Rohstoffkrise

Prekäre Rohstoffsituation belastet Lackindustrie

Gastkommentar
22.06.2021

Die prekäre Rohstoffsituation belastet die Lackindustrie enorm.

Die Coronakrise konnte der Lackindustrie nicht allzu viel anhaben, bei den meisten Unternehmen blieb die Auftragslage gut. Sorge bereitet jetzt allerdings der Einkauf, denn die Versorgung mit Rohstoffen ist teilweise unterbrochen oder sie sind nur sehr teuer zu bekommen.

Die Gründe für die Verknappungen sind sehr unterschiedlich. Bei Epoxidharzen, einem wichtigen Bindemittel für Farben und Lacke, kam es etwa zu Ausfällen bei Produzenten. Da die Zahl der Produktionsstätten von Epoxidharz weltweit begrenzt ist, haben Störfälle schnell negative Auswirkungen auf den Rohstoffmarkt.

Doch nicht nur Verknappungen bei Epoxidharzen belasten die Branche. Einzelne Lösemittel verzeichnen Preissteigerungen von über 100 Prozent innerhalb von zwei Monaten. Schuld daran sind Force Majeure-Fälle bei Produzenten von Basisprodukten. Ähnlich verhält es sich mit Isocyanaten. Auch Titandioxid, das wichtigste Weißpigment der Lackindustrie, ist von Verknappungen und Preisanstiegen betroffen. Aus China kommen hier aktuell gar keine Importe.

Ein weiterer Grund ist der Konjunkturaufschwung in Südostasien, allen voran in China. Dieser brachte einen Anstieg bei der Nachfrage, wodurch die vorhandenen Rohstoffe gar nicht nach Europa exportiert werden, sondern bei den Bestbietern in Asien bleiben.

Wenn es einem Unternehmen gelingt, die erforderlichen Rohstoffe einzukaufen, ist der Transport das nächste Hindernis. Denn zu allem Überdruss herrscht momentan auch noch eine Containerknappheit, die die Transportkapazitäten stark einschränkt. Bedingt durch den gestiegenen Onlinehandel und die hohe Nachfrage nach Hygieneartikeln aus Asien, sind große Mengen an Seecontainern belegt. Europäische Produzenten berichten, dass die Containerpreise zwischen Asien und Europa seit Ende 2020 um mehr als das Doppelte angestiegen sind, was die Margen bis zur Unwirtschaftlichkeit schrumpfen lässt.

Zuletzt plagen auch noch hohe Materialpreise für Verpackungen die Lack- und Anstrichmittelindustrie: Kunststoffe sind durch die gestiegene Nachfrage nach hygienischen Verpackungen in der Pandemie teurer geworden und auch die Stahlindustrie erlebt gerade eine Sonderkonjunktur.

Ein Ende der weltweiten Rohstoffverknappung ist aktuell nicht absehbar. Europäische Fachleute sprechen sogar von einer prekären Rohstoffsituation, wie sie in jüngerer Geschichte noch nicht dagewesenen ist. Die Lackindustrie hofft auf eine Entspannung im Herbst. (dd)

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