Baupraxis

Ganzglasduschen – Eleganz und Individualität

Ganzglasduschen
21.05.2022

Von: Redaktion Glas
Die Planung von individuell gefertigten Ganzglasduschen ist ein komplexes Thema mit vielen Chancen für Glasbautechniker*innen, aber auch mit manchen Risiken.
Individuell von Glaserbetrieben geplante und gefertigte Duschen bereiten Kund*innen langanhaltenden Nutzen und Freude. Für den/die Verarbeiter*in bergen sie manche Herausforderung. Im Trend liegen etwa Ganzglasduschen ohne Dichtungen.

Individuell gefertigte Ganzglasduschen sind seit über 15 Jahren ein wichtiger Umsatzanteil im Glaserhandwerk. Hier können Glaser*innen ihr Know-how und ihre Flexibilität gegenüber dem Sanitärmarkt ausspielen. Allerdings gibt es bei der Planung und Ausführung vielfältige Punkte zu beachten, um eine erfolgreiche Projektumsetzung zu gewährleisten bzw. um spätere Reklamationen und Schadensfälle zu vermeiden.

Einzuhaltende Normen

Bei Planung und Errichtung von Ganzglasduschen gelten folgende Regelwerke für eine Ausführung nach dem Stand der Technik:

  • In Österreich die ÖNorm B 3719 – Glas im Bauwesen "Ganzglasduschen" und die in dieser Norm gelisteten normativen Querverweise sowie die OIB-Richtlinie 4 und die jeweils gültige Landesbauordnung.
  • In Deutschland wird die individuell maßgefertigte Ganzglasdusche auf Basis der Technischen Richtlinie TR 24 "Ganzglasduschen" des Glaserhandwerks erstellt, zu beachten sind auch hier die normativen Querverweise. In Projektfällen ist abzuklären, welche Aspekte der DIN EN 14428 – "Duschabtrennungen" in den Ausschreibungs-Texten eingefordert werden. Weitere Normengrundlagen sind in der MBO/MVVTB und der jeweiligen Landesbauordnung definiert.

Da die Ganzglasdusche immer auch an der Schnittstelle zum Fliesenleger errichtet wird, dessen Gewerk durch Befestigungstechnik etc. wieder verletzt wird, sind bei der Errichtung auch die Anforderungen im Hinblick auf die Feuchtigkeitsbeanspruchung zu berücksichtigen:

  • In Österreich regelt die ÖNorm B 3407 "Beanspruchungsklassen" und die daraus resultierenden Abdichtungsanforderungen.
  • In Deutschland sind die Vorgaben der DIN 18531 – DIN 18535 zu berücksichtigen.

Analyse des Kundenwunsches

Meist haben Kund*innen schon gewisse Vorstellungen basierend auf Innenarchitektur-Zeitschriften, Internet-Recherche oder einer Beratung bei einem Marktteilnehmer.
Kund*innen wollen Dichtigkeit, Design und Funktionalität. Daraus ergeben sich im Kundengespräch folgende Fragen/Anforderungen für den ausführenden Betrieb:

  • Pendeltürflügel oder einseitig öffnender Türflügel
  • Hebe-/Senkbeschlag
  • Türöffnungsmöglichkeiten
  • Front oder über Eck
  • Was steht im Drehtürbereich im Weg?
  • Dachschräge, Fenster, Heizkörper, Toilette etc.
  • Durchgangsbreite in die Dusche
  • Groß genug für ein Schiebetürsystem bzw. wegen angrenzenden Ausstattungsgegenständen (WC, Waschbecken, Waschmaschine etc.) kein Platz für Türflügel und somit Schiebesystem notwendig?
  • Flächenbündigkeit

Bei der Hebe-Senkfunktion ist zu beachten:

  • Hub ca. 6 mm nach ca. 54°
  • Im Senkvorgang selbstschließend
  • Vermeintlich erhöhte Dichtigkeit im abgesenkten Zustand durch höheren Anpressdruck der Ballon-Dichtung unten
  • Achtung: Untere Dichtung neigt wegen dem offenen Hohlraum im Profilquerschnitt zu besonders schneller Verschmutzung und Schimmelbildung

Analyse der vorgefundenen Einbausituation

Wichtig ist zuerst die richtige Beurteilung der vorgefundenen räumlichen Nutzung und Einbausituation, um daraus die richtigen Entscheidungen für die Beratung hinsichtlich Gestaltung, System-/Bandauswahl, Griffvarianten, Verbau mit oder ohne Dichtung etc. zu treffen.

Typisches Beispiel: Der Glaserbetrieb wird erst involviert, wenn viele Rahmenbedingungen und Gestaltungsoptionen durch den Sanitärbetrieb schon definiert wurden.

In den meisten Fällen findet der/die Glaser*in eine Fliesen- und Wannensituation vor, bei der die Duschtasse bzw. der geflieste Boden, die Rückwand etc. schon fertig gestellt sind, somit ist der Gestaltungsspielraum bereits deutlich eingeschränkter. Hier empfiehlt sich eine proaktive Zusammenarbeit mit regionalen Sanitärbetrieben bzw. Fliesenlegern, um sich schon in der Badplanungsphase abzustimmen.

Die bauliche Situation ist somit hinsichtlich folgender Punkte zu prüfen:

  • Duschtassentiefe/-breite (entscheidend für die Bandauswahl)
  • Wassereinfallswinkel
  • Zu erwartende Wassermenge
  • Wände lotrecht und im Winkel
  • Bodenbeschaffenheit: z. B. Gefällerichtung, Duschtasse ausreichend fest montiert
  • Raumsituation: Dachschräge, Fenster, Heizkörper, Waschbecken, Toilettenanordnung etc.
  • Beschaffenheit der Wand im Hinblick auf richtige Befestigungstechnik (Wandaufbau)
  • Boden-Ablauf: Passt der Ablaufdurchmesser zu der erwartenden Wassermenge aus der Brause?
  • Badeingang: Öffnungsbereich der Badtüre

Folglich können diese Faktoren bereits die Auswahl die Duschtürsysteme deutlich einschränken.

Bei Duschtassen von 80 x 80 cm ist nur eine Lösung mit Anschlagbändern und durchgehenden Dichtungen sinnvoll.

Was ist in Folge aus der Analyse der baulichen Situation mit dem/der Kund*in zu klären bzw. worüber ist der/die Kund*in zu informieren:

  • Beschlags- und Zubehörauswahl
  • Winkeligkeit der Wände und der Bodensituation
  • Positionierung der Beschläge und Wandbefestigung
  • Wanneneinrückmaß, unter Berücksichtigung der unteren Abdichtung
  • Türflügelbreite und Einstiegsöffnung
  • Fluchtweg bzw. Bergung von verunglückten Personen aus der Dusche
  • Kabinenhöhe, Duschtassenhöhe, Griffhöhe passend zu den Nutzern
  • Aussteifung der Ganzglasdusche für ausreichende Resttragfähigkeit und sichere Funktion der Beschläge
  • ÖNorm B 3719 / LBO / TR24 / MBO / DIN EN 14428
  • Glasart und Beschichtungen
  • Platzbedarf in und außerhalb der Dusche
  • Zubehör: behindertengerecht/barrierefrei/altersgerecht
  • Belüftung und Reinigung
Kapillarwirkung durch untere Ballondichtung: Beim Öffnen der Türe wird das Wasser nach außen gezogen, somit entsteht eine Wasserlache.
Wegen der Hebe-/Senk-Funktion ist bei derartigen Bändern erst bei ca. 54 Grad zu prüfen, ob eine vor der Dusche liegende Matte weggeschoben wird. Dies kann durch eine leicht erhöhte Duschtasse vermieden werden.
Wichtig: Ist ein nicht ausreichendes Gefälle nach innen vorhanden, bzw. wird die Türe nicht ausreichend tief in das Gefälle positioniert, besteht die Gefahr, dass das Wasser schon beim Duschen über die Fliesenfuge nach außen transportiert wird.

Fazit: Sorgfältige Planung schafft lange Freude

Bei sorgfältiger Planung und Beratung können individuell gefertigte Ganzglas-Duschen den Kund*innen langanhaltenden Nutzen und Freude bereiten, insbesondere dann, wenn eine enge, frühzeitige Abstimmung mit den anderen Gewerken der Badplanung und Gestaltung erfolgt.
Dies bedingt aber viel Erfahrung und sorgfältige Arbeitsweise. Um sich dieses Know-how anzueignen, empfiehlt sich der Besuch von Lehrgängen und Schulungen, die über die Innung oder in Kooperation zwischen Beschlagshersteller und Beschlagshändler oder dem Hersteller direkt angeboten werden. Pauli + Sohn GmbH bietet etwa intensive, teilweise mehrtägige Schulungen für Kunden*innen an, in denen umfangreiches Wissen vermittelt wird, um Fehler bei der Planung und Errichtung von maßgefertigten Ganzglasduschen zu vermeiden.
(bt)

Autoren: Manfred Schneider, Thomas Hausser

Branchen
Glas