Adlerschwingen im Chiemseehof

Internationale Kunst. Im Hof des Salzburger Regierungssitzes sorgt eine neue Skulptur des international angesehenen Künstlers Anselm Kiefer für Aufsehen.

23.04.2019
Metallbau
© Neumayr Leo

V.l. Wilfried Haslauer, Reinhold Würth und Künstler Anselm Kiefer vor der kürzlich enthüllten Skulptur „Die Sprache der Vögel“.

Es war die Idee von Landeshauptmann Wilfried Haslauer, einen neuen Blickpunkt im Chiemseehof zu schaffen. Die Skulptur „Die Sprache der Vögel“, ein knapp drei Meter hohes Flügelpaar aus Bronze, das einen Stapel Bücher bewacht, von Künstler Anselm Kiefer wurde nun im autofreien Hof des Regierungssitzes des Landes Salzburg enthüllt. „Dieses beeindruckende Werk mit seiner starken Symbolik, Intellektualität und Vielschichtigkeit schafft auch Querverbindungen zur Politik. Denn Demokratie braucht Bildung und Bildung eröffnet andere Perspektiven und Weitsicht. In diesem Sinne möge diese Skulptur auch die Salzburger Landespolitik weiter beflügeln“, sagt Haslauer.

„Ich denke vertikal. Ich sehe alle Schichten. Ich erzähle Geschichten, um zu zeigen, was hinter der Geschichte ist“, erklärt Kiefer, der sich mit seinem neuen Werk einem Phantom nähert, nämlich dem Alchimisten Fulcanelli, der in den 1920er Jahren in Frankreich gewirkt haben soll. Dieser erwähnt in seinen Schriften eine geheime Sprache der Vögel, die den Weg zur Enthüllung der letzten Wahrheit – der Erfahrung absoluter Erleuchtung – markiert. Mit seiner Bronzeskulptur für den Chiemseehof bezieht sich Kiefer auf eine Titelseite eines Fulcanelli-Traktats, auf der ein Rabe auf einem Totenschädel thront. Für Kiefer sind die Bücher ein Symbol des Wissens, der Überlieferung und der Weisheit. „Diese kann man nicht vollständig erlangen, sondern sich ihr nur nähern.“

Metallverstärkung notwendig

Die Skulptur überzeugt allerdings nicht nur durch ihre symbolische Aussagekraft, auch ihre technischen Daten – knapp drei Meter hoch, 1,80 Meter breit und mehrere tausend Kilogramm schwer – sind beeindruckend. Für den Transport von Berlin nach Salzburg war ein Spezialtransport notwendig. Ein Kran hat das Kunstwerk dort auf einen rund ein Meter hohen Konglomerat-Sockel vor dem neu renovierten Landtagstrakt gehievt. „Dieser wiegt rund 7.000 Kilogramm. Um die tonnenschweren Adlerschwingen samt Podest auch sicher aufzustellen, musste eigens ein Fundament mit Metallverstärkung betoniert werden“, schildert Josef Leitner vom Amtsraummanagement des Landes. Zur Verfügung gestellt wurde das Werk als Leihgabe von der Sammlung Würth. Für sein großes Engagement überreichte Landeshauptmann Haslauer Reinhold Würth das Ehrenzeichen des Landes Salzburg.

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