In dieser dreiteiligen Serie „KI im Workflow der Tischlerei“ geht es im ersten Teil um die Basics der Künstlichen Intelligenz (KI) und wie man den Einstieg schafft. Im zweiten und dritten Teil (Tischler Journal 10 und 11/2026) werden wir einige KI-Tools vorstellen und anhand von konkreten Beispielen die Einsatzmöglichkeiten im täglichen Tischlerbetrieb präsentieren – vom Entwurf, Planung, Kalkulation, Fertigung bis zum Controlling und Marketing.

Wie der KI-Einstieg gelingt

Die Digitalisierung und der Einsatz von Künstlicher Intelligenz sind im Tischlerhandwerk keine Zukunftsmusik mehr, sondern Realität. KI als digitaler Assistent kann und soll das handwerkliche Geschick und das Fachwissen der Tischler*innen keineswegs ersetzen. KI dient vielmehr als verstärkendes Werkzeug, praktisch als „digitaler Geselle“, der Routineaufgaben abnimmt, administrative Lasten reduziert und Raum für das eigentliche Handwerk schafft.

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Die KI dient als verstärkendes Werkzeug, praktisch als „digitaler Geselle“, der Routineaufgaben abnimmt. © KI / Gemini-Generated
KI-Experte Christian Hintersteiner empfiehlt: "Klare Ziele definieren, klein anfangen und Prozesse schrittweise optimieren.“ © Wifi OÖ

Da die KI-Tools auf der Basis von Befehlen („Prompts“) arbeiten, ist eine gelernte Tischlerfachkraft unbedingt notwendig, welche die betrieblichen Prozesse versteht und der KI genaue Anweisungen geben kann. „Ohne Tischler geht es nicht, da kann die KI dann nicht effektiv arbeiten“, sagt Christian Hintersteiner, KI-Experte im Handwerk. Skepsis und Berührungsängste vor dieser Technologie braucht also niemand zu haben. Hintersteiner: „Ich empfehle, klare Ziele zu definieren, klein anzufangen und Prozesse schrittweise zu optimieren.“

Der rechtlich sichere Rahmen

„Beim betrieblichen Einstieg müssen wichtige datenschutzrechtliche und organisatorische Vorgaben beachtet werden“, sagt Hintersteiner. So sei ein Business-Account Pflicht: „Sobald Kundendaten im Spiel sind – Anfragen, Grundrisse, Kalkulationen, Verträge –, braucht der Betrieb einen Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV) mit dem Anbieter. Den gibt es nur zu Geschäftskonten, nicht zu privaten Zugängen – auch nicht zum kostenpflichtigen ChatGPT Plus. Ohne diesen Vertrag ist die Verarbeitung von Kundendaten nach der DSGVO nicht zulässig. Bei kostenpflichtigen Business-Accounts, wie etwa ChatGPT Business/Enterprise oder Microsoft 365 Copilot, wird dem Tischlerbetrieb vertraglich zugesichert, dass seine Daten nicht zum Training verwendet werden.“ Der AVV ist meist per Klick abgeschlossen – damit ist der rechtliche Rahmen gesetzt, nicht die ganze Arbeit erledigt.

Strategische Einführung mit Guidelines

Ein strukturiertes Vorgehen verhindert Überforderung und Fehltritte im Betrieb: schrittweise wachsen, nicht alles auf einmal umstellen oder Accounts bei mehreren Anbietern gleichzeitig anlegen. Und mit klar abgegrenzten Pilotprojekten starten an Stellen, wo hohe Routinezeiten anfallen.

Es empfiehlt sich, eine Person im Betrieb zu nominieren (idealerweise mit KI-Führerschein), die als Administrator die Verantwortung übernimmt und die „Spielregeln“ definiert. Um eventuelle Befürchtungen im Team abzubauen, sollen alle Mitarbeiter*innen eingebunden und geschult werden – insbesondere im Prompt-Engineering, also im präzisen Formulieren von KI-Anweisungen.

Der EU AI Act (KI-Verordnung) als das weltweit erste umfassende Gesetz zur Regulierung von Künstlicher Intelligenz, verlangt von Betrieben, die KI einsetzen, ohnehin Maßnahmen, welche die KI-Kompetenz der Mitarbeiter*innen fördern. Danach erstellt man interne KI-Guidelines, also klare Vorgaben, was erlaubt ist und was nicht. Hintersteiner: „Dazu bietet die Wirtschaftskammer sehr gute Hilfestellungen und Muster-Guidelines an. Und bei aller Euphorie eines gleich vorweg: Die menschliche Endkontrolle wird noch lange notwendig sein, denn auch die KI kann Fehler erzeugen. Also muss jeder Output vor der Weiterverarbeitung oder dem Kundenkontakt von einer Fachkraft geprüft werden.“

KI-Einsatz entlang des Workflows

KI lässt sich in praktisch allen Phasen eines Tischlereibetriebs einsetzen:

  • Entwurf und Design: Mit generativer Bild-KI können bereits im Erstgespräch mit Interessenten aus einfachen Textbefehlen Raumkonzepte erstellt werden. So entstehen fotorealistische Renderings aus Handskizzen oder einfachen 3D-CAD-Zeichnungen innerhalb von wenigen Minuten, um Material-, Licht- und Oberflächenwirkungen direkt zu veranschaulichen. „Das kann die Auftragserteilung seitens des Kunden deutlich beschleunigen“, sagt Hintersteiner. Wichtig sei dabei, das klar zu sagen und im Angebot festzuhalten: Ein Rendering ist ein Stimmungsbild, keine Fertigungsvorlage.
  • Arbeitsvorbereitung (AV): KI-Systeme lesen Skizzen, Leistungsverzeichnisse oder Anfragen ein und bereiten diese für CAD/CAM-Systeme vor. Bei Stücklisten und Beschlägen kann die KI Konstruktionsmuster erkennen, „empfiehlt“ passende Beschläge und überprüft Stücklisten auf Vollständigkeit.
  • Fertigung: Im 3D-Modell werden Nuten, Fräskonturen sowie Bohrungen automatisch erkannt. Daraus wird der NC-Code für die Holzbearbeitungsmaschinen erzeugt – KI-Verfahren machen diese Erkennung zunehmend treffsicherer. Auch beim Nesting helfen KI-gestützte Optimierungsverfahren, die Platten besser auszunutzen.
  • Kalkulation und Controlling: Wenn dann der Auftrag fertig gestellt und ausgeliefert ist, unterstützt die KI die Nachkalkulation und vergleicht Soll-Daten aus den Angeboten mit den tatsächlich angefallenen Ist-Daten – vorausgesetzt, die Ist-Zeiten werden im Betrieb sauber erfasst. So sieht der Tischler sehr schnell, ob der Auftrag auch lukrativ war.

Marketing und E-Mail mit KI

Eine sehr wichtige, fallweise etwas unterschätzte Aufgabe ist auch das aktive Generieren von Aufträgen und zwar mit Online-Marketing sowie einer schnellen Kunden-Korrespondenz: Auch das schafft die KI und erstellt etwa aus einem Foto des gefertigten Möbelstücks Beitragsentwürfe für Social-Media-Plattformen oder die eigene Website und formuliert Antwortentwürfe auf Anfragen rasch und in professionellem Ton. ■