KSV1870

Fast 60 Prozent weniger Firmenpleiten

Im ersten Quartal 2021 sind laut KSV1870 gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres die Unternehmensinsolvenzen um 59 Prozent gesunken. Der Kreditschutzverband rechnet daher mit einem harten Aufprall der Unternehmen nach der Pandemie.

24.03.2021
Top-Artikel Bau
Redaktion Handwerk + Bau

Laut aktueller KSV1870-Hochrechnung ist die Zahl der Unternehmensinsolvenzen im ersten Quartal 2021 gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres um 59 % gesunken. Insgesamt 473 Firmen mussten seit Jahresbeginn Insolvenz anmelden, das ist der niedrigste Wert seit 1977. Seit dem ersten Lockdown im März 2020 haben sich die Firmenpleiten pro Woche um etwa fünfzig Prozent reduziert. Gleichzeitig sind die geschätzten Verbindlichkeiten um 86 Prozent (auf 157 Mio. Euro), also überproportional, zurückgegangen.

Größte Wirtschaftskrise seit dem 2. Weltkrieg

 „Die Corona-Krise zeigt weiterhin ihre Krallen. Wir befinden uns inmitten der größten Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg und die Zahl der Insolvenzen ist weiterhin auf Talfahrt. Wenn diese Entwicklung so weitergeht, wird Österreichs Wirtschaft mittel- und langfristig mit weitaus massiveren wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen haben, als das heute ohnehin schon der Fall ist“, erklärt Karl-Heinz Götze, Leiter KSV1870 Insolvenz.

Durch Corona-Hilfen am Leben erhalten

Der Grund liegt laut KSV1870 auf der Hand, nämlich unter anderem an den zahlreichen künstlichen Eingriffen in ein an sich gut funktionierendes Insolvenzwesen. Sprich, viele Betriebe werden durch die Corona-Hilfsmaßnahmen am Leben erhalten. „Diese undifferenzierte Großzügigkeit gehört gestoppt, bevor auch gesunde Unternehmen von finanzschwachen Firmen in den Abwärtsstrudel getrieben werden“, so Götze. Der Gläubigerschutzverband plädiert daher für ein sofortiges Ende des, wie er es nennt, Gießkannen-Prinzips. Den Betrieben rät der KSV1870 vielmehr bei einer finanziellen Schieflage lieber heute als morgen eine Sanierung anzustreben. „Auf diese Weise kann noch gerettet werden, was zu retten ist. Hier geht es ganz besonders auch um Jobs und die Existenz der Menschen, die nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden darf“, appelliert Götze. 

Paradoxe Branchen-Verschiebungen

Im Vergleich zum Vorjahr ist es im Branchen-Ranking zu teils deutlichen Verschiebungen gekommen. Während im Jahr 2020 die Bereiche „Unternehmensbezogene Dienstleistungen“ und das Gastgewerbe ganz vorne zu finden waren, ist jetzt, trotz allgemein guter Auftragslage, die Bauwirtschaft der Spitzenreiter. Und das, obwohl auch in diesem Bereich die Insolvenzen zahlenmäßig zurückgegangen sind. Waren es im ersten Quartal 2020 noch 167 Pleiten in der Bauwirtschaft, sind es im ersten Quartal 2021 nur 130 Insolvenzen – was aber trotzdem zu der paradoxen Situation führt, dass die Bauwirtschaft im Ranking an erster Stelle steht. Sozusagen freie Marktwirtschaft versus Corona-Hilfspakete.

Das dicke Ende kommt erst

Vor wenigen Wochen wurden die Corona-Hilfsmaßnahmen, wie etwa Stundungen seitens der Bundesregierung, einmal mehr bis 30. Juni 2021 verlängert. Damit dürfte der Trend der rückläufigen Firmenpleiten auch in nächster Zeit bestehen bleiben. Irgendwann wird aber der Tag der Wahrheit kommen.  „Der harte Aufprall wird für viele Unternehmen, wie beispielsweise Gastronomen, spätestens dann erfolgen, wenn der künstliche Eingriff durch die Regierung beendet wird“, so Götze.

Aus heutiger Sicht geht der KSV1870 davon aus, dass die Unternehmensinsolvenzen frühestens ab Herbst steigen werden. „Eine regelrechte Insolvenzwelle ist aus heutiger Sicht am Horizont nicht erkennbar. Wann auch immer die Insolvenzzahlen steigen werden, gehen wir von einer stetigen Steigerung der Firmenpleiten aus. Dieser Anstieg wird bis in die Jahre 2022 und 2023 hineinreichen“,  erklärt Götze. (ar)

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