Wirtschaft

Rekordumsatz für Blum-Gruppe

Bilanz
28.07.2021

Das Vorarlberger Familienunternehmen Blum schloss das vergangene Wirtschaftsjahr 2020/21 mit einem Gruppenumsatz von rund 2,4 Mrd. Euro ab. Durch die gestiegene Nachfrage aufgrund der Pandemie beträgt das Umsatzplus 24,7 Prozent.

Zentrale der Blum-Gruppe in Höchst.

Ein erfolgreiches, aber dennoch herausforderndes Jahr liegt hinter dem weltweit agierenden Unternehmen Blum. Noch immer profitiert der Beschlägespezialist von einer ungebremsten Nachfrage an Einbaumöbeln und Küchen. Demgegenüber sorgen Lieferengpässe sowie die Rohstoffknappheit und die hieraus resultierenden Preissteigerungen wie etwa beim Stahl für enorme Herausforderungen.

Hochkonjunktur hält weiter an

Philipp Blum, Geschäftsführer von Blum.

Die Blum-Gruppe erwirtschaftete vom 1. Juli 2020 bis zum 30. Juni 2021 insgesamt 2.376,75 Mio. Euro Umsatz – im Vergleich zum Vorjahr konnte der Umsatz damit um 24,7 Prozent, beziehungsweise um 470 Mio., gesteigert werden. Die aufgrund der Pandemie weltweit gestiegene Nachfrage im Möbelbau hat somit auch bei Blum für eine ungeahnte Hochkonjunktur gesorgt: „Die eigenen vier Wände haben während der Krise überall auf der Welt an Bedeutung gewonnen. Gleichzeitig gab es eine Verschiebung des privaten Konsums – weg von klassischen Freizeitaktivitäten, hin zu Investitionen ins eigene Zuhause. Unter anderem auch in Küchen und Möbel“, erklärt Geschäftsführer Philipp Blum die Entwicklung.

EU bleibt wichtigster Wirtschaftsmarkt

Obwohl während der Lockdowns die Möbelgeschäfte teilweise von langen Schließungen betroffen waren, stieg die Nachfrage im Bereich Wohnen und Einrichten weltweit an. Die Märkte Westeuropas verzeichneten dabei ein starkes Wachstum - insbesondere Italien, Frankreich, Großbritannien und Deutschland. Große Zuwächse gab es auch in Osteuropa, wie etwa in Polen, Russland, Tschechien und der Türkei. Auch die nordamerikanischen Märkte entwickelten sich gut. Umsatzwachstum gab es auch in den Märkten in Asien – wozu maßgeblich China beigetragen hat. Ein positives Jahr verzeichneten ebenfalls Afrika, Südamerika sowie der Nahe und Mittlere Osten. Damit beliefert Blum Kunden in mehr als 120 Märkten – des Weiteren zählen seit Frühjahr 2021 mit der Neugründung von Blum Indonesien weltweit insgesamt 33 Tochtergesellschaften und Repräsentanzen zum Unternehmen.

Um nah bei den Kunden zu sein, habe sich gerade die internationale Ausrichtung durch die lokalen Organisationen und Verkaufsteams auf der ganzen Welt während der Pandemie als besonders wichtig erwiesen, ist Philipp Blum überzeugt. Unabhängig davon sei die Umsatzverteilung im Vergleich zum Vorjahr konstant geblieben: „Wir erwirtschaften nach wie vor den größten Teil unseres Umsatzes, nämlich 44 Prozent, in unserem Heimmarkt, der Europäischen Union“, informiert Philipp Blum. Die USA bleiben mit einem Anteil von 13 Prozent der größte Einzelmarkt, die anderen Märkte weltweit tragen 43 Prozent zum Gesamtumsatz bei.

Extreme Herausforderung Fachkräftemangel

Martin Blum, Geschäftsführer von Blum.

„Die große Nachfrage nach Küchen und Möbeln und somit nach Blum-Produkten ist mehr als erfreulich, stellt uns aber, besonders im Produktionsumfeld, vor extreme Herausforderungen“, gibt Geschäftsführer Martin Blum zu bedenken. Die individuelle Beratung sowie sichere und verlässliche Versorgung seiner Kunden habe für das Vorarlberger Traditionsunternehmen oberste Priorität: Weltweit arbeiten 8.778 Mitarbeiter für Blum – davon 6.551 in Vorarlberg. Dort wurden im vergangenen Jahr wiederum 371 neue Mitarbeitende eingestellt, weltweit 429.

Des Weiteren starten im Produktionsstandort Vorarlberg mit 1. September 93, in den USA acht und in Polen zwei Lehrlinge ihre Ausbildung bei Blum. Letzteres kann jedoch nicht darüber hinweg täuschen, dass auch Blum der akute Fachkräftemangel vor zusätzliche Herausforderungen stellt. Die Lehre – die Ausbildung junger Menschen zu Fachkräften – bleibt für das Unternehmen somit weiterhin ein wichtiger Faktor, um sich langfristig für die Zukunft aufzustellen.

Stärkung der internationalen Standorte

Die weltweiten Gesamtinvestitionen für das vergangene Wirtschaftsjahr liegen bei 259 Mio. Euro, 176 Mio. davon in Vorarlberg. Blum investiert auch in diesen herausfordernden Zeiten konstant und langfristig in die Erweiterung der Gebäude, Maschinen und Anlagen. „Durch die langfristigen Planungen waren wir überhaupt in der Lage, dieser unerwartet starken Nachfrage bestmöglich zu begegnen“, so Martin Blum. Die Erweiterung im Werk 4 in Bregenz wird noch im Sommer in Betrieb genommen. Im Werk 6 in Gaißau ist der Start für den Ausbau der Produktion und des Hochregallagers bereits erfolgt, die Inbetriebnahme ist für Mitte 2023 geplant. „Wir bekennen uns damit auch weiterhin klar zum Produktionsstandort Vorarlberg“, erklärt Martin Blum.

Im Sinne einer gesunden Wachstumsstrategie stärkt die Blum-Gruppe mit weltweiten Investitionen die internationale Ausrichtung. Die Betriebserweiterung in Polen geht ebenso voran, Blum rechnet mit einer Fertigstellung ab Herbst 2023. Der Bau des Produktionsstandorts China wird Anfang 2022 abgeschlossen sein. „Das ist ein stark wachsender Markt – um die Nachfrage im chinesischen Markt abzudecken, haben wir uns für den Aufbau einer lokalen Produktion entschieden. Das bringt uns eine höhere Flexibilität, wir sind näher bei unseren Kunden und vermeiden lange Transportwege“, erklärt der Geschäftsführer.

Rohstoffknappheit und Lieferengpässe

Die anhaltend hohe Nachfrage an Küchen- und Einbaumöbeln hat gleichsam eine Verknappung der Rohstoffe zur Folge, wie dies etwa auf den Stahl zutrifft. Die Folge sind Preissteigerungen und Lieferengpässe: “Unsere Kunden müssen derzeit leider länger auf unsere Produkte warten“, informiert Martin Blum und ergänzt: „Nur durch die teilweise angepassten Lieferzeiten ist es uns möglich, die rapide gestiegene Nachfrage aus den Märkten zu bedienen." Der Stahlpreis hat sich nahezu verdoppelt, aber auch Kunststoff, Verpackungen, Zink oder Aluminium sind von massiven Preissteigerungen betroffen. Eine ähnliche Entwicklung zeigt sich im Transportwesen: Die gesamte internationale Lieferkette ist unter Druck, sowohl im Land- als auch im Seeverkehr wurden die Preise teilweise empfindlich erhöht. „Auch wenn die Situation aktuell sehr herausfordernd ist, sorgen unsere langjährigen Partnerschaften mit unseren Lieferanten zumindest für eine gewisse Stabilität“, ist Martin Blum überzeugt.

Ausblick auf das kommende Wirtschaftsjahr

Nach Einschätzung der Geschäftsführung werden die internationalen Lieferketten sowie die Verfügbarkeit beim Rohmaterial noch länger angespannt bleiben. „Wir hoffen, dass uns – auch aufgrund der hohen Durchimpfungsrate – weitere Lockdowns erspart bleiben“, sagt Philipp Blum. Gleichzeitig stelle sich die Frage, ob der sogenannte „Homing-Trend“ die Rückbesinnung auf den Wert des privaten Heims und die damit verbundene Verschiebung des Konsumverhaltens von Dauer seien. Für Philipp Blum ist klar: „Die Erfahrungen, die wir als Unternehmen in den letzten eineinhalb Jahren gemacht haben, bringen uns weiter voran. Die digitalen Möglichkeiten bieten viele Chancen, allerdings haben sie auch aufgezeigt, dass persönliche Gespräche und der Austausch nicht ersetzbar sind.“ In diesem Sinne stelle die direkte Kommunikation auch in Zukunft einen wesentlichen Faktor dar, um weiterhin ein verlässlicher Partner für die Kunden sein zu können.

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