden Euro zu erhalten, müssen die Betriebe ein Ansuchen beim Finanzministerium stellen. Nähere Infos diesbezüglich gibt es unter 050 233 333 oder bmf.gv.at/corona.

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